Dorotheum Auktion Klassische Fahrzeuge auf der Classic Expo 2020

Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Die letzte Auktion „Klassische Fahrzeuge“ des Dorotheum ist kaum vergangen, da wartet die nächste im Rahmen der Classic Expo in Salzburg bereits. Am 17. Oktober 2020 kommen 75 Automobile und 4 Zweiräder unter den Hammer und warten auf neue Besitzer. Wie immer picke ich mir ein paar der angebotenen Exponate heraus, Fahrzeuge, die mich persönlich berühren, eine rein subjektive Auswahl meinerseits.

Mercedes-Benz 300 SL
Persönlich berührt mich der 300 SL Roadster nicht, da er in einer etwas anderen Preisliga spielt, trotzdem fällt es einem schwer beim SL einen kühlen Kopf zu bewahren. Es sind wohl die Superlative, die den Roadster zu etwas ganz besonderem machen. Dieser Roadster, eines von 1858 Exemplaren, ging nicht wie so viele in die Staaten, sondern fand seine Heimat in Deutschland. Ein nachvollziehbare Historie ab 1968 listet penible die Vorbesitzer auf, Wartungsdokumente, der Tausch des Motors, zweimalige Neulackierung und Revision des Getriebes – als das lässt sich lückenlos nachverfolgen. Das Werks-Hardtop ist ein weiteres Zuckerl dieses Schmuckstückes deutscher Automobilbaukunst. Gespannt kann beim Roadster und beim Flügeltürer auf das Auktionsergebnis sein, da geht es oft und gerne in den siebenstelligen Eurobereich.

 

 

 

Opel Kadett B
Emotionen erweckt dagegen die angebotene Fließhecklimousine des Opel Kadett B, hatte doch meine Mutter in den frühen 80ern ein ockerbraunes Coupe dieser Baureihe. Limousinen und Coupes sieht man doch regelmäßig auf Klassikerveranstaltungen, aber die Caravans und Fließhecklimousinen machen sich echt rar. Da kommt die Gelegenheit recht, dieses nicht alltägliche Stück zu erwerben, das 1969 erstmalig in Mailand zum Verkehr zugelassen wurde.

 

 

 

Puch 800
So etwas wie der heilige Gral der Puch Motorräder ist die Puch 800: Die 800er war das österreichische Jahrhundertmotorrad, das hubraumstärkste von der Steyr-Daimler-Puch AG je produzierte Motorrad. Zwischen 1936 und 1938 wurde gerade einmal die homöopathisch geringe Menge von 550 Exemplaren dieses Motorrades gefertigt, dessen Herz aus vier Zylindern in Boxeranordnung besteht. Besonders ist der Boxer, der durch einen zentralen Fallstromvergaser gespeist wird, durch die um jeweils 16 Grad nach oben angewinkelten Zylinder. Dadurch wurde für den Einsatz im schweren Gelände unter militärischen Bedingungen ganze 7 cm mehr Bodenfreiheit generiert. Das erst vor wenigen Jahren restaurierte Exemplar, wurde in der Südsteiermark gefunden und von einem peniblen Sammler und Kenner der Materie in einen Traumzustand versetzt. Das fortschreitende Alter des Einbringers lässt einen anderen Glücklichen in den Genuss kommen auch so einen Traum auf zwei Rädern zu erstehen.

 

 

 

Honda S800
Eine klassische Pocket Rocket wird mit dem gelben Honda S800 angeboten. Aus gerade einmal 800cm³ werden mit reichlich Drehzahl 67 standfeste PS generiert. Da merkt man dass Honda aus dem Motorradbau stammt und zum Modellstart des S800 das F1 Engagement der Japaner nicht lange zurücklag. Perfekt restauriert wartet er in zeitgenössischer Farbgebung auf einen Liebhaber.

 

 

Steyr XII 6/30 Kommerzwagen
Vorkriegsfahrzeuge sind ja nicht so mein Ding. Handelt es sich aber um Fahrzeuge aus heimischer Produktion, derer es nicht so viele gab in Österreich, ist doch ein wenig Interesse vorhanden. Beim Steyr XII handelt es sich noch dazu um ein Fahrzeug aus der Sammlung des Weltenbummlers Dr. Max Reisch. Die Sammlung wird derzeit von den Erben umstrukturiert, der Fokus liegt in der Zukunft auf den Expeditionsfahrzeugen des 1985 verstorbenen Weltreisenden und Pioniers.

 

 

Mehr Informationen zu Max Reisch findet man in den beiden Büchern

Max Reisch – Über alle Straßen hinaus. Forscher Pionier und Wüstenfahrer *

und

Max Reisch – Lockende Ferne Indien. Mit dem Motorrad 13.000 km am Landweg nach Indien im Jahr 1933 *

 

 

Autobianchi 500 Giardiniera
Wieder kommen Kindheitserinnerungen hoch, wenn ich mir den kleinen Kombi aus italienischer Produktion betrachte. Auch hier war es meine Mutter, die einen solchen Kombi fuhr, als ich noch ein kleiner Stöpsel war. Als Steirer war es natürlich kein Autobianchi oder Fiat, sondern ein Steyr-Puch 700 C aus Grazer Produktion, der Ende der 1970er als günstiges Alltagsfahrzeug für die täglichen Besorgungen und zur Bewältigung des Arbeitsweg diente. Am Fahrersitz lag immer ein Polster um bei der kleinen zarten Frau, die meine Mutter ist, für genügend Rundumblick zu sorgen.

Beim 500 Giardiniera handelt es sich um ein spätes Exemplar mit Erstzulassung im Jahr 1975, 1977 wurde die Produktion dann endgültig eingestellt. So konnte man bis Mitte der 1970er ein Auto mit dem Charme und Technikstand der 50er-Jahre erstehen, inklusive hinten angeschlagenen Selbstmörder Türen.

 

 

 

Bleibt mir nur noch viel Erfolg beim Bieten auf der Auktion des Dorotheum im Rahmen der Classic Expo 2020 in Salzbug zu wünschen. Die Ergebnisse der Auktion reiche ich wieder nach, sobald sie verfügbar sind.

 

* Transparenz: Dieser Artikel enthält Affiliate Links.

 

Alle Bilder: Dorotheum

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2 Responses

  1. Elmar sagt:

    Der S800 ist Den Bildern nach gut restauriert, müsste man sich vor Ort anschauen, aber von Perfekt ist er doch noch ein ganzes Stück entfernt.

  2. Micky sagt:

    Du bist da ja der Fachmann!

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