Geheimprojekt K.O.R.K – Die Wiederauferstehung meines Mazda MX-5

Die Story meines Mazda MX-5 V-Special ist eine lange und sehr intensive, wie ich gerade mit Schrecken festgestellt habe wurde die hier im Blog noch gar nicht niedergeschrieben, nur im Rückblick auf 10 Jahre Alltagsklassiker habe ich die Geschichte gestreift – den ohne MX-5 und die Leidenschaft dazu, gäbe es wohl auch kein Alltagsklassiker. Das muss ich beizeiten mal niederschreiben…

 

Archivbild

 

Seit 1999 ist der 91er MX-5 mein Eigen und wir haben wahrlich viel gemeinsam erlebt, gutes wie auch weniger schönes. Eine der weniger schönen Stories fand im Hochsommer 2015 statt. Ein brütend heißer Julitag war es und es standen zwei Veranstaltungen an, für die ich für MX-5 Austria sowie Alltagsklassiker unterwegs war. Auf der A9 Richtung Süden wurde mir der Motor urplötzlich heiß, weißer Rauch aus dem Auspuff verhieß nichts gutes und ich habe mich gerade noch bis zur Ausfahrt Lebring in stark vermindertem Tempo geschleppt.

Dort am ÖAMTC Areal fand ein Lauf zur Drift Challenge Austria statt, unter den Teilnehmern einige MX-5. Dort angekommen ließ ich den Motor abkühlen und füllte frisches Wasser in den übergekochten Kühler. Den danach geplanten Besuch beim Rollin‘ Dudes in Leutschach habe ich angesichts des Motorenproblems verworfen. Heimwärts ging es sehr vorsichtig und langsam über die Landstraße. Heiß wurde das Mäxchen nicht mehr übermäßig und auch der weiße Rauch ließ sich nicht mehr blicken.

Der Befund daheim war ein ungewisser, den weder war das Kühlwasser versifft, noch das Motoröl verändert. So wurde der MX-5 in ungewissem Zustand am gemieteten Garagenplatz abgestellt und die Türe verschlossen. Bei der Garagenräumung, die durch die Veräußerung des Areals von Nöten war, bin ich kurzerhand in Claus Halle unter geschlüpft. Irgendwie gab es immer was an Halvar oder der Erbse zu tun und die Reaktivierung des MX-5 rückte in weite Ferne. Immerhin eine neue Gelbatterie von Panasonic habe ich heuer im Frühsommer besorgt, aber dabei blieb es auch.

Ich hatte die Rechnung aber ohne Claus gemacht, aber dazu wird euch Anja die Beste aller Beifahrerinnen (nämlich meine), die Geschichte erzählen, wie aus einem Häufchen Elend in der Hallenecke, wieder ein vorzeigbarer Roadster wurde.

 


„Wärst du bereit deinen Freund zu hintergehen?“ Mit diesem Satz von Volvi begann für mich das „Geheimprojekt Kork“.

Claus kam mit der Idee an Micky ein Dankeschön zukommen zu lassen. Aufgrund der Tatsache das er seit Jahren unermüdlich Zeit und auch Geld in Alltagsklassiker investiert. Das ich nur bestätigen kann: neben eines Vollzeit-Jobs und familiären Verpflichtungen werden Oldtimertreffen besucht, Fotos gemacht und bearbeitet, Blogbeiträge geschrieben, die Alltagsklassiker-Facebookseite und das Forum betreut, Routen für das Cruise´n´Grill ausgetestet, etc. Ich unterstütze ihn natürlich bei Allem und versuche so viel es geht zu übernehmen, dennoch bleibt sehr viel für ihn zu tun.

Also war ich natürlich sofort dabei beim „Dankeschön“ mitzuwirken.

Was soll es werden? Hier hatte Claus auch schon eine Idee: Mickys MX-5 sollte wieder auf die Straße gebracht werden. Micky besitzt den MX-5 V-Special nun schon seit 19 Jahren, musste ihn aber vor ca. 3 Jahren mit einem Zylinderkopf-Schaden abstellen.

