Fuhrpark Historie: Mazda 929 HB2 Coupe

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Es wird Zeit zurück zu blicken in die Fuhrpark-Historie von Alltagsklassiker. Erwartet keine chronologische Ordnung in dieser losen Serie, beginnen möchte ich mit meinen Mazda 929 Coupés. Wir befinden uns in den späten Nullerjahren, es geht um die Jahre 2008 bis 2010.

 

Mazda 929 Historie
Bevor ich hier aber in meinen ganz persönlichen Erinnerungen an den Mazda 929 krame, werfe ich erst einen kurzen Blick zurück in die Modellhistorie von Mazdas Modellen der oberen Mittelklasse.

 


 

Mazda 929 LA2 (1973 – 1978)
Der größte Wagen in Mazdas Modellprogramm bekam mit dem Modellwechsel vom von Bertone designten 1500/1800 auch die neue Nomenklatur verpasst und firmierte fortan als Mazda 929. Weiterhin gab es Heckantrieb, einen Vierzylinder-Reihenmotor mit 1,8 Litern Hubraum und 83PS und eine solide Grundausstattung. Der LA2 lief als Limousine, Kombi sowie als Coupe vom Band. Neben den konventionellen Ottomotoren gab es wie in allen Modellreihen jener Zeit, auch eine Version mit Wankelmotoren, die unter dem Namen RX-4 vertrieben wurde. Gegen Ende der Modellreihe, kam noch 1976 ein Facelift auf den Markt, die der prägnanten Japan-Barock Linie des 929 den Reiz nahm und sie gnadenlos glattbügelte.

 

Mazda 929 LA2 Limousine, Mazda 929 HB2 Coupe (Der Kärntner)

 

Mazda 929 LA4 (1978 -1982)
Die erste Version des 929 LA4 war sehr amerikanisch angehaucht, wie viele japanische Fahrzeuge jener Jahre. Viel Chrom außen und Flauschigkeit innen, zwei übereinander angeordnete Scheinwerfer sorgten für ordentlich Japan-Barockfeeling. Nach nur zwei Jahren folgte ein großes Facelift – breitere Frontscheinwerfer, ebensolche Heckleuchten ließen den 929 in den 80ern ankommen. Neben der Limousine wurde auch ein Kombi angeboten, der Platz satt bot. Ein Motor mit 2 Litern Hubraum und 90 Vergaser-PS war zwar ausreichend, zog aber auch nicht die Wurst vom Brot. Cruisen statt rasen war angesagt.

 

Mazda 929 LA4

 

Mazda 929 HB (1982 – 1986)
Weg von den barocken Formen der 70er, hin zur neuen Sachlichkeit, so könnte man die neue Formgebung der dritten Modellgeneration des Mazda 929 beschreiben. Es gab weiterhin Heckantrieb und kleine Motoren mit maximal 120 PS aus 2 Litern Hubraum aus vier Zylindern. Erst mit Vergasern, mit dem Facelift 1984 zog auch erstmals ein Einspritzmotor unter der Haube ein, die Vergaserversion erhielt eine Leistungssteigerung um 11 Pferdestärken. Auch das Coupe mit den Klappscheinwerfern erhielt ein Facelift und verlor damit das skurrile versenkbare Operawindow in der B-Säule. Der Kombi der Vorgängergeneration LA4 wurde dem neuen Design angepasst und während der gesamten Bauzeit weiterhin angeboten.

 

Mazda 929 HB1 Sedan / Bild: Markus

 

Mazda 929 HC (1987 – 1991)
Ein wenig Wachstum in Länge und Breite, dazu neue Motoren, aber immer noch der gute alte Heckantrieb, fertig war der neue 929. Ein 2,2i mit Dreiventiltechnik und 115PS (auch im 626 GD erhältlich), sowie erstmals ein V6 Motor mit 170 PS zogen im 929 ein und sorgten für kultivierten Fahrkomfort. Wie üblich bei Mazda, war die Liste der Serienausstattung lang, die der aufpreispflichtigen Extras äußerst überschaubar.

 

Mazda 929 HC 2.2i 12V / Bild: Bruno

 

 

Die fünfte Modellgeneration des 929, den HD (1991 – 1995) lassen wir mal links liegen, den sie wurde in Europa nicht mehr zum Verkauf angeboten. Erst mit Mazdas luxuriösem Ableger Xedos, kam mit dem Xedos 9 wieder ein Modell der oberen Mittelklasse auf den heimischen Markt – das ist aber eine andere Geschichte.

 


 

Meine Mazda 929 Coupes
Jetzt aber zu mir und zu meinen beiden 929 Coupes der Modellreihe HB2. Gefallen hat mir das Coupe immer besser als die meiner Meinung nach recht biedere Limousine. Alleine die Klappscheinwerfer haben mich als Kind der 70er immer fasziniert. Dazu die Mäusekino-Armaturen, flauschige Sitze und die recht üppige Ausstattung. Zwingend gesucht habe ich im Jahr 2008 kein Auto da schon das eine oder andere vorhanden war, aber wie das so kommt beim regelmäßigen durchforsten der Kleinanzeigenportale, es springt einem ab und an was ins Auge. Manchmal passen dann Modell, Inhalt des Sparstrumpfs und kurzfristiges Aussetzen des Gehirns zusammen und der will-haben-Impuls ist größer als der gesunde Menschenverstand.

