Der ideale Youngtimer: Volvo 740 / 760

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Die Volvos 740 und 760 sind sicher ein heißer Kandidat für einen alltagstauglichen Youngtimer. Dabei wecken sie aber nicht die ganz großen Emotionen die Volvos der Baureihe 700, es ist eher eine wohlige Zufriedenheit in denen sich die Besitzer der kantigen Schweden in Sicherheit wiegen. Hohe Laufleistungen, anspruchslose Technik, eine fulminante Heizung und viel Stauraum sind die ganz dicken Pluspunkte des 740 und 760. Über 1,2 Millionen Käufer zwischen 1982 und 1992 können nicht irren.

Dabei war Volvos Modellpolitik in den 80er und 90er Jahren nicht wirklich nachvollziehbar für den Konsumenten: In der oberen Mittelklasse hatte man mit den Serien 200, 700 und 900 zwischenzeitlich gleich drei Modellreihen gleichzeitig am Start. Unter dem da wie dort eckigen Blech steckten teils die selben Motoren. In den Jahren 1991 und 1992 buhlte mit dem 850 gar eine vierte Baureihe um die Gunst der Käufer.

 

Volvo 760

 

Volvo 760
Lassen wir die Verwirrung der vielen Baureihen im eigenen Haus hinter uns und richten wir den Blick auf Volvos Baureihe 700 die Anfang des Jahres 1982 präsentiert wurde. Erst erschien mit der 760 Limousine das Topmodell der Baureihe mit dem Sechszylindermotor und hochwertiger Ausstattung. Der für das Design verantwortliche Jan Wilsgaard legte beim Zeichnen der Linien des großen Volvos das Lineal nie aus der Hand, eigentlich ein Wunder dass die Reifen und das Lenkrad  rund geblieben sind. Weniger charmant fallen deswegen die Spitznamen des kantigen Volvos aus: Container-Volvo oder schwedischer Ziegelstein.

 

 

Volvo 740 Turbo

 

Volvo 740
1984 folgte mit der 740 Limousine der bodenständigere Vertreter der Baureihe, der mit Vierzylinder-Benzinmotoren und Sechszylinder-Dieselmotoren und einfacherer Ausstattung als das Topmodell angeboten wurde. Der Dieselmotor wurde von Volkswagen zugeliefert, der dort im Nutzfahrzeug LT seinen Dienst verrichtete – hier mit und ohne Turbo. Der Kombi erschien im Frühjahr 1985 in beiden Modellvarianten 740 und 760 und war in Europa deutlich begehrter als die Limousine. 

 

Volvo 780

 

 

Volvo 780
Das Modellportfolio war im Sommer 1985 mit dem 780 Coupe vollständig. Wie schon sein Vorgänger, der Volvo 262c, wurde der 780 bei Bertone in Italien in Kleinserie hergestellt. Anfangs wurde der veraltete PRV-Euro-V6 im Coupe angeboten, später auch Reihen-Vier- und Sechszylinder-Motoren, teils mit Turboaufladung. Auch Turbodieselmotor war erhältlich. Der hohe Preis und die für diese Klasse müden Motoren, verhinderten den großen Erfolg des 7er Coupes, letztlich fanden nur 8518 Stück einen Käufer. 

 

Volvo 760 GLE

 

Technik
Technisch ist so ein 740er Volvo kein böhmisches Dorf, solide Reihenvierzylinder, mal mit mal ohne Turbo, mit und ohne Kat, Vergaser oder Einspritzung, auch der Intercooler war mal mit im Paket oder nicht: Folglich ist es nur für die Volvo-Nerds zu durchblicken, warum es dort ein paar PS mehr oder weniger gab. Die V6-PRV-Motoren aus der Kooperation von Peugeot, Renault und Volvo – ursprünglich war er als V8 geplant, zwei Zylinder fielen der Ölkrise der 1970er zum Opfer, dem Willen zum Benzinsparen wurde somit halbherzig Rechnung getragen. Gut, wirklich sparsam ist auch der V6 nicht, auch die Laufkultur ist eher überschaubar.

200.000km sind für einen leidlich gepflegt und gewarteten 700er kein Auftrag, auch eine halbe Million Kilometer sind ohne Weiteres drinnen. Alle 50.000 Kilometer das Ventilspiel prüfen, alle 75.000km ein neuer Zahnriemen, regelmässig frisches Öl und neue Zündkerzen und der Ziegel läuft und läuft. Auch beim V6 und dem Diesel steht man vor keinen unlösbaren technischen Aufgaben. Fahrwerk und Bremsen sind auch nicht unterdimensioniert, die meist verbaute Starrachse hinten hält sich vornehm mit Problemen zurück (ab 1988 hatte die Limousine seit dem kleinen Facelift die aufwendigere Mehrlenkerhinterachse). Die regelmässigen Servicearbeiten fressen einem nicht die Haare vom Kopf, die Verfügbarkeit von Ersatzteilen ist gut (siehe Ende des Artikels).

 

 

Volvo 760 GLE

 

 

Markt
Am Markt machen sich gute Exemplare mittlerweile rar, besonders die so beliebten Kombis, die wahre Raumwunder sind, sind im guten Zustand nur noch schwer zu finden. Entweder haben sie astronomische Laufleistungen und/oder sie sind durchgeritten und schlicht verbraucht. Für die paar guten Überlebenden werden im Gegenzug selbstbewusste Preisforderungen gestellt. Etwas entspannter ist noch der Markt bei den Limousinen, aber auch hier wird die Decke der guten Exemplare schön langsam dünn. Es wird also höchste Zeit sich einen Volvo der 7er Baureihe zu sichern, wenn man die entschleunigende Fortbewegung mag. Die Baureihe 700 ist wie ein guter Freund, immer da für dich und bereit bis ans Ende der Welt mit dir zu fahren, dabei aber nie aufdringlich. 

 

 

Volvo 780 Interieur

 

Schwachstellen

  • Kopfdichtung
  • Verlebtes Interieur
  • Kantenrost an Türen, Hauben und Radläufen
  • Overdrive
  • Ventilspiel
  • Alter des Zahnriemens
  • Verschleiß an der Vorderachse
  • Hängende Dachhimmel
  • Tacho ohne Funktion
  • Tankanzeige ohne Funktion
  • Instrumentenbeleuchtung defekt
  • Klimaanlage mit defekten Kondensatoren, Kompressoren, Undichtigkeit
  • Wasserverlust (V6)
  • Steuerkette (V6)

 

Links
Volvo Club Österreich

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Ersatzteile bei Skandix

Gebrauchte Volvo Ersatzteile Adi Köffler +43 (0)664 321 06 90

 

Literaturtipps *
Volvo: Buckelvolvo, Schneewittchensarg & Co.

Volvo 740 & 760 (1982 bis 1991): So wird’s gemacht – Band 159

Volvo Typenkunde: Personenwagen ab 1927

 

Bilder: Volvo Car Austria

*Transparenz: Dieser Artikel enthält Affiliate Links.

 

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