10 Jahre Grünzeug im Fuhrpark: Mein Mazda 818 Sedan de Luxe

Geschätzte Lesezeit: 17 Minuten

Fünfundvierzig Jahre hat die Erbse, der Mazda 818 Sedan de Luxe und mein Liebling im Fuhrpark auf dem grünen Buckel, davon ist sie seit nunmehr unglaublichen 10 Jahren in meinem Besitz. Solche Jubiläen geben mir einen Anlass auf diese 10 Jahre zurück zu blicken, schön fein säuberlich geordnet in chronologischer Reihenfolge. Der ebenfalls etwas über 10 Jahre bestehende Alltagsklassiker Blog, hat das ganze erleichtert, da ich hier während dieser Dekade so etwas wie ein loses Tagebuch meiner Fahrzeuge führe.  Aber Achtung: Diese Geschichte könnte etwas länger werden!

 

Ross und Reiter 2018

 

Doch wie kam es eigentlich dazu, das ich mir einen 35 Jahre alten Japaner zulege? Mir war der Mazda 818 Sedan de Luxe schon aus dem Mazda Oldtimer und Youngtimer Forum geläufig, da sich dessen Besitzer Bruno auch dort rumtrieb. Er, der eine interessante Oldtimersammlung sein Eigen nennt, legt besonderen Wert auf den soweit als möglich unrestaurierten Originalzustand seiner Klassiker. So hat auch die 818 Limousine gut in sein Portfolio gepasst.

Aber wie so oft, kommt etwas des Weges, was nicht ins Sammlungskonzept passt. In diesem Fall war das ein anderer Verkehrsteilnehmer, der der Erbse zu nahe kam. Durch den unverschuldeten Unfall, der auf der Fahrerseite den Kotflügel und die Türe ondulierte, war der Originalzustand unwiederbringlich zerstört.  Der Schaden wurde fachgerecht mit einem neuen Kotflügel und einer neuen Türhaut in der Mazdawerkstatt instandbesetzt und lackiert. Somit wurde die Garagentüre der Erbse geöffnet um sie weiterziehen zu lassen. 

 

Das erste beschnuppern 2008

 

Ich war natürlich begeistert, dass ein Mazda aus den frühen Tagen kurz nach der österreichischen Markteinführung zum Kauf angeboten wurde. Auch die erste Preisvorstellung von Bruno war nicht unverschämt, die wir über Email austauschten. Ein paar Monate zuvor, im August 2008 bin ich der Erbse das erste mal am Oldtimertreffen in Graggerer begegnet, das war meine bewusste erste Begegnung mit einem Mazda 818. Wir vereinbarten einen Besichtigungstermin Anfang November, zu dem mich ein Freund begleitete, der ebenfalls dem Altautovirus verfallen ist.  

 

Oldtimertreffen Graggerer 2008

 

Und da stand sie dann vor der geräumigen Sammlergarage: Grün wie Mazda sie schuf! Alleine mit der Farbe hatte sie mich. Der Rest war nur noch Zubrot, wobei das auch nicht von schlechten Eltern war. Rund 91.000 km auf der Uhr, der fast unberührte Zustand, die Folien auf den hinteren Türverkleidungen die noch vom Werk drauf sind. Klar gab es auch Macken, aber bei einem 35 Jahre alten unrestaurierten Fahrzeug muss und kann man damit leben: Der Sprung im Armaturenbrett – ein altes Leiden bei Fahrzeugen aus den 70ern, die bereits genähte Sitzfläche am Fahrersitz, das schwarze Tigertape am Abschluss der Rückenlehne oben, die 2cm Nachlackierung entlang des unteren Karosserieendes, ein paar Rostbläschen unter der Frontstoßstange, der sichtbare Reparaturversuch am unteren Heckscheibenrahmen.

