Mit dem Puch Pinzgauer zur Rudolfswarte

Geht das nur mir so? Das man seinen Heimatort und seine nähere Umgebung erst mit fortschreitendem Alter mehr und mehr zu schätzen weiß? Werde ich jetzt alt und sentimental, oder wie erkläre ich mir das?

Heimat
Heimat, das ist ein oft schändlich missbrauchter Begriff, den besonders rechtspopulistische Parteien sich auf ihre Fahnen heften, davon halte ich gerne Abstand. Genauso wie neue eingeführte Brauchtumsveranstaltungen, wo sich alle in Dirndl und Lederhosen vom Diskonter zwängen und einen Tag auf heile Welt machen und althergebrachte über Jahrhunderte gewachsene Traditionen beschmutzen. Da ist man dann auch schnell im Fahrwasser von “volksdümmlichen“ Rock’n’Rollern, die Blut und Boden verherrlichen und die alten Zeiten herbeisehnen. Jeder soll das genießen was ihm Freude bereitet, mein Begriff von Heimat ist anders besetzt.

Aber ich will hier nicht vom eigentlichen Thema abschweifen: Heimat, das war und wird für mich immer Graz bleiben, mit all seinen liebenswerten und weniger schönen Seiten. Heimat ist für mich Graz, ins besonders Straßgang der südwestliche Randbezirk wo ich aufwuchs, zur Schule ging und viele Jahre meines Lebens verbrachte. Ein grüner Bezirk, besonders der einst stark landwirtschaftlich genutzte Ortsteil am Kehlberg am Fuße des Buchkogels, wo man den Maisacker vor der Haustüre hatte, die frische Kuhmilch noch zu Fuß beim Bauern holen konnte und man seine Nachbarn noch beim Namen kannte.

 

Bild: Foto Fischer

 

Straßgang und der Buchkogel
Der Buchkogel und seine Wälder war dann dementsprechend auch ein erweiterter Spielplatz für uns Nachbarskinder, den wir zu Fuß oder mit den Fahrrädern erkundeten und Stück für Stück eroberten. Da wurde im Winter gerodelt und Bobgefahren, im Sommer geheime Höhlen aus Bruchholz angelegt, der Katzelbach aufgestaut und auch mal von Liane zu Liane geschwungen und der Tarzanschrei vom österreichischen Hollywoodexport Johnny Weissmüller imitiert. Die Wiederholungen der alten Schinken liefen ja regelmäßig in einem der beiden empfangbaren Fernsehsender.

 

Bild: Michael Tieber

 

Puch = Graz
Heimat ist genauso Puch für den Steirer, die langjährige Geschichte des Thondorfer Puchwerkes und ihrer Produkte ist tief in den Köpfen und Herzen der Grazer verankert. In nahezu jeder Grazer Familie gab es Fahrräder, Mopeds, Motorräder oder Autos von Puch. Mein Großonkel Toni bewegte eine hellblaue Puch DS50, Onkel Herbert einen Puch 500. Onkel Peter besitzt nach wie vor sein Puch Jungmeister Rad, das er sich vom kargen Lohn als Lehrling in den 60er Jahren erspart hat und von dem er sich nicht und nicht trennen will. Auch im eigenen Fuhrpark findet sich ein Puch S60, Puch Clubman und ein Maxi.

So war auch mein Interesse gleich geweckt, als ich frühmorgens im Juli in der regionalen Zeitung den Aufruf zum Gewinnspiel entdeckte: “Mit dem Haflinger zur frisch restaurierten Rudolfswarte“. Im Zuge des Architektursommers hatten fünf Glückliche die Möglichkeit mit einem Fahrzeug des Johann Puch Museum zur Warte zu fahren. Ich war einer der ersten fünf die sich bei der Veranstaltern, dem Gebäude- und Baumanagement der Stadt Graz (GBG), frühmorgens meldeten und somit mit dabei!

 

Bild: Foto Fischer

 

Offroadkompetenz neu gedacht
Aus dem Haflinger wurde kurzerhand ein Pinzgauer, noch dazu ein Exemplar das mit CNG (Compressed Natural Gas), sprich komprimiertem Erdgas betrieben wird. Das ganze befeuert einen Motor aus dem Mini Cooper S, der somit über deutlich mehr Leistung als der herkömmliche Pinzgauer verfügt. Nach einem kurzen Fotoshooting im Museum, erklommen wir den halboffenen Pinzgauer mit seitlichem Planenverdeck und durften nach einer kleinen Stadtrundfahrt, den Buchkogel erklimmen. Ungewöhnlich ist der singende Motorklang, am Steuer fand sich der Mann ein, der mit seinem Team von der Magna Steyr Fahrzeugtechnik den Pinzgauer für den umweltfreundlichen Taxibetrieb auf 1700m Seehöhe für die Postalm entwickelt hat, Dipl.-Ing. Markus Rudolf.

 

Bild: Michael Tieber

 

Rudolfswarte
Am Fuße der Rudolfswarte, 1879 zu Ehren des Thronfolgers Rudolfs am 659 m hohen Buchkogel errichtet,  in den  zu der es über Stock und Stein ging und für den Offroad-Laien großes Kino produziert wurde, referierte man ausgiebig über die kürzlich erfolgte Sanierung der Warte. Diese Aufgabe übernahmen Christian Brugger vom Bundesdenkmalamt und Amir Istafanous von der GBG, die die Geschichte der Warte und deren nicht einfache Instandsetzung mit viel Liebe zum Detail wiedergaben. Der Ausklang fand beim Gasthaus Orthacker statt, wozu der Leiter der GBG, Mag. Rupert Hirner lud. Ein herzliches Dankeschön der GBG und dem Johann Puch Museum, die diesen einzigartigen Nachmittagsausflug möglich machten.

 

Bild: Foto Fischer

 

 

Weiterführende Links:

GBG

Johann Puch Museum

Architektursommer

Pinzgauer 718 CNG

Postalm

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Katzenpapa, mit der Besten aller Beifahrerinnen an seiner Seite, beheimatet in Graz,  Gründer von Alltagsklassiker, mit der Schwäche für alte Japaner, Schweden und Modellautos; Fotograf, Autodidakt, Leseratte, bewegt Mazda MX-5, Mazda 818, Volvo 960 II und Puch Maxi L

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