Everlasting Love: 20 Jahre und kein Ende in Sicht mit meinem Mazda MX-5

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20 Jahre habe ich meinen Mazda MX-5 NA V-Special schon im Fuhrpark, da soll noch einer sagen ich bin keine treue Seele! In diesen 20 Jahren hat sich so einiges bei mir und meinem Mäxchen ereignet, wir haben richtig viel gemeinsam erlebt. Das meiste davon sind wundervolle Erinnerungen, die mit Sonne, Sommer und tollen Touren zu tun haben. Natürlich gab es auch Momente, an die man nicht so gerne zurück denkt, aber genauso Teil unserer Geschichte sind. Also lasst uns zurückblicken auf 20 gemeinsame Jahre, die mit vielen Geschichten und Anekdoten gespickt sind.

 

2010

 

Wie fing das damals eigentlich an, diese Besessenheit und Leidenschaft, mit der mich dieser kleine japanische Roadster mit seinen Klappscheinwerfern bis heute in seinen Bann zieht und nach wie vor mein Herzensauto ist:

Mein Vater hatte bereits seinen zweiten Mazda 626 als Dienstwagen, nach einem 1600er GC Sedan, folgte 1988 ein 2.2i Hatchback. Der sammelte schon wie sein Vorgänger tüchtig Kilometer und wurde von einer guten Werkstatt nahe des Firmensitzes penibel gewartet. Dem Besitzer, einem hemdsärmeligen Weststeirer, war durch die freundschaftliche Verbindung zu meinem Vater mein schon damals recht ausgeprägter Autowahn bekannt. So fütterte er mich regelmässig mit Prospekten, dem mazdaeigenen “Moto – Das Magazin für Mazdafahrer“ und auch öfters mit Postern von aktuellen Modellen. Klar, das man dann eine Affinität für “seine“ Marke entwickelt.

 

„An jenem Tag nämlich, da der letzte Hydraulikzylinder leck, der letzte Elektromotor verschmurgelt, die letzte Steuerplatine des letzten High-Tech-Daches oxydiert ist, wird irgendwo auf der Welt ein Mensch zwei Spannriegel im Himmel seines MX-5 umlegen, das Dach hinter sich werfen und wehender Frisur davonfahren. Im letzten analogen Auto seiner Generation.“ (Autorevue über den MX-5 NA)

 

 

Großglockner 2007

 

So gab es auch schon früh Infos zum neuen heißen Scheiß aus Hiroshima, dem kleinen Roadster. Informationen die ich auch aus dem damals noch recht frisch geschlüpften und wöchentlich erworbenen Auto Bild Magazin entnahm. Auch wenn der Umstieg auf die journalistisch wesentlich höherwertige heimische Auto Revue, damals noch unter Chefredakteur Herbert Völker, nicht lange auf sich warten liess. Das war in den Jahren 1989/1990 und ein Führerschein noch in weiter Ferne. Trotzdem wurde die Präsentation des MX-5 beim Autohaus Robinson besucht, das lechtzen nach dem Roadster nach unzähligen Fotos in den Gazetten war endlich real geworden. 1990 war ich 15 und durfte noch nicht mal Moped fahren, da hieß es also noch warten. David Staretz‘ lebhafte Berichte in der Auto Revue schürten aber die Begierde mehr und mehr. 1991 folgte das erste Sondermodell des MX-5, der V-Special, da war es dann endgültig um mich geschehen: Der Lack in British Racing Green getüncht, der Innenraum mit braunem Leder ausgeschlagen. Da wusste ich, der oder keiner.

Aber ich war erst 16 und so kam erst ein KTM Hobby III unter den Hintern und nach erfolgter Führerscheinprüfung 1994 das erste Auto. Es war wider erwarten kein Mazda, sondern ein 86er Fiat Uno 50S aus Erstbesitz und keinen 40.000km auf dem Tacho, wenn auch die Farbgebung dem MX-5-rot nicht unähnlich war. Darauf folgte 1996 das Spitzenmodell der Uno Baureihe, ein Turbo i.e. mit doppelt so viel Leistung und mindestens 10x so viel Fahrfreude. Die währte allerdings nur ein halbes Jahr, als der Turbo recht unsanft kaltverformt wurde und ein Fall für den Schlachter wurde.

