Virtuelles Alltagsklassiker Saturday Night Cruising 2020: Teil 9

Geschätzte Lesezeit: 11 Minuten

Viele Klassikertreffen, Teilemärkte, Ausfahrten und Messenwerden abgesagt oder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben, das liegt uns eingefleischten Petrolheads richtig schwer im Magen. Auch das Alltagsklassiker Saturday Night Cruising Anfang April im Grazer Citypark fällt den strengen Massnahmen der österreichischen Bundesregierung zur Coronakrise zum Opfer.

Deswegen machen wir einfach das Beste daraus und treffen uns einfach virtuell hier im Blog! Einfach mal zurücklehnen und den Teil 9 des virtuellen Alltagsklassiker Saturday Night Cruising genießen. Gibt es Fragen zu den gezeigten Fahrzeugen, dann nutze bitte Kommentarfunktion unter dem Beitrag. Aufgrund der teils doch recht umfangreichen Texte der virtuellen Treffenteilnehmer, werde ich die jeweiligen Beiträge auf fünf Teilnehmer begrenzen.Sobald wieder fünf neue eingegangen sind, kommt der nächste Blogbeitrag.

Nachdem wir uns noch länger nicht treffen können, werden wir unser virtuelles Alltagsklassiker Saturday Night Cruising so lange weiterführen, bis die Garagentüren wieder aufgehen dürfen. Schick die Geschichte von deinem Fahrzeug (ganz egal ob Fahrrad, Moped, Motorrad, Roller, Auto, Bus, etc. an snc@alltagsklassiker.at. Leg ein paar Bilder dazu und du bist dabei.

#alltagsklassikerathome

 


 

Gerd P.
“ Porsche 356C, Baujahr 1965..
Technisch von mir selbst im Winter 2018-19 auf Vordermann gebracht in unzähligen Stunden in der Garage, ohne Hebebühne… gutes Training.. rauf.. Werkzeig holn.. runter unters Auto.. Werkzeig passt natürlich ned, weils statt 13er.. a 14er Nuss is zb.. dann wieder rauf usw 🙂

Dann die spannende Typisierung in Österreich… kostet auch anige graue Haare.. wegn den Prüfern.. kennen sicher anige unter uns 😉 aber wie sagt ma so schön.. wen ma ned umbiegen kann.. muss ma freundlich umstreicheln 😉

 

 

Spannende erste Ausfahrt mit Benzingeruch nachn ersten Kreisverkehr… eh klar.. die alte Lederdichtung beim Tankdeckel natürlich a hin.. usw. Bin aber sooo happy über einen Kindheitstraum.. schöner wär natürlich a Speedster vom Doc Hollywood.. wer kennt den Film ned 😉 aber wer will scho 350mille ausgebn für Blech…

Liebe Grüße und bleibts gsund… Gerd „

 


 

Sandra T.
„Rover 3500S P6 V8, Baujahr 1973

 

 

Mein Papa hat in der Czerningasse (Wien) beim Rover Händler Mechaniker gelernt. Im vierten Lehrjahr hat er ihn dann gekauft. Als er ca. 1989  angefangen hat zum Haus bauen ging leider etwas am Motor kaputt. Das war dann die Entscheidung das er ihn bei meinen Onkel eingestellt hat, da er schauen wollte das das Haus fertig wird. Weil mein Papa nie dachte das seine Tochter sich so für Autos interessieren würde, haben wir ihn 2016 in unsere Halle gestellt. Da mußten wir feststellen das er nach 27 Jahren stehen gar nicht mal so schlecht beinander war. Natürlich ging eins ins andere und am 23. Mai 2019 konnten wir die erste Runde angemeldet fahren. Er ist zwar noch lang nicht fertig aber wann ist das schon ein Auto.“

 


 

Thomas A. H.
„Die Idee, welche durch die Krise geboren wurde, finde ich stark, aber noch besser finde ich den Content, welchen hier Autonarren von sich geben. Danke dazu, hier ein paar lange Worte meiner Story, wie ich zu meinem Alltagsklassiker gekommen bin!

Es war vor ca. zwei Jahren. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, einen alten Toyota Corolla Liftback fahren zu wollen. Als Hobby und nicht als Alltagsfahrzeug. Leider war es auch schon vor zwei Jahren nicht besonders leicht, solch ein Fahrzeug überhaupt zu finden, dann meinte es der Zufall wohl gut mit mir – Mein Willhaben Suchagent spuckte mir am Vormittag während der Arbeitszeit einen roten Corolla E9 mit knapp über 100.000km aus, EZ 04/91, in Spittal, in bestem Zustand, gute Ausstattung, 75 PS, 1.3l Einspritzer. Es kam wie es kommen musste, ich bin am gleichen Tag zu ihm gefahren, ihn zum Leid meiner Freundin penibelst auf Probleme untersucht und, man erahnt es, gekauft! Dass das Fahrzeug zwei Tage vor meiner Geburt angemeldet wurde, die Hausnummer des Besitzers gleich dem Alter Meinerseits und dem Fahrzeug entsprach wusste ich, es musste einfach Schicksal sein!

