Der ideale Youngtimer: Volkswagen T3

Volkswagen hatte im Laufe der 70er Jahre sein gesamtes Modellportfolio erneuert – weg von den heckgetriebenen brustschwachen Boxermotoren, auf zu neuen Ufern mit Frontmotor und Frontantriebslayout. Der Käfer und der T2 Bus hielt noch die Fahnen längst vergangenen Ruhms und Erfolges hoch. Der Käfer war schon angezählt, die Produktion lief in Deutschland im Werk Emden im Januar 1978 aus.

 

T1, T2, T3 – Bild Volkswagen

 

Der Nachfolger des seit 1967 angebotenen T2, der T3 setzte ab 1979 dennoch wieder auf das altbewährte Konzept Frontlenker mit luftgekühltem Boxermotor im Heck mit Antrieb auf der Hinterachse, gegen die Erwartungen der Kunden und der Presse. Hauptgrund dafür war, das die luftgekühlten Boxermotoren als gesetzt galten, unter dieser Voraussetzung galt das alte Konstruktionsprinzip als bestmögliche Lösung. Hätte es einsatzbereite wassergekühlte Reihenmotoren mit mehr als 1600ccm im Konzernregal gegeben, wäre wohl schon 1979 das Konzept des Nachfolgers T4 umgesetzt worden, so blieb es beim gewohnten Bus-Layout, das seit 1950 bekannt und bewährt war. Der T3 wurde nicht deutlich länger oder höher als sein Vorgänger, nur das Breitenwachstum war mit 125mm enorm.

 

Bild: Volkswagen

 

Wie auch schon bei den beiden Vorgängern T1 und T2, bot der T3 ein breites Spektrum an Modellvariationen: Angefangen beim nackten verblechten Kastenwagen, Kombi ohne Sitzeinrichtung und mit Bestuhlung, über Pritschen, Großraumpritschen, mit Einzel – und Doppelkabine und Fensterbusse. Diverse Sonderaufbauten vom Krankenwagen, Feuerwehrbus, Montagefahrzeuge, Thermos- und Kühlfahrzeuge, Verkaufswagen, Kipper, Fahrzeuge mit Hubeinrichtungen bis hin zu Campingversionen.

Meine Erfahrungen mit dem T3 halten sich in Grenzen, außer einigen Kilometern bei einer Überstellungsfahrt in einem Ex-Post Kastenwagen mit Hochdach und asthmatischem Saugdiesel, den sich ein Freund vor 15 Jahren als Fischermobil zugelegt hatte. Deswegen lasse ich einen zu Wort kommen, der selbst seit 2008 dem T3 verfallen ist und eine DoKa bewegt, Mirco Meier aka Bündner-Bulli.

 

 

Bild: Volkswagen

 

Ist der VW T3 der ideale Alltagsklassiker ?

Diese Frage dürfte die Geister scheiden , denn der Hardcore-Fan erspart seinem geliebten T3 unter Umständen gern den schnöden Alltagseinsatz und dann wiederum gibt es welche , die aus Überzeugung einzig und allein den T3 fahren , was aber jeder für sich selbst entscheiden muss.

Nun versuchen wir mal Stichpunktartig den T3 zu beleuchten.

Außenansicht/Design :
VW-Typisch schlicht , schnörkellos und für den geneigten Fan dennoch ansprechend , denn manchmal ist weniger einfach mehr . Die einfachen Transporter , Kasten , Doppelkabine und Pritsche kommen doch recht schmucklos daher , während die Caravelle ab GL mit reichlich Chromschmuck aufwartet und was dem T3 auch sehr gut zu Gesicht steht.

Rein in die gute Stube :
Hier erwartet uns wiederum ein schlichtes Armaturenbrett mit einer übersichtlichen Anordnung von Schaltern und Instrumenten , als Einfachversion sogar ohne Drehzahlmesser und dafür mit einer riesigen Uhr. Die Bedienelemente sind allesamt als Wippschalter aufgeführt , welche durchaus griff-günstig liegen und die Heizung wird mittels Hebel noch nach alter Manier bedient. Die sonstige Innenausstattung kommt je nach Version ziemlich einfach daher (Gummiboden und Kunstleder-/Stoffsitze) während die Caravelle/Multivan durchaus mit edlem Velours und sehr bequemen Einzelsitzen mit Armlehnen ausgestattet sind und über Teppichboden verfügen. Die verfügbaren Sitzplätze reichen von 3 (Pritsche) , 2/6/ (Doka) bis zu 9 (Caravelle)

