Garagengold

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„Na geh, ned scho wieder dieses Thema…“ 

Was wurden wir die letzten Jahre von den unterschiedlichsten Medien mit den Schlagworten „Garagengold“ und „Wertsteigerungs-Potential“ zugesch*ssen. Als Außenstehender könnte man glauben, alte Autos sind ein reines Hobby für gutbetuchte Spekulanten geworden, die ihr Investment in trockenen Tüchern wissen wollen. Zugegeben, für so manche Modelle in sechs- oder siebenstelligen Preisklassen mag das auch stimmen. Für den Großteil der Altauto-Szene abseits von Pebble Beach und Schloss Dyck spielen diese Überlegungen aber nur eine untergeordnete Rolle. Aber natürlich jubiliert der Besitzer einer alten Kiste, wenn die Garagenmiete und der neue Satz Reifen wertmäßig wieder herinnen sind. Oder etwa nicht? 

Mein kurzes Eintauchen in die Alt-BMW-Szene war diesbezüglich recht lehrreich. Dort freut man sich ehrlich über gestiegene Werte in den Notierungen von Classic Analytics oder dem Oldtimer Markt Preise-Sonderheft. Was verständlich ist. Schließlich ist es auch eine Form von Wertschätzung der eigenen Bemühungen, wenn das Fahrzeug, das man hegt und pflegt, dadurch wertvoller wird. Und noch ein Aspekt sollte nicht außer Acht gelassen werden. Wer Wertschätzung für sein Fahrzeug erfährt, wird auch eher bereit sein, Geld in Erhaltung und Reparaturen zu investieren. So bleiben mehr Exemplare gut gewartet am Leben. Da ist eine – meist nur langsam – in die Höhe wandernde Einstiegshürde für Newbies sicherlich zu verschmerzen. Vor allem auch, weil dieses Hobby zumindest längerfristig ohnehin nichts für Schnorrer und knappe Geldbörsen ist. 

 

 

Jetzt taucht aber, vor allem in der Japan-Szene, gelegentlich ein völlig konträres Phänomen auf. Erfährt ein Modell Wertschätzung durch steigende Notierungen, ist der Aufschrei deutlich zu vernehmen. Selbst von Besitzern eben dieser Fahrzeuge. „Die Preise sind ja völlig deppad“ ist da noch der harmlose Senf, der gerne dazu gegeben wird. Aber wirklich nachvollziehbar ist es für mich nicht. Denn egal, ob der Markt für diese Fahrzeuge – der in Österreich nur aus wenigen Insidern besteht – etwaige Preisnotierungen auch reell hergibt oder nicht, sollte man einer solchen Entwicklung positiv entgegen sehen. Warum? Weil es im Leben mit alten Autos viel mehr gibt als nur den bloßen Kauf und Verkauf. Man bedenke nur den Rest- oder Wiederbeschaffungswert im Versicherungsfall. Durchaus ein Grund, sich darüber zu freuen, dass der eigene Oldie nicht beständig bei 1200 Euro für einen echten Zustand 2 herumdümpelt. 

Es wird Zeit, umzudenken. Wer kaufen will, freut sich über möglichst geringe Preise, klar. Aber die Nachteile von nicht vorhandenem Wert überwiegen die Vorteile deutlich. Auch wenn der Wert nur auf dem Papier besteht. Die volkstümliche Form des „Garagengolds“, quasi. 

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Seit 2008 als Motor-Journalist, Autor & Texter in der Szene aktiv. Sein Kaufverhalten gilt als promiskuitiv, seine Autos wechseln häufig. Vom Buick über den Mercedes-Benz und einigen Subarus bis hin zum Volvo war schon alles dabei. Nur der grüne Pajero, der bleibt! Auch macht es ihm großen Spaß, von sich in der dritten Person zu schreiben.

1 Response

  1. Das sehe ich sehr ähnlich!

    Die Leute verstehen scheinbar die Fahrzeuge wirklich nur als Anlage und Sicherheit. Das ist, wie du treffend schreibst, aber in den seltensten Fällen so. Die meisten können froh sein, wenn sie durch Restaurationen und Reparaturen kein Minusgeschäft machen. Für viele bleibt es ein Hobby und man kann sich nur freuen, wenn es sich zusätzlich noch rentiert.

    Schöner Beitrag und LG!

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