 

Tag der Abholung

 

Doch warum ein Corolla E9 Liftback? Mein Vater hatte vor langer Zeit genau solch ein Exemplar, gleiche Farbe, aber andere Ausstattung, was mich aber nicht daran hinderte, zuzuschlagen. Diesem wurde leider bei einem Unfall stark zugesetzt. Das Auto wurde daraufhin an einen örtlichen Verwerter verkauft.

Zurück zum Ablauf des Kaufes! Am nächsten Tag gleich in der Früh zur Versicherung, Tafeln und Pickerl abgeholt und erst mal zur Arbeit, doch direkt nach Kernzeit meinen Vater abgeholt und ihn direkt überrascht. „Hast du Zeit? Ich würde deine Hilfe benötigen!“ Er stieg ein, wir fahren die ersten paar Meter und er fragte, um was es ich denn überhaupt handelte. Der Typenschein und ein frisches Set neuer Kennzeichen lag auf der Rückbank und ich überreichte ihm erst mal den Typenschein. Etwas verwundert sah er mich an und glaubte nicht ganz, was sich jetzt abspielte. „Ja“, sagte ich. „Quasi das gleiche Auto das du damals hattest, nur mit einer anderen Ausstattung, aber in rot.“ Sprachlosigkeit und Freudentränen, Mann muss stark sein! Angekommen, das rot schimmernde Fahrzeug mit den neuen Tafeln ausgestattet, als hätte man einen Neuwagen gekauft, Pickerl angebracht, Abschieds- und Übergabefotos gemacht, Smalltalk, Kassettendeck eingebaut, und die erste lange Reise mit vollem Tank angetreten. Es war unbeschreiblich, der Motor lärmte zwar ab 100km/h dank quasi fehlender Schalldämmung, doch es machte unglaublich viel Spaß auf der Autobahn zu gleiten. Ohne Klima, ohne Servolenkung, ohne Airbag aber mit viel Frischluft dank des Schiebedaches.

 

 

Nun, es ist ein siebenundzwanzig Jahre altes Auto. Da darf schon die ein oder andere kleine Macke dran sein. Doch wo fange ich an? Er ist perfekt gewachst, er ist sauber, er funktioniert und die letzte Überprüfung war mängelfrei. Rost am hinteren Radlauf? Beseitigt. Neue Kupplung? Erledigt. Frisches Öl, Luftfilter, Zündkerzen – Erledigt. Langweilig, aber genau so habe ich es mir auch vorgestellt! So soll es auch bleiben, keine Experimente, kein Tuning, keine Verbesserungen, abgesehen vom Lenkrad, das musste getauscht werden, das Gummi war auf 12 Uhr schon sehr locker und trübte das Fahrvergnügen schon etwas, erst recht, weil man ein festes Lenkrad dank fehlender Servolenkung benötigt.

In diesem Zustand fahre ich ihn seit zwei Jahren, nehme an örtlichen Oldtimertreffen teil, wo er wirklich die Nadel im Heuhaufen darstellt. Und drei Oldtimerrallys hat er auch schon mit mir mitgemacht. Dienstverweigerung? Nur die übliche Thematik: Keine Tafeln im Winter – Keine Ausfahrt im Winter. Das bleibt auch so. Aber hineinsetzen, leicht vor- und zurückschieben, Batteriespannung prüfen und wieder nach neuen Baustellen suchen, die man ja dank Winterpause angehen könnte, ja, das muss schon sein. Dazu später mehr.

Kommen wir zum Thema, das wir alle nicht hören wollen, aber leider immer öfters spüren werden: Die Ersatzteilversorgung. Es werden Komponenten gesammelt, auf Lager gelegt, mit der Einstellung, es zu haben, wenn man es braucht. Kotflügel unter dem Schmutzfänger leicht knusprig? Über Facebook (!) aus Spanien bekommen. Wachsventil für die Leerlaufregelung? Aus einem deutschen Starlet. Lenkrad? Von einem deutschen Verwerter. Kupplung? Neu von Sachs. Serviceteile wie Zündkerzen, Öl- und Luftfilter werden für die nächsten Jahre auf Lager bestellt. Zum perfekten Zustand, wie ich ihn gerne sehen möchte, fehlt noch eine 14“ Radzierkappe, straffe Gasfedern für die große Heckklappe und die Beseitigung der kleinen und zufälligen Ruckler beim Beschleunigen. Doch das ist wieder eine andere Geschichte. Ziel: Historische Zulassung 04/2021.