 

Folie auf den Türen

 

Eine ausgiebige Probefahrt in der einsetzenden Dämmerung machte es mir schwer, Argumente gegen den zarten Grünen zu finden. Kaum sitzt man drinnen und der Motor läuft warm und rund, setzt schon die Entschleunigung ein! Man könnte mit den 66 vorhandenen Pferdchen flotter fahren, muss man aber nicht! Das gemütliche stressfreie cruisen ist genau das, was einem diese kleine grüne Limousine ans Herz legt! Rumbummeln mit 80 bis 100 auf der Landstrasse, die Gegend beobachten, bei offenem Fenster die Wärme spüren, den Sommer riechen. Das ganze ohne Schnickschnack, keine Servolenkung, keine elektrischen Fensterheber, keine Reifendruckkontrolle, kein Parkpiepserl, kein Spurhalteassistent – Autofahren pur! Autofahren wie früher, als der Fahrer noch selbstständig denken musste, selbst gasgeben, selbst verzögern und Achtung: Selbst den Blinker setzen! Ach das muß man heute auch noch, nur tut es kaum mehr wer… 

 

Erste Fotosession 2008

 

Ich erbat mir wenigstens eine Nacht Bedenkzeit, wobei mir beim abwägen von Pro und Contra am Heimweg wenig Gegenargumente für den Kauf einfielen. In den nächsten Tagen telefonierte ich nochmals mit Bruno, ein wenig Preisverhandlung der guten Sitten wegen waren natürlich nötig und somit hatte ich meinen ersten Mazdaoldtimer gekauft! Ein paar Tage später vereinbarten wir die Abholung, bei der mir wieder Rene zur Seite stand. Ein paar Ersatzteile, eine Mappe mit Unterlagen gab es noch obendrauf und das Versprechen wurde mir abgenommen, gut auf den 818 aufzupassen. Der Heimweg verlief problemlos und das abstellen in der frisch angemieteten Garage war hart. Ein paar Tage später, gab es noch eine lustvolle Bewegungsfahrt mit geborgten blauen Taferln, die ich auch gleich zur ersten Fotosession nutzte. Nun war aber endgültig das Saisonende eingeläutet, den Ende November werden schon tüchtig die Strassen gesalzen.


2009

So ein Winter kann ganz schön lange sein, wenn man darauf wartet seinen im Spätherbst gekauften Klassiker endlich zum Verkehr zuzulassen, eine frische §57a Überprüfung machen zu lassen und neue Reifen aufzuziehen! Das Pickel war reine Formsache, keine gravierenden Mängel waren zu vermelden. Einzig die alten etwas einseitig abgefahrenen und auch zu breiten Reifen, wurden gegen neue schwarze eingetauscht.

 

Erbse meets Orange

 

So begann die erste Saison also mit einem frischen Pickel und der Anmeldung der Erbse und den ersten Fahrten um uns mal gegenseitig kennenzulernen. Der drei Jahre jüngere Fahrer der es an sich gerne flotter angehen lässt auf der Strasse und der erbsengrüne Sedan, der eine neue Heimat gefunden hat. Ich rätsle gerade woher der Name “Erbse“ kommt, bin aber ziemlich sicher das das beim rumlungern und brainstormen in oder vor Lamars Garage entstanden ist, den er besaß zu der Zeit einen orangen Knudsen Taunus, der die “Orange“ war.

 

Garagenromantik

 

Ein Roadtrip zum Geburtstag eines lieben Freundes stand ebenso auf der Agenda, die natürlich unter Altautoliebhabern standesgemäß im Klassiker zu erfolgen hat. Danach ging es gleich weiter nach Wien, wo ich meiner Lieblingsschwester einen Besuch abstattete. Da merkt man dann auch, das man zwar durchaus auf der Autobahn mitschwimmen kann, aber mit nur vier Gängen wird das mühsam und vor allem ist es akustisch kein Genuss, wenn man das eigene Wort nicht versteht. So wird seitdem nur mehr wenn es absolut notwendig ist die Autobahn benutzt, ohne macht es einfach mehr Laune.