 

Das erste Tageslicht nach über einem Jahr

 

Das war natürlich nicht ganz uneigennützig für mich, vermisste ich den Roadster doch schon selbst sehr.

Noch am selben Abend kamen die ersten Zweifel: wie bekommen wir Mäxchen unbemerkt nach Graz (er stand ca. 15 Kilometer südlich von Graz in einer Halle), wie kann ich die zuhause gelagerte Batterie und die Fahrzeugpapiere heimlich außer Haus schaffen, was brauche ich alles für Ausreden falls Micky mal zur Halle möchte oder noch schlimmer einen Werkstatttermin für den MX-5 ausmachen wollte?

 

Runter mit dem Dreck!

 

Das Gute war das Volvi schon seit ein paar Wochen im Besitz des Mazda-Schlüssel war wegen einer Autorotation in der Halle , da brauchte es keine Übergabe mehr. Dennoch mussten wir den Schlüssel der Halle einfordern. Eine Aufgabe für den Halleneigentümer.

Ich überlegte mir für unzählige Vorkommnisse Ausreden, Hansi (Mickys MX-5 Mechaniker seines Vertrauens) wurde eingeweiht und gebeten bei einer möglichen Terminanfrage von Micky ihn auf Herbst zu vertrösten, Volvi und ich haben allen Beteiligten Codenamen gegeben, für den Fall das Volvi mir mal eine WhatsApp-Nachricht sendet und ich mein Handy unbeaufsichtigt herumliegen lasse.

 

Claus und Volvi nach erfolgter Erstreinigung des Mäxchens

 

An unserem ersten Urlaubstag fahre ich unter dem Vorwand einkaufen zu gehen zu Volvi, um ihn die Batterie vom kleinen Japaner zu bringen. Vorher musste ich sie aber noch an Micky vorbeischleusen und zur Tür stellen. Zum Glück war Micky mit „seinem“ Artikel in der Oldtimer Markt abgelenkt.

 

Neues Heim für Wochen

 

Zwei Tage später findet Volvi heraus das die Batterie mausetot ist. Mir fällt ein das Micky eine neue Batterie gekauft hat, die aber originalverpackt im Vorraum steht – sprich es würde auffallen wenn der Karton von einen auf den anderen Tag weg ist. Also schnitt ich den Karton fein säuberlich auf, nahm die Neue heraus, gab die Alte hinein, machte den Karton wieder ordentlich zu und stellte vorsichtshalber ein Autoradio drauf.

 

Geheimer Datenaustausch

 

Dann war es soweit: der MX-5 wurde nach Graz überstellt. Ich lenkte Micky ab, nicht das er noch mit seinem Puch Maxi eine Stadtrunde macht und irgendwo auf Claus, Volvi und Mäxchen trifft. Es folgte eine eher schlaflose Nacht, denn nun gab es kein Zurück mehr.

 

Der Kopf muss ab!

 

Volvi beginnt mit der Demontage des Hauptes und begibt sich auf die Suche nach Ersatzteilen. Vielleicht sollte an dieser Stelle mal erwähnt werden das es für Volvi eher eine Überwindung war an einem Mazda zu arbeiten, sieht er Mazda doch eher als Kork-Hersteller (Mazda stellte von seiner Gründung 1920 bis ca. 1928 Kork her. Erst dann begannen sie mit der Herstellung von Maschinenbauteilen). Das war auch der Namensgeber für das „Geheimprojekt Kork“

 

Fein säuberlich geordnet

 

Die nächsten Tage möchte ich Euch kurz und bündig zusammenfassen:

Claus fängt mit der Aufbereitung an (polieren und 1.258.473 Katzenhaare am Verdeck entfernen)

Volvi machte folgendes:

Reinigung des Hauptes

Wasserpumpe eingebaut

Kurbelwellensimmering erneuert

Bremsflüssigkeit inkl. Kupplungsflüssigkeit gewechselt

Der Kopf vom MX-5 wird an einen Motorinstandhalter übergeben.

Volvi springt über seinen Schatten und fragt bei Mazda Österreich wegen des Motordichtsatz an.

Nach drei Tagen kommt der MX-5-Kopf wieder retour.