 

 

So viel dazu, aber noch keine Worte über die Faszination, die er bei mir auslöst: Zuverlässigkeit, die wunderschöne eckige Front, ein ganz leichter Hauch eines Haifisch blickt seitlich durch, die flache und fast schon glatte Motorhaube, das richtig runde Heck, die ausgezeichnete Rundumsicht durch Fenster, das „schwebend“ wirkende Dach, die Klarheit im Cockpit. Nach einem Arbeitstag, der nur vor und mit IT stattfindet, in einem wahnsinnig entschleunigten Fahrzeug einsteigen zu dürfen, welches keine Piepser, plötzlichen Warnleuchten oder Schaltempfehlungen von sich gibt, die Straße und Umwelt ungeschönt vermittelt, sehe ich als Genuss und nicht als Selbstverständlichkeit an, auch nicht nach der hundertsten Fahrt bei 30° Außentemperatur. Das Schiebedach macht jede Schweißperle auf der Stirn wieder gut.

Der Corolla ist erst der Anfang dieser Leidenschaft zu alten Japanern…“
 

 


 

Wolfgang „Volvi“ S.
„Auch ich möchte diese ausgezeichnete Idee nutzen um euch vorerst einmal eines meiner Fahrzeuge etwas näher zu bringen…

Es handelt sich um einen 93er Mercedes 250D der Baureihe W124.

Ich muss zugeben, es war nicht Liebe auf den ersten Blick oder dass ich damals genau so ein Auto gesucht hätte. Es war halt einfach so dass ich im Krankenstand damals viiiiiiel Zeit hatte meiner Leidenschaft, willhaben auswendig zu lernen, nach zu gehen.

 

 

Ein etwas ausgeprägterer Hang zu dieser Baureihe hat sich bei mir schon vorher abgezeichnet. Zum damaligen Zeitpunkt hatte ich gerade einen 220E derselben Baureihe mit 110tkm, jedoch war ein Ende unseres gemeinsamen Lebensweges aufgrund von starkem Rostbefall am Unterboden bereits in absehbare Nähe gerückt, aber darum geht es hier nicht.

Jedenfalls, interessanterweise nicht auf willhaben, ploppte plötzlich ein roter 250D ganz oben in der Liste auf, sprich er wurde gerade eingestellt.
Die 3 Fotos waren alles andere als einladend. Ein ausgebleichter, noch dazu roter Mercedes, die Reifen waren mit eingetrockneter Erde verschmutzt, eine Radkappe felhte und das ganze noch bei einem „Kiesplatz Händler“ im Grazer Speckgürtel. Da liest man normal gar nicht weiter…
Noch dazu versprach die Kombination aus 86PS Diesel in Verbindung mit einem Automatikgetriebe schon beim Lesen nicht unbedingt ein Quell der Freude zu sein.

 

 

Doch halt… Auf dem Foto das durch die geschlossene Seitenscheibe vom Innenraum gemacht wurde waren Lammfell Sitzbezüge zu sehen…
Nicht dass ich ein extremer Freund von Lammfell Sitzbezügen wäre, aber so sind sie doch eine Art Schlüsselreiz für mich die auf gepflegte Behandlung schliessen lassen könnten…
So dachte ich mir: Aha… Weiter zur Beschreibung

Die Beschreibung lautete wie folgt:

1. Besitz
Serviceheft bei Mercedes

Fertig…

Trotzdem, war das für mich mittlerweile ein Schlüsselbund an Reizen wenn man so will.

-Griff zum Telefon
-Besichtigung
-Kauf
-Fahren

Nach dem Kauf waren ein paar kosmetische Dinge zu erledigen, technisch war gar nichts.
5 Monate und 3000km vorher wurde ja schliesslich bei Mercedes Service gemacht.

Das war vor beinahe 7 Jahren…

Jetzt fragt sich sicher der eine oder andere: Wieso schreibt der so viel?!?!?
Tja,
1. is auch mir fad in der Selbstisolation und
2. gibt es nicht viel zu schreiben…

Reparaturen in den letzten fast 7 Jahren und 33000km:
-Bremsbeläge vorne
-Spurstangenkopf rechts aussen
-Lichtmachine
-Abblendlicht links

 

 

 

Zusammengefasst:

Ich kann keinen Grund, ausser Zufall, nennen warum ich genau dieses Auto habe. Aber ich bin dankbar für den Zufall und möchte dieses Auto nicht missen.