 

200 Minuten Classic 2009

 

Diverse Oldtimertreffen wurden besucht, ebenso wie die legendären Garageboys in Graz-Eggenberg. Die “Verlorene Söhne Tour“ huldigte einigen wieder in die Steiermark heimgekehrten Altblechveteranen, die teils beruflich, teils aus Jux und Tollerei längere Zeit in der Fremde weilten.  Eines der Highlights der Saison war die Teilnahme an der 200 Minuten Classic mit meinem Vater als Co-Pilot, dabei haben wir einen respektablen 11. Gesamtrang erreicht.


2010

Eine neue Garage wurde in  der Nähe der Wohnung gefunden, damit fällt der Ritt quer durch die Stadt weg und einem regelmässigen durchtauschen der Fahrzeuge steht nichts mehr im Wege. Wenig Bewegung im Fuhrpark, da ein neuer Job im Aussendienst das Fahrverhalten komplett ändert. Mit dem Firmenmobil das vor der Haustüre parkt, spule ich Tag für Tag zahllose Kilometer ab. Einen herkömmlichen Weg zur Arbeit gibt es in dem Sinne nicht mehr, den früher eines meiner Fahrzeuge im regelmässigen Wechsel absolviert hat. Das hält zwar die Betriebskosten niedrig, sorgt aber auch für viel Standzeiten.

 

 

Für stilechtes zeitgemässes Zubehör war und bin ich nach wie vor anfällig, so wie der Dachgepäckträger den mir Valentin vermittelt hat und der Erbse ganz gut steht.


2011

Dieser Dachgepäckträger machte gleich darauf Furore: Auf Vermittlung von Lamar, spielte der Gepäckträger eine tragende Rolle im “Fleisch bringt’s“ Werbespot der AMA (Agrarmarkt Austria). Hier findest du das Video und das Making of.

Die Kontaktaufnahme einer 818 Coupe Erbin weckte mein Interesse, denn sie bot ein ebenfalls erbsengrünes Coupe aus der ersten Serie ihres verstorbenen Vaters zum Kauf an und bot mich um meine Einschätzung des Zustandes. So bot der Trip ins Südburgenland mal die Chance ein Coupe aus nächster Nähe zu sehen, vor allem die Mehrausstattung die das Coupe hat war äußerst interessant. Auch hier fanden sich noch die Schutzfolien auf den Türverkleidungen vom Werk, die weder der Importeur noch der Besitzer entfernt hatte!

 

Das selbe in grün

 

Die Erbse wurde nicht viel bewegt in diesem Jahr, nur einige Treffen und auch die Altblech Friday Night Cruising wurden besucht, neben so mancher Genussfahrt.


2012

Eine zufällige 818 Sichtung machte ich in der Oststeiermark, wo in einer Hauseinfahrt eine silberne Facelift Limousine mit französischen Kennzeichen den Blick auf sich zog. Das war die erste 818 Sichtung in freier Wildbahn und zufällig war auch der verkaufswillige Besitzer in Griffweite und somit konnte den Lebenslauf dieses Sedan ein wenig nachzeichnen. Mangels schon zu wenig Zeit und der optimistischen Preisvorstellung für den dann doch eher mäßigen Zustand blieb der silberne wo er war. Man konnte ja nicht ahnen, das er sich nur wenig später am Schrottplatz einfinden würde.

 

Der Franzose

 

In diesem Jahr war ich voll im neuen Job eingespannt, folglich blieben die Fahrzeuge deutlich unter dem Radar, einzig der MX-5 wurde ein wenig bewegt. Ein leidiges Problem, wenn man zu viele Spielzeuge hat und nur begrenzte Zeit.


2013

Am 08.02. haben wir den 40. Geburtstag der Erbse begangen, sprich ihre Erstzulassung in Österreich. Der wahre Geburtstag dürfte einige Monate früher in Japan anzusiedeln sein, zusätzlich einige Wochen Überfahrt bis nach Europa.

