Oldtimer-Veranstaltungen und Fachmagazine als Werbeplattform?

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Vor wenigen Jahrzehnten – ich war zugegeben noch Kind, kann mich aber lebhaft erinnern – waren Oldtimer-Treffen oder Ausfahrten mit Klassikern eine familiäre Sache. Man kannte sich in der kleinen Szene und bis auf ein paar Besucher blieb man auch unter sich. Solange, bis die Klassik-Abteilungen der selbsternannten Premium-Hersteller die Historie ihrer Marken als Verkaufsargument für Neuwagen entdeckt haben. 

 

 

Wer sich heute auf großen Veranstaltungen umsieht, wähnt sich auf einem Marken-Event oder einer Hersteller-Messe. Die MilleMiglia wird von einer wilden Horde moderner Sportwagen und Supercars begleitet, waghalsig gefahren von Journalisten, Influencern und anderen Marketingmenschen. Zwischen drin taucht gelegentlich auch der eine oder andere privat eingesetzte Oldtimer auf. Der ehemals kleine Geheimtipp Creme21, mittlerweile Deutschlands größte Youngtimer-Ausfahrt, wurde heuer von BMW dazu genutzt, „20 Jahre BMW X5“ zu „feiern“ und das sogenannte SAV künstlich in den Youngtimer-Olymp zu hypen. Und wer Magazine für klassische Fahrzeuge aufschlägt wird feststellen, dass zahlreiche Fahrzeuge von den Klassik-Abteilungen einiger weniger Hersteller kommen. 

Die Frage, die sich stellt: Ist das denn was Schlechtes? Und die ach so typische Antwort kann nur Jein lauten. 

Wie so oft im Leben kommt es auf das geeignete Maß an. Wird ein Treffen oder eine Ausfahrt von einem oder mehreren Herstellern okkupiert und zur Werbeveranstaltung aufgeblasen, leidet die gesamte Szene drunter. Vielfalt geht verloren, Enthusiasten anderer Marken springen ab. Eine Übermacht zerstört das zarte Pflänzchen der Individualität. Ein dezenter Auftritt als Sponsor kann sich aber durchaus positiv auf ein Event und damit alle Teilnehmer auswirken. Schließlich hat es noch selten geschadet, wenn neben Engagement auch Geld im Spiel ist. Für den Auftritt aber gilt: Viel hilft viel ist ein Trugschluss. 

 

Bilder: BMW

 

Eine besonders engagierte Klassik-Abteilung, die bei jeder sich bietenden Gelegenheit Fahrzeuge aus der eigenen Markenhistorie in ein Fachmagazin drücken will, sollte sich das auch hinter die Ohren schreiben. Denn für Publikationen gilt dasselbe wie für Events. Die Übermacht einiger weniger ruiniert die Vielfalt. Der Vorteil einer engen Bindung von Fachmagazinen an die Klassik-Abteilungen engagierter Hersteller liegt aber auch auf der Hand. Braucht das Medium ein bestimmtes Modell für einen Fahrbericht, eine Reportage oder einen Vergleichstest, reicht eine Anfrage und der Hersteller stellt das Fahrzeug vor die Redaktionstür. Wie mühsam ist es dagegen, in Clubs und Foren anzufragen, ob vielleicht irgendjemand Zeit und Lust hätte, sein bestimmtes Fahrzeug zu einem bestimmten Termin an einen bestimmten Ort… Oft aussichtslos. 

Wir sollten froh sein, dass sich immer mehr Hersteller ihrer Historie besinnen und sie aktiv pflegen. Wir sollten aber – und dieser Appell richtet sich an alle Veranstalter und Herausgeber – auch versuchen, trotz verlockender Partnerschaften mit Herstellern oder Importeuren die privaten Enthusiasten nicht zu vergessen. Sorgen sie doch für die Vielfalt, die wir alle seit Jahrzehnten so schätzen. Auch wenn wir damals vielleicht noch Kinder waren. 

Lukas

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