MotionExpo 2026
Neuer Rahmen
Die letzten Jahre war die Grazer MotionExpo immer ein Fixpunkt im Alltagsklassiker-Jahreslauf. Wir waren Gäste der Messe Graz, gern gesehen, verbunden mit einer Sternfahrt mit den eigenen Klassikern zur MotionExpo, freundlichem Empfang durch die Messeverantwortlichen, freiem Eintritt und kurzer Vorstellung auf der Messe selbst. Wie man den Medien vorab entnehmen konnte, hat die Messeleitung gewechselt, ein Sparkurs soll die defizitäre Messe neu aufstellen. Teils wurden alteingesessene Messeformate eingestellt bzw. pausiert (Frühjahrsmesse), die nicht den erwünschten wirtschaftlichen Erfolg erbringen.
So wurde auch unser jährlicher Ausflug auf die MotionExpo still und heimlich gecancelt. Als Petrolhead mit Benzin im Blut geht man natürlich trotzdem hin, Mobilität in vielen Variationen ist und bleibt ein großer Teil meines Lebens. Wo sonst findet man im Süden Österreichs so geballt die aktuellen Fahrzeuge an einem Ort vereint? Danke an dieser Stelle an Volvi für die Freikarte!

Viel Neues, wenig Begehrenswertes
In der zur Neuwagenausstellung umfunktionierten Stadthalle drängen sich am Samstagvormittag die Besucher rund um alles, was neu und scheinbar begehrenswert ist. Viel Elektrisches, viele Hybride, ein paar Diesel und Benziner. Natürlich ist vieles davon auf ein breites Publikum zugeschnitten, vor allem SUVs in allen Größen und Geschmacksrichtungen. Stilistisch wirkt manches austauschbar, hinten wie vorne mit ähnlichen schmalen LED-Lichtschlitzen – aber das Interesse des Publikums ist unübersehbar.
Neue Player am Markt
Dazwischen einige der neuen chinesischen Modelle, die teilweise auch in Graz bei Magna gefertigt werden. Omoda, Xpeng, Chery, KGM, Jaecoo und GAC sorgen für Aufmerksamkeit. Nicht alles löst spontanes Entzücken oder den sofortigen Willhaben-Effekt aus, manches lässt einen auch ratlos zurück. Etwa die Frage, was ein Elektro-Crossover-Coupé wie der A390 bei einer so emotional aufgeladenen Marke wie Alpine zu suchen hat.
Kleine Highlights
Wahre Emotionen weckt am ehesten noch der kleine grüne Renault Twingo, Elektroantrieb hin oder her. Toll umgesetztes Retrodesign, intelligente praktische Lösungen wie schon in den Neunzigern. Preislich schwer in Ordnung für einen kleinen Stromer mit Fokus auf den Nahverkehr. Dazu noch ein Franzose, der Begehrlichkeiten weckt: der DS N°4 als neuestes Modell in einer Ahnenreihe der großen Citroën – DS, CX, XM und C6. Auch der Xpeng P7+ darf gefallen.

Der Hauptgrund
Aber deswegen sind wir nicht hier. Wir sind wegen der Sonderschau „100 Jahre Daimler-Benz AG“ angereist, die in Kooperation mit dem Mercedes-Benz Museum Stuttgart viel verspricht. Und diese Versprechen werden mehr als gehalten, denn wo sonst in der Provinz sieht man den C111, das Blaue Wunder und viele weitere Perlen aus der Werkssammlung des Stuttgarter Herstellers?

Ein echter Star: Mercedes C111
Besonders am C111 kann ich mich kaum sattsehen, der Versuchsträger, der von den späten 60ern bis zu den frühen 80er-Jahren in verschiedensten Konfigurationen immer wieder ins Blickfeld gerückt wurde. Dazu empfehle ich jedem das äußerst gelungene Buch zum C111, das penibel jeden Entwicklungsschritt dieser Ikone nachzeichnet.

Publikumslieblinge
Immer wieder ein Highlight der MotionExpo ist auch der Stand von Zottler Oldtimer, die jedes Jahr besonders feine Exponate aus ihrer Sammlung präsentieren. Dieses Mal mit dabei: der Murtal-Express Saurer L4C und der Obersteirer Steyr 380 b. Beide bewunder- und betretbar, aber auch jederzeit zu mieten. Dazu noch auf der Mercedes-Sonderfläche der herzallerliebste Mercedes L3000 (Baujahr 1938) Lastwagen, der für uns sogar zu einer Sitzprobe geöffnet wurde. Danke dafür, Michael.