 

 

Stelvio 2011

 

 

„Er ist der Bon Jovi unter den Roadstern – auf Rocker machen und vom wilden Leben erzählen, dann aber so treu und zuverlässig leben wie ein Mazda 323.“ (MotorKlassik 06/2008)

 

So kam zur im selben Jahr neu erworbenen Kawasaki Estrella, ein Übergangsauto ins Haus, den der Winter stand vor der Türe und nur mit dem zarten Motorrad wäre im Winter die Mobilität stark eingeschränkt gewesen. Ein acht Jahre alter Volvo 360 GLT, war zwar nicht das was ich mir gewünscht habe, aber er war billig. Beruflich verschlug es mich auf Ende 1997 zur Wintersaison nach Tirol, so genoß ich die legendäre Heizungleistung eines Volvo und auch in dem Tiroler Winter, der noch ein richtiger Winter war, machte ich erste freudvolle Erfahrungen mit dem Heckantrieb. Den Sommer verbrachte ich wieder in Graz und so kam es zur ersten Probefahrt mit einem roten MX-5, der bei Gebrauchtwagen Leopold feilgeboten wurde. Was soll ich sagen, da war auf einmal ein Grinsen im Gesicht, das ich so noch nicht hatte. Das auch nach Stunden nicht verging. Damit war dann endgültig klar, sowas muss ich haben.

 

 

Sommeralm 2018

 

 

Den Winter 98/99 verschlug es mich wieder auf Wintersaison, dieses mal ins kärntnerische Bad Kleinkirchheim. Da konnte man dann auch bei zwei zusammenhängenden freien Tagen mal flott die Heimat besuchen. Kollege Scotty hatte einen neuen BMW Z3 in brightred, mit dem kleinsten Motor. Da durfte ich mit ihm offen durch den Schnee stöbern und die Roadsterleidenschaft war wieder ein wenig mehr geweckt. Daheim fiel mir dann ein Kleinanzeigenmagazin in die Hand, wo ein MX-5 V-Special angeboten wurde. Beim Autohaus Prügger, bekannt für qualitativ hochwertige Gebrauchtfahrzeuge, wurde der acht Jahre alte Roadster aus zweiter Hand mit nur 44.000km angeboten. Man könnte ihn ja mal unverbindlich ansehen fahren. Auch mein Vater war von der Idee angetan, so kam er mit. Eine Probefahrt und einen famileninteren Kredit später wurde ein Kaufvertrag unterschrieben und Winterreifen auf Stahlfelgen dazu ausverhandelt. Somit begann wohl die längste Woche meines Lebens, das Warten auf die Abholung des MX-5. Meines MX-5.

 

 

 

Der 360er wurde verkauft, der MX-5 war jetzt meine Ganzjahreswaffe. Die erste größere Fahrt ging auf frischen Winterreifen zurück ins tief winterliche Bad Kleinkirchheim, den Brötchengeber konnte man ja nicht warten lassen. So wurde die karge Freizeit auf Saison dafür genutzt, im Doppelpack mit Scottys Z3 im Schneetreiben offen auf die Turrach zu cruisen. Unvergessliche Momente sind das bis heute und es war wohl die beste Heckantriebsfahrschule für mich. Da lernt man sein Fahrzeug in und auswendig kennen und vor allem geniessen. Aber auch der schönste Winter und damit die Saison geht vorüber und so ging es im Frühjahr wieder in heimatliche Gefilde. Ein neuer Job und neue Herausforderungen warteten auf mich.

 

„The MGB has always been the God of back-road blasting. For the same money, nothing could match its pace, its character, its fun potential. Until now. If you didn’t take Mazdas seriously, it’s time to start.“  (Classic Cars, Issue 297, June 1998, über den MX-5 NA)

 

Mit dem aufkommen des Internets und den scheinbar nun unendlichen Möglichkeiten, taten sich neue Informationsquellen auf um sich über dieses und jenes zu informieren. So kam auch der erste Internetanschluss ins Haus, wo man langsame 56K Leitungen noch mit viel Geld bezahlen musste. Nachdem man aber nichts anderes kannte, wartete man geduldig auf den Aufbau der schlicht gestalteten Webseiten.