 

 

Ein feines Stück Zeitgeschichte hat mir Mathias vom Mazda Youngtimer Forum zukommen lassen, einen Schlüsselanhänger der auf beiden Seiten den Mazda 818 zeigt, einmal davon im passenden erbsengrün. Ausgegeben wurde der Schlüsselanhänger ursprünglich vom dänischen Autohändler N.O.Jensen der einst Mazda, Audi und NSU im Portfolio hatte. Der Laden ist noch immer aktiv und führt neben Mazda, die Marken Suzuki und Hyundai.

 

 


2014

Eines der Saisonhighlights war sicher die erstmalige Teilnahme an der ARBÖ Classic, die ihren Ausgangspunkt in Admont hat. Platz 15 war der Lohn der Arbeit, die bei uns aber nie todernst genommen wird, der Spaß am Fahren in einem Klassiker in wundervoller Landschaft steht bei uns an erster Stelle. Im Zuge von Klassikerveranstaltungen, seien es Rallyes, Treffen oder Messen, trifft man immer den einen oder anderen, der sich auch an reifen japanischen Fahrzeugen erfreut. So auch bei der ARBÖ Classic, wo ich einen sehr wertvollen Kontakt knüpfen konnte. Dadurch kam ich an ein Konvolut an gebrauchten Mazda 818 Teilen und im Jahr darauf zu einem ganzen Auto.

 

Der 818 ist ein Chickenmagnet 😉

 

Zeitgenössisches Zubehör ist für mich einfach das Nonplusultra bei einem Klassiker! So war ich auch recht glücklich, als ich die Gradulux Heckjalousien für die Erbse geliefert bekam. Diese werden noch immer von der Firma Gradulux in Perpignan (Frankreich) auf den Originalwerkzeugen aus den 50ern gefertigt. Eine simple Konstruktion, die flott im Fahrzeug verbaut ist und ein wahrer Eyecatcher ist. Ideal für diese grüne Entschleunigungsmaschine! Auch wenn es die Sicht nach hinten noch mehr einschränkt, die schon durch den einzelnen Talbotspiegel am Kotflügel kaum geben ist.

 

 

Aber auch Kontakte zu einem 818 Besitzer in Holland haben sich als Goldes wert herausgestellt, denn eine im Mühlgang versenkte Edelstahl-Radzierkappe konnte ich so ersetzen und noch ein paar Exemplare auf Lager legen. Besser haben als brauchen. Ohne dementsprechende Kontakte rund um die Welt, ist es schwierig einen japanischen Klassiker auf der Strasse zu halten, so kommt man mit etwas Engagement, Englischkenntnissen und Geduld zu fast allem was man so benötigt.

 

Japanisches Kuckucksei unter Bergfexen

 

Bei der Gedenkfeier zum 100 jährigen Todestag des steirischen Mobilitätspioniers Johann Puch war ich mit der Erbse das Kuckucksei, im Nest der Produkte die einst die Werkshallen in Graz verlassen haben. Mangels Fahrzeug aus dem Hause Puch, wurde immerhin stilvoll mit einem Klassiker angereist.  


2015

In der Winterpause, die immer viel zu lange dauert, erschien die erste Ausgabe des Onlinemagazins Asphalt Geschichten, die Duke ein Freund seit Kindesbeinen an und ebenfalls Klassikerliebhaber, ins Leben rief. Darin ist auch eine Geschichte über Alltagsklassiker, mich und natürlich die Erbse enthalten. Für die Bilder sind wir an einem Herbstsonntag zeitig aus den Federn gekrochen, um den Sonnenaufgang im Grazer Westen einzufangen.

 

 

Es wurde auch während der Winterpause ausgiebig recherchiert, neue Prospekte der Sammlung einverleibt und auch ein 818 Station Wagon ist mir zugelaufen.  Somit wurde es Zeit für eine ausführliche Modellchronik des Mazda 818, mit besonderer Berücksichtigung der für Österreich bestimmten Modelle.

