I am from Austria

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Spätestens seit der Globalisierung und dem Internet floriert das weltweite Import-Export-Geschäft wie noch nie. Auch für uns Autofreaks ist es mittlerweile möglich, uns Autos von fast überall auf der Welt zu importieren oder zumindest in unserem Auftrag importieren zu lassen. Aber will man das wirklich?

 

 

Österreich ist harsch zu Autos. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wird bei uns – Studien belegen das – ein deutlich aggressiveres Streusalz verwendet. Ist der Rostbeschleuniger nach einem halben Jahr dann von der Straße gewaschen, kommt die Unwetter-Saison mit regelmäßigen und teils verheerenden Hagelschauern und Gewitterstürmen. Im Sommerhalbjahr sind die Nachrichten voll davon. Auch werden die ab dem fünften Zulassungsjahr jährlichen Pickerl-Überprüfungen immer strenger angelegt. Wohl mit dem Fokus, alte Autos gezielt von der Straße zu holen. Unter diesen Voraussetzungen fällt es nicht leicht, sein Fahrzeug über mehrere Jahrzehnte in gepflegtem Originalzustand zu erhalten. Das zeigt sich auch statistisch. Ein durchschnittliches Autoleben von der Auslieferung bis zu Export oder Verschrottung dauert in Österreich etwa 12 Jahre.

 

Mazda Auto Info 1983

 

Jetzt gibt´s natürlich die Möglichkeit, sich alte Schlitten aus dem Ausland zu holen, wenn sich in Österreich nichts mehr findet. Ein gepflegter Mercedes-Benz W126 als 560SEL mit voller Hütte soll es sein? Da kannst du dir in Deutschland fast die Farbe aussuchen. Eine rostfreie Alfa-Romeo Giulia oder eine patinierte Wellblech-Ente ist das Objekt der Begierde? Dann könnten Italien oder Südfrankreich eine Reise wert sein. Und wer sich für japanische Oldies erwärmen kann, der schaut sich am Besten in den BeNeLux-Ländern und in Skandinavien um. Oder durchstöbert gleich die japanischen Auktionsseiten im Internet und lässt ihn sich bis vor die Türe bringen. Anbieter für den Import mit All-inclusive-Service bis zum Transport vor die Haustür inklusive Typisierung und Zulassung gibt´s genug. Auch in Österreich.

Ich muss aber gestehen, ich bin Traditionalist. Zumindest dann, wenn es um meine in Würde gealterten vierrädrigen Freunde geht. Für mich ist der Typenschein mit seinen Eintragungen – Ja, sowas gab es mal – das wichtigste Dokument meiner Fahrzeuge. Nicht, weil es für die Zulassung und den Besitznachweis nötig ist. Sondern aus Sentimentalität. Ich möchte etwas über die Geschichte meines Autos wissen und vor allem möchte ich die Vergangenheit auch nachvollziehen können. Das gelingt mir bei einem Auto, das von einem Händler in Neunkirchen an den Erstbesitzer aus Gramatneusiedl ausgeliefert wurde besser als wenn ich mir einen Wagen aus Holland oder Portugal importiere.

 

Mazda Auto Info 1983

 

Für mich ist ein Auto, das seinerzeit vom damaligen Importeur nach Österreich geholt und offiziell über das damalige Händlernetzwerk mit den damaligen Prospektwerten zu damaligen Schilling-Preisen verkauft wurde, deutlich wertvoller als ein Fahrzeug, das in irgendeinem anderen Teil der Welt verkauft und alt geworden ist. Bei einem jungen Alltagsauto oder einem Rennstrecken-Tool wäre mir das egal. Hauptsache es macht das, wofür es gekauft wurde. Aber gerade beim Oldtimer kommt es ja auch auf den Atem der Vergangenheit an. Da gehört eine heimische Geschichte für mich einfach dazu. Denn im salzfreien Portugal oder im Altauto-Szene-Land Holland wird man als obskure Kiste leicht alt. Wer das aber in Österreich schafft, ist wirklich was Besonderes.

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