 

 

Der Kärntner
Hat man beim Suchagenten Mazda und Baujahr bis Mitte der 1990er als Suchkriterien eingegeben, dann bekommt man in erster Linie den Kultroadster MX-5 als Ergebnis angezeigt. Relativ große Stückzahlen waren und sind da am Markt verfügbar. Aber zwischen drinnen ploppt der eine oder andere RX-7, 1000er, 323 oder 626 auf. Aber auch mal ein 929 Coupe. Nicht allzu weit von der steirischen Grenze entfernt, im kärntnerischen Ruden, wurde ein solches Coupe feilgeboten. Einen Anruf später, wurde ein schmaler Taler aus dem Geldautomaten gezogen, mit blauen Taferln im Gepäck ging es mit René im Mazda 323 über die Pack zur Besichtigung.

 

 

Der Burgenländer (links), Der Kärntner (rechts)

 

Der 929 in Taubenblau-Metallic (V3) war mit der einzigen in Österreich verfügbaren Innenausstattung Stoff grau (C2) ausgestattet, wurde nach jahrelangem Koma in einem Hühnerstall aus selbigem befreit, das Stroh im Motorraum zeugte noch von diesem langjährigem Standplatz. Der Besitzer hatte ihn in der Weststeiermark gekauft, nicht lange bewegt und während der Schaffung des Eigenheims und der Familiengründung weggestellt. 75.000 Kilometer zeugten von wenig Betrieb während seiner 23 Jahre. Mit frischer Batterie lief das Coupe wie ein Glöckerl, die Probefahrt verlief recht zufriedenstellend. Einzig eine leicht blockierende Bremse trübte den Fahrgenuss ein wenig. Das Problem wurde an Ort und Stelle behoben. Ein wenig noch den schon niedrig aufgerufenen Preis gedrückt und abging es im Mazda-Konvoi über die Bundesstraße via Soboth zurück ins steirische.

 

 

 

Mein Fuhrpark bestand damals aus dem MX-5 NA als Sommermobil und dem 323 BD2 als Dailydriver. Kurz nach dem 929 Coupe lief mir noch der 818 Sedan aka Erbse rein und somit war der 929 zwar da, aber nicht zwingend zum Fortbewegen nötig. Einige technische Defekte machten ein schnelles unkompliziertes Instandsetzen nicht möglich, so kam er auf die Wartebank.

 

Der Burgenländer
Im Jahr darauf (2009), war die längste Zeit ein Coupe in Graphit-Metallic (V9), innen ebenfalls mit Stoff grau (C2), im Burgenland inseriert. Der Preis sank und sank gemächlich und es wurde Zeit für ein Telefonat. Der graue war auch kein Prinz und definitiv kein Sammlerauto, aber ein solider Youngtimer, für den täglichen Gebrauch gedacht. So wurde abermals der Geldautomat aufgesucht. Mit René im Schlepptau und Hansis kräftigem Pickup samt Autotransportanhänger ging es in die burgenländische Pampa, um das nächste Coupe heimzuholen. Der Anhänger war nötig, da eine defekte Vorderachsaufhängung, den Heimtransport auf eigener Achse vereitelte. Kaufvertrag, Cash bezahlt, aufgeladen – man kennt das ja.

 

 

 

Aus 2 mach erst mal eins
Ein Check auf Hansis Hebebühne sorgte für keine bösen Überraschungen, außer den bereits bekannten Vorderachs-Wehwehchen. Hansi hat die benötigten Teile flink aus dem blauen Kärntner raus filetiert und dem braunen Burgenländer implantiert. Damit gab es ein frisches Pickerl und im Herbst 2009 somit ein drittes 929 Coupe auf Grazer Straßen. Einer der wenigen Überlebenden, von 400 in Österreich verkauften Exemplaren, war somit wieder unterwegs.

 

 

Der Vor-Vorbesitzer hatte wohl einen englischen Klassikerfimmel und war der Meinung, das auch Holzblenden dem spacigen Interieur des 84er Mazda Coupes gut stehen würde. Ebenso war ein Holzlenkrad und ein Schaltknauf aus Holz verbaut. Mit dieser speziellen Vorstellung von klassischer Optik stand er wohl recht alleine da. Ich konnte einstweilen damit Leben, die chronische Bindehautentzündung vom täglichen Anblick hielt sich noch in Grenzen. Es würden ja sowieso die originalen Teile von blau auf grau getauscht werden, sobald der nahende Winter vorbei wäre und mehr Zeit für den neuen alten Dailydriver wäre. Raus mit den billigen nachgerüsteten Kippschaltern, rein mit dem Originallook, so war der Plan.

