Klassiker auf den Straßen von Graz

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

In Zeiten der Pandemie blieb einem nicht viel, außer sich ein wenig zu bewegen. Raus in den Wald und über die Felder zu spazieren. Aber nachdem man auch mit Fuchs und Hase, Flora und Fauna bestens vertraut war, zog es mich doch auch wieder in die Grazer City. Seine (oder eine) Stadt lernt man am besten kennen, indem man sie sich ergeht. Mit gutem Schuhwerk ausgestattet, einfach mal die Straßen und Gassen gemütlich zu durchwandern, nicht zu schnell, damit man so viel wie möglich in sich aufsaugen kann.

Es gibt so viele Details zu entdecken. Jede Gasse, jedes alte Haus hat seine Schönheiten, die es erst preisgibt, wenn man sich darauf einlässt. Oft sind es Verzierungen an der Fassade, die Form der Fenster, die Blumen im Vorgarten. Sehr oft ist es das Haustor oder Geschäftsportal, dem ein ganz besonderer Zauber inneliegt. Neben den alten Fahrzeugen, die ich auf den Straßen meiner Stadt Graz regelmäßig festhalte, bin ich seit einem Streetfotografie Workshop im Herbst 2017 auch den Grazer Türen, Toren, Fenstern und Portalen verfallen. Es wurde damals höchste Zeit, diese bunte Vielfalt für die Nachwelt festzuhalten. Diese Sammlung findest du auf Instagram am Kanal @thedoorsofgraz.

So ziehe ich oder wir los, um bisher kaum beachtete Gassen und Straßen zu erkunden, im Fokus liegen neben den gut gereiften Fahrzeugen nun auch die oben erwähnten Türen, Tore und Fenster. Es gibt so einige Hotspots in Graz, wenn man auf der Suche nach Alltagsklassikern in den Häuserschluchten ist. Rund um die Karl-Franzens-Universität findet man die eine oder andere Perle, ebenso im Umkreis der Technischen Universität. Weiters im Herz-Jesu-Viertel und im Bezirk Geidorf.

Der eine oder andere Klassiker verschwindet, dafür stoßen andere hinzu. Es ist auch sehr von der Jahreszeit abhängig, wie hoch der Jagderfolg als Carspotter ist. Im Frühjahr und Sommer findet man erfahrungsgemäß mehr Altblech auf den Straßen, da sind viele Saisonfahrzeuge zusätzlich unterwegs.

Immer wieder gern gesehen ist das Lancia Kappa Coupe, das schon seit einigen Jahren in Geidorf heimisch ist. Nur drei Jahre währte die Herstellung des formal sehr gelungenen Coupes, das bei der Carrozzeria Maggiora vom Fließband lief. In Kleinserie wurden nur 3271 Exemplare gefertigt, mit dem Ende der Produktion der Kappa Limousine, standen auch die Bänder in Chivasso still.

 

 

Ein paar Fahrzeuge dahinter findet man eine VW T3 Doka, die neu im Viertel sein dürfte. Die Zeiten wo der T3 verbraucht und weggeworfen wurde, ist lange vorbei – auch wenn man immer noch Exemplare findet die im Alltag Tag für Tag ihren Dienst verrichten müssen. Aber der Nutzwert so einer Doka ist aber auch immens, da findet sich immer etwas, das transportiert werden muss. Die Preisspirale zeigt deutlich nach oben, deswegen werden auch weniger gute Exemplare wieder aufgebaut und der Markt nimmt sie mit Freude auf.

 

 

Bis vor kurzem war der Buchanka in unseren Breitengraden ein völlig unbeschriebenes Blatt und nur Offroadfreaks ein Begriff. Seitdem einige findige Importeure ein Schlupfloch der EU-Zulassung aufgetan haben, sieht man auch den einen oder anderen UAZ 452, wie die offizielle Bezeichnung des Buchanka lautet, in unseren Straßenschluchten. Buchanka ist der Spitzname des fabriksneuen Klassikers, einem russischen Kleinbus, der nichts anderes als Kastenbrot bedeutet. Genau so sieht er auch aus.

 

 

Ein alter Bekannter ist die Schwarzblech-Ente, die mit martialischen Schutzbügeln ausgestattet ist. Ganz in der Nähe der Herz-Jesu-Kirche hat sie ihr Zuhause, der ebenfalls dort ansässige CX Break war leider bei meinem Spaziergang nicht mehr auffindbar.

 

 

Dafür bin ich ein paar Gassen weiter auf den Nachfolger in der Modellhistorie gestoßen: einen Citroen XM Break. Limousinen sieht man ja noch ab und an, aber einem der Kombis wurde ich langer Zeit nicht mehr ansichtig.

 

 

Wer Ente sagt, muss natürlich auch R4 sagen. Das klassische, klassenlose französische Duo ist ohne den Renault R4 nicht vollständig. Einst wohl rund um die Universitäten in Massen anzutreffen, sind diese beiden einst als Studentenautos beliebten Kleinwagen kaum noch anzutreffen. Wenn, dann in mittlerweile Topzustand und in der Hand von Liebhabern. Die einst günstigen Fahrzeuge, sind längst in den Rang der Klassiker aufgestiegen und die Preise deutlich angezogen.

 

 

Es gibt so einige Hotspots in Graz, wo immer wieder skurrile Klassiker auftauchen. Einer davon ist beim Steinfeldfriedhof im Bezirk Eggenberg. Dort nutzen nicht in Graz heimische, die gebührenfreie Parkzone. Von altertümlichen Campern bis zum Daihatsu Taft, habe ich dort schon so allerlei an Klassikern erjagt. Einen Suzuki Super Carry zu erwischen, ist auch nichts Alltägliches. Noch dazu, wenn er mit Vorhängen ausgestattet ist, lässt das auf die Verwendung als Campingmobil rückschließen.

 

 

Weit seiner Zeit voraus war der 1999 auf der IAA präsentierte Audi A2. Die Karosserie war aus Aluminium, basierend auf einem Space-Frame-Rahmen aus demselben Material, das Design polarisierte. Gute Exemplare sind längst in Sammlerhänden.

 

 

Nicht unweit der KF-Uni, bereits im Villenviertel Richtung Hilmteich, findet sich eine Straßenszene wie in den frühen 90ern. Ich blicke mich um, ob nicht gerade Dreharbeiten für einen Film aus jener Zeit stattfinden, aber Fehlanzeige. Es ist einfach die Zeit stehengeblieben und so erfreue ich mich am Duo aus Nissan Micra und Fiat Tempra. Beides Fahrzeuge, die meinen Puls nicht schneller schlagen lassen oder Begierde wecken, aber in der Kombination trotzdem ein toller Anblick sind.

 

 

Wer mehr Fahrzeuge aus den Straßen von Graz sehen will, dem seien folgen Artikel ans Herz gelegt:

2016 – Streifzug durch das Grazer Univiertel

2017 – Raus mit den Klassikern auf die Straßen!

2018 – Unterwegs auf den Straßen von Graz

2019 – Frühlingsgefühle auf den Straßen

2020 – An einem Sonntag im Mai

You may also like...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.