 

Übergabe des Hauptes durch Karl

 

Volvi beginnt mit dem Einbau des Kopfes und bemerkt das die Ventile nicht zu gehen.

Es kam der 13. Juli 2018. Freitag der 13. Für Volvi jedenfalls. Er kauft bei Mazda ein. In einem VW-Shirt (Mut kann man sich nicht kaufen) und bekommt als Dankeschön einen Mazda-Aschenbecher geschenkt.

 

Auch Lilly war eifrig am Infos recherchieren 😉

 

Am nächsten Tag baut er alles wieder ordnungsgemäß in den Roadster ein, geht aber vorm Anstarten noch mal eine Rauchen. Die Zweifel waren jedoch umsonst den alles funktioniert bestens, Mäxchen lebt.

 

 

 

Mäxchen lebt!

 

Jedoch beginnt das Thermostat-Drama: Die Temperaturanzeige steht immer etwas über den Mittelpunkt. Beide Fühler werden getauscht, doch das Problem bleibt bestehen. Ein Infrarot-Thermometer muss her. Der bringt dann auch die Wahrheit ans Licht: die Anzeige ist defekt. Es wurde ein Geist gejagt.

 

Passt eh!

 

Fünf Tage vor der Übergabe hatten wir dann endlich den Pickerltermin, bei dem Mäxchen ohne Probleme durchkam. Von nun an wartet er in der Garage auf den Moment endlich wieder seinem Eigentümer gegeben zu werden.

 

Pickerl: Check

 

Restaurationstagebuch

 

Für uns war die Arbeit aber noch nicht vorbei. Wir planten die Übergabe (die sollte beim Saturday Night Cruising stattfinden) und Claus schrieb einige Forums-Mitglieder an und erzählte ihnen von Geheimprojekt. Da die Reparatur ziemlich viel Bares verschlungen hatte, wurden die Alltagsklassiker-Freunde gefragt ob sie etwas dazu beitragen möchten. Volvi bastelte an einem Bauchladen, mit dem Micky dann eine Runde am Parkplatz gehen und etwas Geld eintreiben muss. Ich entwende Micky einen stickergebombten Klappscheinwerfer-Deckel und reinige ihn. Auf diesem Deckel sollen alle Spender unterschreiben.

 

Erst erstaunen, dann ganz viel Freude!

 

Dann kam der große Tag. Natürlich war auch hier alles gut durchgeplant.

Volvi wird wenn das SNC im Gange ist mit dem Roadster kommen, Martin (Lamar) wird filmen und ich werde mich um Micky kümmern.

Vom späteren Nachmittag weg war ich schon nervös und aufgeregt. Was wird es sagen? Wird es sich freuen? Ist im wirklich nie etwas aufgefallen?

Kurz vor 19:00 kam dann der Anruf von Volvi das er eine Etage tiefer im Parkhaus steht. Er sollte uns noch eine Minute geben. Ich gab Martin ein Zeichen und er machte sich bereit für seine Rolle als Kameramann. Und ich ging zu Micky: „Ich bräuchte jetzt bitte deine Kamera.“ Etwas skeptisch sah er mich an und fragte nach dem „Warum“. Ich hängte mir die Kamera um und meinte nur Und jetzt brauche ich noch dich.“ Seinem Blick nach zu urteilen fragte er sich welche Drogen ich genommen hätte. Da er sich nicht vom Fleck wegbewegte, nahm ich seine Hand und zog ihn durch die Autos um in die erste Reihe zu kommen. Unterwegs sagte er noch in soll den Jaguar E-Type fotografieren der das Gelände verlassen will.

„Nein.“

„Fotografier!“

„Nein, Michi!“

Aufgrund der Tatsache das ich ihn „Michi“ genannte habe, wusste er das ich kein Foto vom E-Type machen werde. Micky wurde in der ersten Reihe abgestellt, ich und Claus standen ihm gegenüber um das Ganze bildlich festzuhalten. Und dann endlich:

 

Da staunt einer Bauklötze!