So unternahm auch ich erste Ausflüge ins WWW als Webseitenbetreiber, das war nichts anderes als ein ständiges ausprobieren mit den diversen angebotenen Gratisseiten, auf denen man seine Bilder und Texte präsentieren konnte. Nachdem der MX-5 sehr schnell zu meiner Lieblingsbeschäftigung wurde, war das Thema somit vorgegeben. Recht flott verknüpfte man sich mit Gleichgesinnten und trat dem wohl heute noch größten deutschsprachigen MX-5 Forum auf mx-5.de bei.

Die ersten persönlichen Begegnungen mit anderen MX-5 Fahrern im realen Leben hatte ich dann im Jahre 2001 beim ersten MX-5 Infotag anlässlich des 10 jährigen MX-5 Jubiläums am österreichischen Markt beim engagierten Mazdahändler Andreas Ligg in Gratwein nahe Graz. Dort gab es neben diversen Serienmodellen auch eine bunte Auswahl an getunten Roadstern zu sehen. Dort gab es eine Mailingliste in die man sich bei Interesse eintragen konnte – und mit Mailingliste meine ich eine analoge Liste. Die Infos zu diversen Aktivitäten des Händlers, aber auch der von ihm 1997 gegründeten Cabriofreunde Gratwein kamen noch per Post nach Hause! So war klar, das man sich die Truppe mal ansehen musste und bei einer der regelmässigen Ausfahrten während der Saison mit dabei sein sollte. Die österreichische MX-5 Szene etablierte sich auch gerade, in fast allen Bundesländern sprossen die Clubs und Interessengemeinschaften aus dem jungen Boden, den uns das Internet bereitstellte.

 

 

Rechberg

 

So wurde auch meine Internetpräsenz zum MX-5 immer umfangreicher und wurde zu MX5 Austria, die Domain www.mx5-austria.com gibt es mittlerweile seit dem Jahr 2000. Der Fokus lag und liegt nach wie vor auf dem heimischen Markt und der Szene, mit vielen Infos die man so gebündelt kaum wo findet. 2010 bis 2015 war die Seite kurz mal abgetaucht, wird seitdem aber unregelmässig weiterentwickelt und mit Infos gefüttert – besonders beflügelt durch die vierte Generation des MX-5, den ND. Neben aktuellen Infos rund um den MX-5, flossen auch immer mehr Bilder von diversen Treffen und Touren mit dem Cabriofreunden in diese Webseite ein. Und irgendwann habe ich den Cabriofreunden eine eigene Webseite gebastelt um sie und ihre Aktivitäten zu präsentieren. Nachdem es um die Cabriofreunde in den letzten Jahren still wurde, wird diese Seite aber mit auslaufen des aktuellen Hostingvertrages eingestellt.

Wieviele nette und sympathische Gleichgesinnte man durch diesen kleinen Roadster über die Jahrzehnte kennenlernen durfte, wodurch viele Freundschaften entstanden sind, die auch über die Jahre bestand haben. Oder hatten, den einen derjenigen zu denen ich viel Kontakt hielt, auch nachdem er seinen MX-5 verkaufte, ist leider 2017 plötzlich von uns gegangen: Michael Riesel, auch bekannt als Rielex in der MX-5 Szene. Auch wenn ich jetzt nicht mehr so tief in der Szene verwurzelt bin und auch Treffen größtenteils auslasse, ist es schön wenn man die alten Freunde und Bekannten nach Jahren wieder trifft, die Chemie noch stimmt und der Schmäh wie früher rennt. Der MX-5 verbindet – über Generationen und durch die verschiedensten Gesellschaftsschichten.