Was fehlt
Die einst große Fläche an privaten Schmuckstücken, egal ob aus der Tuningszene, von Oldtimerclubs oder aus privaten Sammlungen, ist allerdings komplett verschwunden. Damit fehlt auch ein wichtiger Teil der echten Klassikerszene. Denn die besteht nicht nur aus Luxus-Oldtimer-Rallyes und Wertzuwachsszenarien mit den immer selben belehrenden Fachleuten, wie uns die Classic Car Convention weismachen will. Das geht meiner Meinung nach etwas am Kernpublikum vorbei und bleibt nur für einen kleinen Interessentenkreis wirklich relevant.
Was man überhaupt nicht abholt, ist die junge Zielgruppe an interessierten Klassikerliebhabern. Warum gibt es da nicht eine Sonderschau mit Fahrzeugen aus den 90ern und frühen 2000ern, Youngtimer und junge Klassiker oder mal ganz kokett mit japanischen Klassikern? Wenn man nur auf die finanziell solvente Gruppe an Klassikerfans setzt, gibt es hier auch bald das selbe Problem wie bei alteingesessenen Clubs. Da sitzen die Silberreiher unter sich am Clubabend im zweireihigen dunkelblauen Sakko mit Goldknöpfen und aufgesticktem Clubemblem und lamentieren über das fehlende Interesse.
Resümee
Alles in allem war es dennoch ein recht netter Ausflug auf eine Neuwagenmesse – mit einigen interessanten Fahrzeugen, gelungenen Sonderschauen und netten persönlichen Gesprächen mit alten Freunden. Und natürlich mit dem obligatorischen Abschluss-Hopfengetränk in bester Gesellschaft.

Mehr von der MotionExpo findest du hier: MotionExpo

Gründer von Alltagsklassiker, mit großer Schwäche für gut gereifte japanische Fahrzeuge, Prospekte und Modellautos; Fotograf, Vitrinist, buchaffin, bewegt Mazda MX-5 NA V-Special, Mazda 818 Sedan de Luxe, Ford Focus Turnier MK3, Puch Clubman, Bianchi Arcadex und Puch Maxi L.






























Sehr gut geschrieben. Was wirklich total auffällig war, war das die meisten Besucher bei den Neuwägen eher der Generation 40+ angehörte.
Scheinbar kommt die Messe beim jüngeren Publikum nicht an.
Ich habe immerhin gut 20 Jahre Erfahrung mit der Automesse in Graz, egal ob früher die AutoEmotion, oder eben jetzt die Motion Expo.
Ich fürchte ohne die Oldtimerausstellung, und die Zweiradausstellung wäre der Publikumsandrang sehr überschaubar gewesen.
Ich denke für die Jugend ist so eine Messe nichts, was sie generell anzieht. Die konfigurieren sich ihr Leasingauto im Konfigurator und gehen maximal zum Abschluss des Vertrages noch zum Händler.
Aber man sieht bei anderen Messeveranstaltern, wie der Bremen Classic Motorshow, dass man auch den Nachwuchs mit an Bord hohlen kann. Sei es durch eine Aktionsfläche, wo an Klassikern live geschraubt wird, wie auch an attraktiven Sonderschauen, wie zb. Youngtimer, Future Classics oder eine Sonderschau japanischer Old- und Youngtimer.
Was ich noch nicht verstanden habe, inwiefern die Sternefahrt von Klassikernbesitzer der Messe Geld gekostet hat und daher eingestellt worden ist. Ist es lediglich um die Freikarten gegangen oder war die Miete des Vorplatzes das Thema?
Welche Kosten verursacht sonst das Treffen der Klassiker vor Ort?
Wenn man die vielen Teilnehmer beim Saturday Night Cruising sieht, dann wird einem bewusst, wieviele Oldtimer es in und um Graz gibt. Mich fasziniert das immer.
Schade ist das nur, dass man bei solchen Veranstaltungen nicht präsenter ist. Das wäre eine gute Möglichkeit, die Klassiker einem breiterem Publikum näher zu bringen.
Wenn ich mit einem Oldtimer unterwegs bin, dann fällt mir schon auf, dass die Jugend sich sehr wohl für die alten Autos interessiert. Die üblichen Daumen-Hoch-Zeichen kommen hauptsächlich von jungen Männern. Und es passiert häufig, dass junge Damen ihre Handys zücken und Fotos machen.
Also, das Interesse ist da. Man kann es aber sicherlich noch steigern. Aber es hilft nicht, im Internet darüber zu lamentieren, man muss was machen.