Nach einer Standzeit von mehreren Monaten: Einsteigen, vorglühen und nach gefühlt einer halben Umdrehung des Anlassers erwachen die 5 Zylinder zum Leben, um sich sofort bei einer Leerlaufdrehzahl von irgendwas unter 700 Umdrehungen auf ein vertrautes und beruhigendes Nageln, wie es nur ein alter Mercedes Diesel kann, einzustimmen welches dich fragt: Gehts heut nur ums Eck oder ans Ende der Welt?

 

 

 

Eilig darf man es, egal ob dort oder da hin, natürlich nicht haben und das Ende der Welt sollte möglichst auch nicht auf einem Berg zu finden sein…
Aber wenn man dieses Auto verstanden hat und wie es zu fahren ist, entspannt es einen dann doch ungemein auf dem Weg, egal ob dort oder dahin…

LG, Wolfgang“

 

 


 

Martin F.
„Volvo 740 GL Bj.1989

Warum gerade 740GL?
Schon vor meiner Geburt hatte meine Mutter einen 86er Volvo 744GL. Obwohl mein Vater in meiner Kindheit einen 190er Mercedes fuhr, war der 740 immer mein Favourit. Wir hatten den Volvo bis zu meinem 13. Lebensjahr und ich verbinde sehr viele schöne Erinnerungen mit ihm.
Der Abschied vom damals knapp 21 Jahre alten 7er viel mir schwer. Er starb am 1986 noch mäßig ausgeprägten Rostschutz und den Vergaserproblemen bei Volvo Reiterer der ihn wieder zurück nahm.

Mit 16 (ich hatte damals keine eigenes Internet zuhause) hatte ich einmal die Gelegenheit ins „Word-wide-web“ einzusteigen und natürlich googelte ich sofort VOLVO 740. Ich war damals der Meinung fahrbare 740er müssten sehr teuer sein, aber ich fand einen delphingrauen 744GL um 1500€ und es war Liebe auf den ersten Blick.
Ich hab in der Woche so manche schlaflose Nacht in Gedanken an den grauen Volvo verbracht. Aber mangels Führerschein und Geld musste ich den Gedanken an den Traumwagen aufgeben.

 

 

Mit 18 als ich endlich stolzer Besitzer eines Führerscheines war, startete ich wieder die Suche nach einem Volvo. Nachdem ich mich nach 850er Volvos umgeschaut hatte, fand ich was ich nicht für möglich gehalten hatte: Der graue 744 GL aus Salzburg war wieder inseriert und hatte tatsächlich auf mich gewartet.
Ich muss sagen, dass ich wenn ich etwas wirklich will, alles gebe. Ich hab also irgendwie, mit den letzten Geldreserven die 800€, die der Volvo nach inzwischen drei Jahren ohne Pickerl im Salzburger Schnürlregen noch kosten sollte, plus Anhängermiete und Benzingeld aufgetrieben.
Ich hatte damals keine Ahnung von Autos und wusste, dass die 13 schweren Mängel auf dem letzten Pickerlbericht noch Probleme machen würden.
Ich habe insgesammt weit über ein Jahr gebraucht den Volvo wieder auf die Straße zu bringen. Ich hab dabei sehr sehr viel gelernt, vieles auch auf die harte Tour.

 

Letztendlich konnte mich nichts von meinem grauen 740 abbringen, obwohl der Satz, „was willst du denn mit der alten Schrottkarre“ der damals wohl am meisten gehörte war. Wir haben viel durchgemacht und er hat es mir auch nicht leicht gemacht, aber inzwischen besteht er seine §57a Überprüfungen mit Bravour. Inzwischen ist er natürlich nicht alleine geblieben. Insgesammt drei Volvo 744GL teilen sich inzwischen mein Kennzeichen…
In der Volvoszene haben sich wunderbare Freundschaften ergeben und heute sind einige meiner besten Freunde Volvofahrer.“

 

 


 

Die Bilder stammen von den jeweiligen Teilnehmern des virtuellen Alltagsklassiker Saturday Night Cruising.

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4 Responses

  1. Martin sagt:

    Und wieder ein amüsanter interessanter Teil des virtuellen Treffens! Spannend wie manche Autos zu ihren Besitzern gefunden haben! Toll finde ich immer wieder, wie viel Zeit, Geld und auch Geduld viele in ihr Traumauto stecken und welche emotionale Rolle ein altes Auto in der Familiengeschichte haben kann! Ich kann das sehr gut nachempfinden.

  2. Micky sagt:

    Wenn du das gut nachempfinden kannst, nimm doch auch teil! 😉

  3. Martin sagt:

    Ich hab schon bei Teil 3 teilgenommen 🙂

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