Der Antrieb :
Die Motorenpalette reicht bei den luftgekühlten T3s von 1.6L mit 50 PS bis 2L mit 70 PS und es gibt noch verschiedene Diesel aber mein Hauptaugenmerk liegt aus eigener Erfahrung bei den späteren 2.1L Wasserboxern (87 PS – 112 PS) , Getriebe gibt es jeweils als 4- oder 5 Gang außer beim Syncro ,der in Graz von Steyr-Daimler Puch entwickelt und produziert wurde, da sind es dank Geländegang dann doch nur 4 Gänge .
Aus eigener Erfahrung beurteile ich den 2.1L Wasserboxer als optimaler Motor für den T3 , bei regelmäßigem Service und pfleglicher Behandlung ein treuer und gutmütiger Geselle , der auch ein schönes Boxerblubbern bietet. Dafür erwartet einem dann beim Wasserboxer ein doch eher trinkfestes Verhalten , Werte bis 14L (Syncro z.T. mehr) sind da wirklich keine Ausnahme. Das kann der Diesel wohl besser aber der bietet nicht die Power die der Boxer hat und das merkt man bei Bergfahrten eben.

Die verschiedenen Ausführungen :
Den T3 konnte man ab Werk in verschiedenen Varianten bekommen :
Kastenwagen geschlossen, Halbkasten, Doppelkabine, Pritsche, Fensterbus, ja Wohnmobile konnte man auch kaufen , welche zum Teil beim entsprechenden Hersteller selbst ausgebaut wurden oder direkt kaufen konnte. Beliebt in Österreich waren die Ausbauten von Münnich aus Graz. Der einzige Originalcamper von VW war dann der Atlantic und das eigentlich erst in den 90er Jahren. Die verschiedenen Versionen gab es alle mit Heck- oder Allradantrieb .

 

Bild: Volkswagen

 

Zielgruppe :
Der Youngtimerfan greift vielleicht zum edlen Multivan, der Hobbycamper baut sich einen nackten Kastenwagen/Fensterbus zum Camper aus, der Häuslebauer setzt vielleicht auf den Nutzwert einer Pritsche /DoKa und der Youngtimerinteressierte Familienvater schafft sich vielleicht eine Caravelle an.

Zahlen und Fakten:
Der T3 Transporter wurde in 1,3 Millionen Exemplaren von 1979 bis 1990 im
Nutzfahrzeugestammwerk in Hannover produziert, bis 2002 lief er auch im südafrikanischen
Uitenhage vom Band. Die Syncros und die allerletzten Exemplare aus europäischer
Produktion produzierte Steyr-Daimler-Puch von 1984 bis 1992 im österreichischen Graz in
Lohnfertigung.

Marktsituation :
Leider wird es langsam so, dass gute T3s nicht mehr so schnell auf den Markt kommen und dafür immer mehr Bastelbuden, welche zum Teil auch noch horrende Preise erzielen! Da wirkt wohl der Hype um den T1 und T2 mit, was die Preise vom T3 geradezu explodieren lässt.

 

Bild: Volkswagen

 

Besonders beliebt sind Camper wie der Westfalia Joker, Syncros und die letzten in Europa produzierten Exemplare, die noch nach Ende der Produktion in Hannover Stammwerk bei SDP in Graz vom Band liefen. Das waren einerseits Behördenfahrzeuge, Syncros und andererseits die Last Limited Edition (LLE) die auf 2500 Exemplare begrenzt war und deren Ausstattung den Sondermodellen Bluestar und Whitestar sehr ähnelte.

 

Bild: Volkswagen

 

Interessante Links :
typ25.de/vw-t3-kaufberatung/ – Kaufberatung
t3-infos.de – Infoseite über den T3
vwbusforum.ch  – Schweizer Forum
vwt3.at – Österreichisches Forum
bulliforum.com – Deutsches Forum
vwpix.org – Umfangreiches Prospektarchiv

 

Lesetipp: VW Bus und Transporter – 6 Generationen – 1 Buch

Dieser Beitrag entstand mit großem Engagement und Unterstützung vom Schweizer T3 Fahrer Mirco Meier, dem ich hiermit meinen herzlichen Dank ausspreche.

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