 

 

 

 

Dailydriver
Als täglicher Fahrbehelf konnte das Coupe auf voller Linie überzeugen. Am täglichen Arbeitsweg, wie auch auf dienstlichen Reisen nach Linz und Wien konnte er seine Cruiserqualitäten voll ausspielen. 120 PS aus 2 Litern Hubraum aus einem Reihenvierzylinder, unkastriert weil noch ohne Katalysator. Dazu eine feine Serienausstattung, die 1984 so manchen deutschen Mittelklassewagen ärmlich da stehen ließ: Elektrische Fensterheber, elektrisches Schiebedach, Fernentriegelung für Kofferraum und Tankdeckel, Tempomat, AAS – automatische Fahrwerksabstimmung mit verschiedenen Fahrmodi, und ein feines plüschiges multifunktional verstellbares Gestühl, das einen selbst nach weiterer Reise entspannt aussteigen ließ.

 

 

 

 

Fun Fun Fun
Gerade im Herbst und Winter macht der Heckantrieb den Burgenländer (da hatten meine Autos noch keine Namen!) zu einem stetigen Quell der Freude. Dort ein wenig den Arsch raushängen lassen, da ein wenig driften. Da war selbst der Weg zur Arbeit erträglich und mit Freude am Fahren verbunden. Leider währte dieser Glückszustand nicht all zu lange.

 

 

 

Crash Boom Bang
An einem Freitagnachmittag im Februar 2010 am Heimweg von einer harten Arbeitswoche, die Temperaturen deutlich unter dem Nullpunkt, hatte leichter Schneefall eingesetzt. Das Tempo den Straßengegebenheiten angepasst ging es am Joanneumring der Heimat entgegen. Nicht rechnen konnte man mit einem roten VW Sharan, der hinter mir in Ping-Pong-Manier die Spuren wechselte und das abbremsen der vor ihm fahrenden vor der eben rot gewordenen Ampel scheinbar nicht gecheckt hatte. Er schob mich, den an die Kolonne zu rollenden, auf den Vordermann mit Wucht auf. Das Ergebnis ist deutlich an Front und Heck des braunen zu erkennen. Mehr als Schleudertrauma erlitt ich damals nicht, das noch dazu charmant von einer netten Sanitäterin versorgt wurde und im UKH mit einer Halskrause und Schmerzmitteln behandelt wurde. Schlimmer war da schon der Verlust des ans Herz gewachsenen Coupes.

 

 

Natürlich musste schnell ein Nachfolger als Dailydriver her. Nachdem doch recht heftigen abknicken vom Heck des 929, war der Wunsch nach mehr Sicherheit großgeschrieben. So wurde ein Volvo 240 GL, auch bekannt als Knut, sein Nachfolger. Aber das ist eine andere Geschichte, die auch noch erzählt gehört.

 

 

Coupe aus Hausschlachtung
Nach der Genesung und dem wohlfühlen im schwedischen Ziegelstein, war irgendwie die Luft raus zwischen mir und den 929ern. Hatte ich ja neben dem zerdepperten Burgenländer auch noch den blauen Kärntner herumstehen. Der blaue ging an Jakob über, im Tausch gegen einige anstehende Servicearbeiten am 240er.

 

 

Einer war mal weg, somit schon mehr Platz. Aber da war ja noch der gecrashte Burgenländer der meinen Parkplatz blockierte. Ein gesundheitliche bedingte längere berufliche Auszeit, nutzte ich dann um mich der Demontage des grauen zu widmen. Ich ließ es gemütlich angehen und schaffte es so jeden Tag einige Teile abzubauen, die den Weg in den Keller fanden und ihn recht flott füllten.

 

 

Für den Motor und das Getriebe hatte sich Jakob angemeldet, der den Plan hatte, das 120PS Aggregat mit Einspritzung und das Getriebe in seinen 626 GC zu transferieren. Zum Schluss kamen noch die Reifen samt Felgen in den Keller und der Schrotthändler wurde verständigt, der ihn kurz darauf auch zur Entsorgung übernahm. Hätte ich ihn selbst angeliefert, hätte ich noch den Kilopreis bekommen, so musste ich noch einer Fünfziger fürs abholen berappen.

 

 

Hätte das Coupe wenigstens einen Katalysator besessen, hätte man den zu Geld machen können – Katalysatoren Ankauf ist ein probates Mittel um den Verwertungspreis aufzubessern. Die Edelmetalle, die im Katalysator enthalten sind, werden recycelt und wiederverwendet. So habe ich immerhin die Türen des grauen in die Obersteiermark veräußert, wo sie in einem roten Coupe weiterleben sollten. Die Anhängerkupplung hätte sicher auch ein Enthusiast verwenden können, hätte ich nicht vergessen sie abzubauen, meine stabile Einparkhilfe. Immerhin die weißen nachgerüsteten Blinker vorne haben bei Mathias Coupe eine neue Heimat gefunden. Auch der blaue diente Jakob viele Jahre als Dailydriver.

 

 

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