2015 war wohl ein Mazda 818 Jahr: Über verworrene Wege wurde mir ein Mazda 818 Coupe in Wien angeboten, das erstmals 2012 in meinem Blickfeld aufgetaucht ist. Ein Garagenfund den die langjährigen Besitzer nicht unbedingt loswerden wollten, die zugesandten Bilder waren nicht recht aussagekräftig. So traf es sich gut, das ich auf einer Freundschaftsshuttlefahrt zum Flughafen Schwechat, die Nähe nach Wien nutzte und mir den “roten Mazda in der Garage“ mal näher ansehen wollte. Immer im Hinterkopf, ein Schnäppchen zu machen und dann zum Sedan und Station Wagon mit dem Coupe die  818 Modellpalette voll zu haben. Der Besuch war leider sehr ernüchternd: Das Coupe war zwar kühl und finster gelagert, leider aber auch feucht. Neben viel Schimmel im Innenraum, blühte vor allem an allen Ecken und Enden der Karosserie die braune Pest. Mein Angebot war frech und im niedrigen dreistelligen Bereich, da für mich eigentlich nur das makellose Armaturenbrett ohne Sprünge und die Zusatzinstrumente wie sie nur im Coupe verbaut waren von Interesse waren. Der schon beim Besuch erwähnte polnische Bekannte der Besitzerin hat sich dann des Coupés angenommen, in seine Heimat überführt und soll es angeblich restaurieren.

 

Garagenfund

 

2015 kam dann doch nich ein weiterer 818 ins Haus, ein Station Wagon, den ich über mehrere Jahre immer wieder im Auge hatte. Sein Zustand ist durchaus verbesserungswürdig, deswegen lungert er auch gut abgestellt in der Garage und wartet auf seine Wiederbelebung.

 

 

Ein Fixpunkt war auch in diesem Jahr die 200 Minuten Classic, die die Erbse bravourös meisterte, auch wenn wir in der Ergebnisliste unter ferner liefen aufzufinden waren. Aber um den Sieg gehts uns nicht, nur um den Spaß dabei zu sein.

Nach dem vorerst letzten Fixpunkt der Saison, ging es daran die bei der Pickerlüberprüfung bemängelten Rostnester zu behandeln. Da gibt es bei Alltagsklassiker einen Virtuosen, der mit Blech umgeht, wie kaum ein Zweiter: Claus. Kotflügel ab, ein bisschen flexen hier, ein wenig Blech biegen da, anpassen, schweißen, Epoxyharzanstrich, Hohlräume versiegeln, Zusammenbau, fertig. Die ganze Story zum nachlesen: Klick

 

Träger: Tot!

 

Auch die Sisalfußmatten waren am Ende Ihrer Nutzungsdauer angekommen, über das Forum bekam ich den Tipp es doch beim Mattenwerk zu versuchen. Und mir wurde geholfen: In Handarbeit wurde mir nach Vorlage der vorhandenen Fußmatten ein Satz feinster Sisalmatten in Fischgratmuster angefertigt.

 

 

Kurz vor Ende der Klassikersaison kam noch eine Anfrage, die man nicht ausschlagen konnte: Die Erbse sollte eine kleine feine Nebenrolle im Musikvideo der steirischen Band likA rund um Lisa Katharina Raffold spielen. Es war wieder mal interessant in Welten vorzudringen, in die man sonst keinen Einblick hat. Das Filmteam rund um Roland Renner war schon den ganzen Tag mit der Band, sowie den beiden Hauptdarstellern des Videos Lisa Katharina Raffold und Schauspieler Michael Großschädl unterwegs um die Szenen in den kleinen schwarzen Kasten zu bekommen. In den letzten Szenen sollte der große Auftritt der Erbse kommen.

 

 

Nach kurzer Einweisung in das Fahrverhalten eines “alten“ Autos übernahm Lisa  in der Dämmerung das Steuer im Gewerbegebiet an der südlichen Grazer Stadtgrenze. Ein paar Szenen und Takes später, war es Zeit für einen Ortswechsel in eine noch finstere Gasse in Seiersberg. Das große Finale wurde in totaler Finsternis nur beleuchtet durch die Funzeln der Erbse auf einer Lichtung am Fuße des Gedersbergs gedreht.