 

Volvi kam die Auffahrt hoch um die Kurve gebogen und steuerte auf Micky zu. Ich war hin und her gerissen: ich wollte immer nur die Reaktion von Micky sehen, konnte mich aber nur schwer vom Anblick 2-Meter-Volvi im MX-5 abwenden.

 

Wahre Freunde!

 

Als Micky und Mäxchen nur mehr wenige Zentimeter voneinander getrennt waren konnte man sehen das Micky etwas überfordert war und nicht wusste wie ihm geschieht. Ich glaube es dauerte den restlichen Abend bis er alles realisierte.

 

Statt der ganzen Welt, wird Volvi umarmt!

 

Volvi klärte ihn auf, hängte ihm den Bauchladen um überraschte auch noch mich mit einem Geschenk. Da die Aktion ein Dankeschön für Mickys Einsatz für Alltagsklassiker ist, da er sich um alles kümmert und alles organisiert. Da darf man (laut Volvi) mich nicht vergessen. Ich lasse ihm den nötigen Freiraum und unterstütze ihn auch dabei. Und das Geheimprojekt Kork hätte mich einiges an Nerven gekostet. Letzteres stimmt auch 😉

 

Die Rädelsführer Claus und Volvi

 

Danach ging ich mit Micky eine Runde am Parkplatz um etwas Geld einzutreiben. Auf diesem Wege möchte ich mich bei jedem Einzelnen bedanken, der etwas in das Sparschwein geworfen hat. VIELEN DANK!

 

Kamerakind Lamar von RetroTV hat die Übergabe als Video festgehalten, sowie genial geschnitten.

 

 

 

Wenn ich schon bei Danksagungen bin:

Danke an Claus für die Idee und für das aufhübschen von Mäxchen. Danke auch an Claus´ bessere Hälfte Michi die auch fleißig mitgeholfen hat.

Das größte Danke geht natürlich an Volvi. Er hatte die meiste Arbeit und musste fast alles alleine machen.

Mein persönliches Fazit:

Es war nervenaufreibend. Ständig Angst zu haben das er was merkt. Heimlich Sachen aus dem Haus schaffen und sie Volvi bringen. Immer Ausreden parat zu haben wenn Micky durch seine Spontan-Aktionen einen Plan von uns zu durchkreuzen drohte (zB wollte er einmal zu Volvi fahren, als dieser Mäxchen gerade zum Pickerl brachte). Es verging in den letzten sieben Wochen fast kein Tag, wo ich nicht mindestens eine Notlüge aussprechen musste. Ich hatte einige schlaflose Nächte und wenn ich mal schlafen konnte, träumte ich sehr oft von unserem Projekt. Mein Schoko-Konsum nahm in den letzten Wochen auch drastisch zu.

ABER, Mickys Reaktion und Freude zu sehen, die er anfangs gar nicht in Worte fassen konnte, war es auf alle Fälle wert.

Micky und Mäxchen gehören einfach zusammen wie Asterix & Obelix, wie Ernie & Bert oder wie Maja & Willy.


 

An dieser Stelle kann ich nur ein großes DANKESCHÖN an die sagen, die mir eine dermaßen große Freude bereitet haben, die ich nicht in Worte fassen kann: Danke Claus, Volvi, Anja, Michi, Karl, S&K Werkstatt sowie Motoren-Guru Michael Stock! Danke an Lamar für das Video. Ein dickes Danke auch an alle Spender die beim Saturday Night Cruising in die Geldbörse gegriffen haben und etwas zur Wiederaufstehung vom Mäxchen beigetragen haben.

 

Vielen vielen Dank!

 

Ich freu mich und grinse noch immer so dämlich wie bei der Übergabe! Es ist wundervoll solche Freunde zu haben. Danke!

 

 

Bilder: Volvi, Anja

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Katzenpapa, mit der Besten aller Beifahrerinnen an seiner Seite, beheimatet in Graz,  Gründer von Alltagsklassiker, mit der Schwäche für alte Japaner, Schweden und Modellautos; Fotograf, Autodidakt, Leseratte, bewegt Mazda MX-5, Mazda 818, Volvo 960 II und Puch Maxi L

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