Oldtimer – quo vadis?

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Oldtimer einst und jetzt – Wie hat man sie früher wahrgenommen, wie wirken sie heute auf uns? Ein aktuelles Thema, betrachtet mit ein wenig Hilfe aus der Vergangenheit. 

Da fällt mir vor einigen Tagen die OldtimerPraxis Dezember 1993 in die Hände und schon beim ersten Durchblättern wirbelt es meinen Blick auf die aktuelle Szene komplett durcheinander. Ich sag euch gern, warum.

Auf dem Titel, man höre und staune, ein Peugeot 404. Ein spätes Exemplar von 1973, von einem jungen Mann besser als neu vollrestauriert. Wer seine Faulheit überwindet und ein bisschen den Kopfrechner anschmeißt, wird schnell erkennen, dass der elegante Franzose damals 20 Jahre alt war. Hmmm… Weiterblättern! Ein paar Seiten später ein etwas fragwürdiger Artikel über eine 75er Toyota Carina und ob der „Nippon Nippes für stählerne Geschmacksnerven“ es denn schaffen würde, ein Klassiker zu werden. Das Auto war damals 18 Jahre alt… Noch ein paar Seiten weiter taucht die Restaurierungs-Story eines 61er Hansa 1100 auf. Inklusive Teileversorgungs-Engpässen, einer mühsamen Schlachtauto-Suche und dem Erfolg, ein beinahe vergessenes Auto wieder auf die Räder zu stellen. Das damals 32 Jahre alt war…

 

Bilder: Alltagsklassiker Archiv

 

 

Kein Wort von „Youngtimer-Special“ im Editorial, der Gattungsbegriff „Oldtimer“ prangt stolz auf dem Heft. Und jetzt kehren wir gemeinsam wieder ins Jahr 2020 zurück. 

Auf dem Titel eines Oldtimer-Magazins – die Story eines jungen Mannes, der einen 2000er Peugeot 406 besser als neu vollrestauriert hat. Ein paar Seiten später ein Artikel über einen 2002er Toyota Avensis mit der Frage, ob das schon ein Klassiker ist. Und noch ein paar Seiten weiter eine Restaurierungs-Story eines 1988er Saab 900 (ebenso untergegangene Marke, eh scho wissen) mit allen Schwierigkeiten bei der Ersatzteilbeschaffung. 

 

 

Bilder: Werk

 

 

Na das gäbe neben einem Aufschrei in der Szene auch eine Flut wütender Leserbriefe. Selbst für die Zeitschrift „Youngtimer“ wäre die Themenauswahl gelinde gesagt mutig. Doch woran liegt es, dass 1993 Autos in Oldtimer-Kreisen verkehren durften, die heute maximal als Gebrauchtwagen gelten?

Das KHMÖ (Kuratorium Historische Mobilität Österreich) hat zusammen mit dem Oldtimer Guide eine Umfrage durchgeführt, in der acht völlig unterschiedliche Fahrzeuge beurteilt werden sollten, ob sie ein Oldtimer sind oder nicht. Wobei der Begriff „Oldtimer“ nicht näher definiert hat. Sprich es lag komplett im Ermessen der Teilnehmer, was für sie ein Oldtimer ist und was nicht. Dabei kam raus, dass der 1991er Golf 3 von 88,4 % der Teilnehmer nicht als Oldtimer wahrgenommen wird. Da wäre es dem 1964er Käfer im Jahr 1993 wohl besser ergangen. 

 

 

 

Bild: KHMÖ

Der Begriff „Oldtimer“ hat sich in den letzten Jahrzehnten komplett gewandelt. Autos halten seit den 1980ern immer länger, blieben dadurch auch länger im Straßenbild präsent. Durch aerodynamische Karosserien mit hohem Plastikanteil an Stoßstangen und der Restkarosserie altern unsere Autos auch optisch deutlich langsamer als chrombehangene Relikte der 1960er. Und in Zeiten des Internets ist die Teilesuche und die Kontaktaufnahme mit Gleichgesinnten und Markenkollegen sehr viel einfacher geworden. Man muss nicht mehr als Einzelkämpfer durchs Leben gehen, um eine alte Kiste auf der Straße zu halten. Insofern ist unser aller Hobby deutlich einfacher geworden, als es früher war. Bloß unsere Gebrauchtwagen würden sich wünschen, dass wieder 1993 wär´…

Lukas

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