Toleranz als Einbahnstraße?

Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

In Zeiten von immer wiederkehrenden CO2-Diskussionen, niedrigen Feinstaub-Grenzwerten und Umweltzonen in fast ganz Europa sind wir Altauto-Fahrer häufig damit beschäftigt, Toleranz für alte Kisten einfordern.

 

C-Kadett

 

Toleranz dafür, dass wir aus Überzeugung Fahrzeuge fahren, deren Abgas-Einstufung schon vor Jahrzehnten überholt war – Stichwort „Nicht schadstoffarm“. Toleranz dafür, dass wir ohne City-Notbremssysteme mit Fußgängererkennung in Städten unterwegs sind. Toleranz dafür, dass wir ohne dritte Bremsleuchte im Feierabendverkehr mitmischen, obwohl unser Verzögern für Nachfolgende schwerer zu erkennen ist. Und bald auch Toleranz dafür, dass unsere Fahrzeuge erkannte Gefahren nicht via Car2Car-Kommunikation an andere Fahrzeuge oder via Car2X an die Umgebung weitergeben.

 

Wenn aber Toleranz in die andere Richtung gefragt ist, dann sieht es plötzlich ziemlich düster aus. Elektroautos sind auf dem Vormarsch? Ui, da kann sich die Altautoszene ereifern. Die abenteuerlichsten „alternativen Fakten“ werden da leidenschaftlich in die Welt posaunt, teilweise schon lange überholte, vermeintliche Beweise mehrfach und beharrlich aufgewärmt. Da entwickeln selbst Ami-V8-Treiber urplötzlich starke Umweltschützer-Instinkte, wenn wegen der bösen Elektroautos die arme Atacama-Wüste nicht mehr begrünt werden kann. Und dann gibt´s da ja noch das „Downsizing“. Na Herrschaft Zeiten, so eine Kiste soll sich einmal jemand kaufen trauen. Dessen geistige Zurechnungsfähigkeit wird angezweifelt, er bekommt Beileidsbekundungen und „eigentlich ist er sowieso ein Depp“. Hmmm…

Tesla Model 3 / Bild: Tesla Motors

 

Auf der anderen Seite der Macht schaut es aber auch nicht anders aus. Der Neuwagen-Fahrer schimpft über den alten Stinker, der längst von der Straße gehört. Auch wenn dessen Erstzulassung erst 7 Jahre zurück liegt. Überzeugte Elektroautofahrer verfluchen die lokal keineswegs emissionsfreien Verbrenner und machen sie für das Weltenunglück verantwortlich. Und warum muss ich, nur weil da ein paar reiche Spinner mit ihren sauteuren Oldtimern eine Ausfahrt machen wollen, 15 Minuten an der extra für diese Snobs gesperrten Kreuzung warten?

Offenbar ist die vielzitierte und auf allen Seiten leidenschaftlich eingeforderte Toleranz eine streng überwachte Einbahnstraße. Frei nach dem Motto „Wer schneller fährt als ich, ist ein Lebensmüder und wer langsamer fährt, will mich nur ärgern.“ muss es in der Autoszene wohl „Wer was Jüngeres fährt als ich, ist ein Depp und wer was Älteres fährt, hat den Anschluss verloren.“ heißen. Schade eigentlich. Denn letzten Endes, wenn wir die oftmals mühsame Emotionalität und gegenseitige Empörtheit aus dem Thema extrahieren, geht es um die gleiche Sache – Individuelle Mobilität von A nach B. Egal ob im Opel Kadett C, im Tesla Model X oder im Ford Focus 1.0 Ecoboost. Es wird Zeit, uns wieder darauf zu besinnen.
Lukas

(Visited 210 times, 1 visits today)

You may also like...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.