2016

Auch 2016 wurde es nicht fad, bei der jährlich wiederkehrenden Überprüfung wurden die hinteren Stoßdämpfer bemängelt. Weiters machten sich bereits die hinteren Radlager bemerkbar. Die Radlager fanden sich bei EBAY in Großbritannien, die Stoßdämpfer bei RockAuto in den USA. Leider verschwieg die Artikelbeschreibung, das die Dämpfelemente für den Station Wagon vorgesehen sind und nicht für den Sedan. Glücklicherweise fand sich über drei Ecken noch ein Satz fabriksneuer passender Dämpfer, keine 40km entfernt, dazu noch einige andere Ersatz- und Verschleißteile. Ebenfalls wurde das Öl im Differential getauscht.

 

 

Danach war das Pickerl nur noch Formsache  und der Fahrgenuss stand im Vordergrund. Ein feiner etwas skurriler Fund, tat sich auf einer Kleinanzeigenplattform auf: Eine Radiokonsole, die das Armaturenbrett mit der Mittelkonsole verbindet! Staubfrei und originalverpackt im Karton auf dem noch der ursprüngliche Verkaufspreis in Schillingen ausgepreist ist. Sowas muß man sich natürlich auf Lager legen.

 

 

Mazda Austria stellte mir für mehrere Tage einen MX-5 der neuen Modellgeneration ND zur Verfügung. Da bot es sich direkt an, ein wenig mit dem neuesten Modell direkt in Mazdas Vergangenheit zu reisen.

 

 


2017

Ende 2016 kam der Tipp von Valentin, das er einen guten Tapezierer und Sattler aufgetan hätte, sein erster Auftrag war bereits in Arbeit. So habe ich das Endergebnis abgewartet, mir Bilder und den Erfahrungsbericht angesehen und gehört. Klang alles sehr zuversichtlich, endlich die Sitzmöbel der Erbse auf Vordermann bringen zu lassen. Die Probleme mit dem Riss in der Fahrersitzfläche wurden mit den Jahren nicht kleiner, sie wurde schon im Auftrag von Vorbesitzer Bruno einmal vom Profi genäht.

 

 

Aber über 40 Jähriges Kunstleder wird definitiv nicht besser und somit war es Zeit, einmal Nägel mit Köpfe zu machen und Geld in die Hand zu nehmen.Also flugs im Licht der Stirnlampe in der düsteren Tiefgarage die beiden Sitze sowie die Rückbank samt Lehne demontiert und ins Vorzimmer verfrachtet. Der Sattler holt ab und stellt wieder zu, so hieß es warten und warten bis endlich nach etwas zeitlichem Überzug die frisch aufgepolsterten und neu bezogenen Sitzmöbel der Erbse wieder retour kamen. Das Preis-Leistungsverhältnis war schwer in Ordnung, das Ergebnis stimmt mich noch heute froh und glücklich. So ging es etwas verspätet in die Saison 2017, aber immerhin sitzt man wieder gut!

 

 


2018

Noch vor dem Saisonbeginn und mitten in der Streusalzsaison gibt es schon ein Jubiläum zu feiern: Die Erbse wurde am 08.02. 1973 in Scheibbs vom Krankenpfleger Josef G.erstmals um Verkehr zugelassen, mit dem amtlichen niederösterreichischen Kennzeichen N 118.381. Was nicht anderes heißt als 45 Jahre auf der Straße. 

 

 

Nachdem ausgiebig das Jubiläum zelebriert wurde, wurde es schön langsam Zeit sich Gedanken über das Auswintern zu machen: Wie oft juckt es einen endlich die erste Ausfahrt zu unternehmen, wenn die Temperaturen tagsüber steigen. Dabei werden noch fleissig die Fahrwege gepökelt und der Rollsplitt liegt noch zuhauf auf den Strassen. So war es dann Anfang April endlich soweit die Garage zu verlassen und sich wieder langsam an das 70er Jahre Fahrgefühl zu gewöhnen. Langsam und behutsam warmfahren, alle Funktionen überprüfen, die erste Wäsche, die Überprüfung von Reifendruck und Betriebsmitteln. Die Pickerlüberprüfung hat eine zu tauschende Bremsleitung zu Tage gefördert, ebenso leichten Ölverlust am Motor. Das wurde so flink es geht behoben und damit die Saison auch offiziell eröffnet.  