 

Jaufenpaß 2011

 

 

Mein MX-5 hat diverse sanfte Tuningmaßnahmen über sich ergehen lassen, den einen oder anderen unverschuldeten Unfall weggesteckt und ist seit 20 Jahren treu an meiner Seite. Klar gab es auch Zeiten, da war er nicht so interessant und musste anderen Klassikern den Vortritt lassen, die gerade neu in den Fuhrpark kamen. Egal ob das mein erster richtig alter, der Ford Granada Mk2 war, oder er neben den Ganzjahresklassikern Ford Fiesta Mk1, Mazda 323 BD2 oder Mazda 929 HB2 Coupe zurückstecken musste. Auch wurden ihm reine Winterautos wie ein Mitsubishi Colt oder Mazda 626 GD zur Seite gestellt. Der MX-5 war immer der Fixpunkt im Fuhrpark, auch wenn er mal zur Seite gestellt wurde oder nach einem Motorproblem weggestellt wurde. Seit seiner glanzvollen Wiederauferstehung im Sommer 2018 – nachzulesen im Geheimprojekt K.O.R.K – ist die ganz große Liebe wiederentfacht. Somit wird auch bald mal in die Optik investiert und kleine Unzulänglichkeiten auch noch ausgemerzt.

 

 

Teichalm 2018

 

„Roadster-Herz was willst du mehr? Vor allem die Art, wie er am Gas hängt, macht an. Das rechte Pedal betätigt ein Seil, nicht irgendwelche Elektronik, und fast möchte man glauben, am anderen Ende sitzt ein fett eingestellter Doppelvergaser statt einer Einspritzanlage.“  (AutoBild 7/2009)

 

20 gemeinsame Jahre schweissen einfach zusammen, egal was war oder noch kommen wird. Spätestens 2021 an seinem 30. Geburtstag soll er wieder in größtmöglichen Glanz wiederstanden sein, darf aber auch Spuren zeigen, Spuren seiner 30 Jahre. Jahre in denen es mir nicht zu dumm war, 1040km auf das mx-5.de Jahrestreffen 2001 nach Weeze zu fahren, Sonntagmorgens früh aufzustehen um den autofreien Sandberg, den Rechberg und die Teichalm sportlich zu erfahren. Spuren von Touren durch Slowenien, Italien, Kroatien und Südtirol. Spuren vom Penser Joch, Mendelpaß, Jaufenpaß und Stelvio. Spuren vom Sonnenaufgang am Großglockner, vom Geschriebenstein im Burgenland und vom Karnerberg in der südsteirischen Toskana. Genusskilometer noch und nöcher, kurzen After Business Crusing im Grazer Umland, wenn man mal eine Stunde nach der Arbeit sinnbefreit und lustgesteuert in den Sonnenuntergang fährt um den Kopf wieder frei zu bekommen. Wieviele Touren habe ich geplant und gemeinsam mit Freunden absolviert, mittlerweile genieße ich solche Ausfahrten zu zweit weitaus mehr. Einfach dorthin fahren wo die Straßen geschwungen sind und irgendwo ein gutes Restaurant auf uns wartet. Der Weg ist meist das Ziel und wird es hoffentlich noch viele gemeinsame Jahre bleiben. Mein Mäxchen: Eine Everlasting love story.

 

 

Rechberg 2018

 

Kein Auto hatte ich bisher so lange in meinem Besitz und es wird wohl auch keines mehr ran kommen, denn der MX-5 ist das Auto, von dem ich mich als letztem trennen würde. Auch wenn das aussteigen schon mal leichter von der Hand ging, damals mit Mitte 20. Kein Fahrzeug hat mir bisher so viel Freude bereitet, dazu braucht es auch keine brachiale Motorleistung, für den riesigen Fahrspaß reicht auch die Ur-Motorisierung des 1600er 16V Motors mit 115PS. Mehr Spaß kann man mit angezogenen Hosen nicht haben!

 

„Man muss Mazda für den waghalsigen Entschluss loben, ein Cabrio nach Amerika zu bringen, denn wie man weiss, verwechseln die Amerikaner sogar bei Automatik-Autos Gaspedal und Bremse und verlangen dann Dollarmillionen Schmerzensgeld. Sie sind imstande und fallen aus dem offenen Auto, und wer soll das dann bezahlen?“  (David Staretz in der Autorevue 07/1989)

 

Eine kleine Auswahl an Bildern:

 

 

Bei meinen Herzensautos bin ich eine treue Seele, die Erbse ist seit über 10 Jahren bei mir, das Mäxchen hat soeben das zweite Jahrzehnt voll gemacht. Wie geht es dir mit Autos? Wechselst du sie wie andere die Unterwäsche oder hast du sie schon lange in deinem Besitz? Schreib mir deine Erfahrungen mit Herzensautos in einem Kommentar.

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