 

 

Denn auch im zehnten Jahr unserer Partnerschaft standen große Dinge an: Diverse Oldtimertreffen, Meet&Greet, Saturday Night Cruising und Oldtimer Rallyes wollen besucht werden! Aber nicht nur der Besuch von Veranstaltungen stand am Programm, auch die Teilnahme an zwei waren Fixpunkte 2018. Die 200 Minuten Classic kam nach einer einjährigen Verschnaufpause der Veranstalter retour und wurde natürlich mit der Erbse absolviert. Es ist immer wieder erstaunlich welch feinen Strassen abseits der Hauptverkehrsrouten da befahren werden. Ohne große Ambitionen sind wir bei eher durchwachsenem Wetter in diese Klassikrallye gestartet, folglich haben wir auch die Siegerehrung gespritzt. Was sich als Fehler herausgestellt hat, den mit einem dritten Platz in der Oldtimerklasse 2 und einem vierten Gesamtrang in der Gesamtwertung haben die Beste aller Beifahrerinnen und ich natürlich nicht gerechnet!

 

Yeeeah!

 

 

Die zweite Rallye die wir in Angriff nahmen, wird von lieben Freunden des Oldtimclub Weizklamm veranstaltet, die Premierenausgabe der Weizer Oldtimer Genusstour durften wir uns nicht entgehen lassen. Die vier Genussstationen, eingebunden in einen wunderbare Routenführung quer, rund um und mitten durch das Almenland, brachten die Aufnahmefähigkeit unserer Mägen schwer in Bedrängnis. Auch wenn jeder Bissen ein Genuss war, es war durchaus auch anstrengend pappsatt sich noch auf die Strecke und die gewinkelten Aufgaben zu konzentrieren.

 

 

 

Ein weiteres Highlight des Jahres war der Beitrag über Alltagsklassiker und seinen Schöpfer in der Juli Ausgabe der OldtimerMarkt, dem größten Oldtimermagazin im deutschsprachigen Raum, da durfte natürlich die Erbse nicht fehlen. Dazu gibt es auch ein Making of.

 

Making of

 

Wo geht die Reise hin mit der Erbse? Schön langsam lassen sich gewisse Defizite am Blechkleid nicht mehr schönreden, gewisse Dinge gehören zeitnah erledigt, bevor das Kartenhaus in sich zusammenfällt. Also wird es zu einer Restauration kommen, in welchem Ausmaß steht noch nicht fest. Fest steht, das es größere Eingriffe werden, denn der Frontscheibenrahmen ist an einer Ecke nur mehr Blätterteig, der bereits einmal reparierte hintere Scheibenrahmen wird auch nicht besser. Dazu kommen angeknusperte Türböden, der noch originale vordere Kotflügel zeigt braune Ansätze. Es gibt also viel zu tun. Ganz frisch ist eine nachlassende Bremswirkung, da wird wohl der Hauptbremszylinder ehebaldigst zu erneuern sein. Die Rolling Restauration wird einer richtigen weichen müssen, mit Stillstand der Erbse.

Es gibt viel zu tun, also wird es auch in der Zukunft nicht fad werden mit der Erbse! Auf weitere mindestens 10 Jahre. Damit es weiterhin so viele nette Begegnungen mit dem grünen Spaßmobil geben wird, den das grün polarisiert.

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Gründer von Alltagsklassiker, mit der Schwäche für alte Japaner, Schweden und Modellautos; Fotograf, Autodidakt, Leseratte, bewegt Mazda MX-5, Mazda 818, Volvo 960 II und Puch Maxi L

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