Carspotting 2026 (Teil 2): Kombis, Coupé & ein Local Hero

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Straßenstrich ist unsere lose Carspotting-Serie aus Graz und seiner Umgebung. Zu Fuß, mit offenen Augen und immer auf der Suche nach Old- und Youngtimern, die man nicht planen kann.

Weiter geht es mit Helmut und Alec in Teil zwei unserer Carspotting-Runde durch das frostige Graz. Teil 1 findest du hier. Plaudernd, einerseits über die Grazer Straßen, vor allem aber über die automobilen Fundstücke, die uns bei unserer ausgedehnten Runde durch die Bezirke Innere Stadt, Geidorf und St. Leonhard begleiten. Rund acht Kilometer lang war unsere Route, die ohne großen Plan entstanden ist. Der Weg war das Ziel.

 

Danke Alec für die Routenaufzeichnung

 

„Über die Faszination des Carspottings wurde hier an dieser Stelle schon ausgiebig sinniert. Auch Helmut hat seinen Zugang dazu bereits einmal ausführlich in meinem Versuch, den Reiz und Zauber des Carspottings einzufangen, dargelegt.

„Ursprünglich habe ich mich einfach nur gefreut, wenn ich irgendwo einen Alt-Nissan gesehen oder gehört habe, speziell einen Sunny, Cherry, Stanza etc.

Weil, wie du weißt, ist der Sunny B11 und da ganz besonders der Touring für mich sehr prägend, da er 1982 für mich ein flashender Quantensprung zu allen bis dahin erlebten Fahrzeugen war und ist.

Es hat sich für mich inzwischen ausgeweitet.

Wenn so ein Fahrzeug 25, 30 oder 40 Jahre alt geworden ist und noch immer da ist, fasziniert mich die Beständigkeit.

Das offenkundig gute Zusammenspiel von Maschine und Mensch.

Und da aktuelle Fahrzeuge, bis auf wenige Ausnahmen wie Hyundai-N-Modelle oder Mazda, immer weniger mit einem spannenden, fahraktiven, lustvollen Gefährt zu tun haben, feiere ich Autos der 80er, 90er und 2000er Jahre umso mehr.

So ein Auto aus einer vergangenen Epoche sticht für mich markant aus der Masse hervor. Es macht die Straße schöner. Ich kenne sie von früher, und es ist schön, wenn der Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart gespannt werden kann.

Und wahrscheinlich behauptet das jede Generation.

Die Fahrzeuge früherer Epochen waren viel unterschiedlicher, eigenständiger. Heute unterscheiden sie sich hauptsächlich durch die Menüführung am Bildschirm.

Ich fotografiere und dokumentiere sie gerne, weil die meisten irgendwann verschwinden. Jetzt sehe ich sie live vor mir, lasse andere an dieser Freude teilhaben und finde sie später im Netz wieder. Urlaubsbilder schaut man sich ja auch immer wieder gern an.“ Helmut Winkelbauer

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Also geht es weiter durch die Grazer Straßen und Gassen, gut gelaunt plaudernd, philosophierend und immer mit einem Auge auf mögliche Kandidaten für den Straßenstrich. An jeder Kreuzung stellt sich die Frage, ob man rechts oder links abbiegt oder ob es sich lohnt, geradeaus weiterzugehen. Hälse werden gereckt, um zu prüfen, ob sich der eingeschlagene Weg lohnt oder ob es Zeit ist, einen Haken zu schlagen.

 

 

Ein paar hundert Meter weiter taucht etwas kastenförmig Grünes auf. Nichts, was in ein Straßenbild voller Leasing schwarzer, weißer oder grauer SUVs passt. Die Entscheidung ist schnell getroffen, es geht geradeaus weiter.

Mitsubishi L300

Diese Entscheidung war goldrichtig, denn nicht nur ein grüner Kleinbus japanischer Provenienz präsentiert sich mittig auf der Querstraße, direkt davor parkt ein ebenfalls reifer Kombi aus Wolfsburg. Ein Mitsubishi L300 GLX 2.5D ist kein Fahrzeug, das man noch alltäglich auf unseren Straßen antrifft. Diesem Exemplar sieht man an, dass es reichlich benutzt wurde, wofür es gebaut wurde. Es wurde gefahren. Dellen und allerlei Macken zeugen von einem bewegten Autoleben. Die schwarz lackierten Todesstreifen zeugen von Kariesbefall, der zeitwertgerecht repariert wurde und wohl schon mehr als einmal über die nächste Pickerlüberprüfung geholfen hat.

 

 

VW Passat 35i

Klar, er hat auch schon bessere Zeiten gesehen, der VW Passat Variant der Baureihe B4. Auch er wird benutzt und legt keinen Wert mehr auf Schönheitswettbewerbe. Günstig von A nach B, dazu viel Nutzwert als Kombi, was auch der Dachträger bestätigt.

 

 

Jeep Grand Cherokee

Kein Fahrzeug, das mein Carspotterherz höher schlagen lässt. Ich freue mich aber über jedes gut gereifte Fahrzeug, das unseren Weg kreuzt. Schön, dass der grüne Klotz noch da ist und das Grazer Straßenbild ein wenig bunter macht.

Puch Camping und Puch Clubman Sport

Ein Faible für alte Fahrräder habe ich schon länger. In letzter Zeit fotografiere ich sie besonders gern, vor allem Details wie Modellbezeichnungen, Scheinwerfer, Rücklichter, Händleraufkleber, Sättel und Klingeln. Also zwischendurch etwas umweltfreundlichere Fahrzeuge mit ordentlich Lebensjahren am Buckel.

 

 

Der Golf 4

Qualitativ wohl der beste Golf. Aber noch immer zu häufig, selbst 20 Jahre nach dem letzten gebauten Variant. Deshalb zeige ich hier keinen. Noch langweilt er mich. Seine Zeit kommt noch. Ganz sicher.

Mercedes-Benz A-Klasse

Stattdessen lieber eine A-Klasse der Baureihe W168. Die sieht man nicht mehr an jeder Ecke. 1997 vorgestellt, berühmt-berüchtigt wegen des Elchtests, war sie ein mutiger, eigenständiger Entwurf. Ideal wäre heute eine der damaligen Farben wie Floraviolett oder Oasengrün.

 

 

Renault Espace

Schon 2024 begegnete mir ein grüner Espace der zweiten Generation. Schnell abgeglichen, aber Kennzeichen und Felgen passen nicht. Also wohl ein anderer. Mein Lehrherr fuhr einst genau so einen, entsprechend lebendig sind die Erinnerungen.

 

 

Mitsubishi Space Wagon

Nur wenige Meter weiter das nächste Raumschiff. Kein Designknaller, aber wann sieht man noch einen in diesem Zustand? Da schlägt bei uns drei Japan-Affinen doch das Herz kurz schneller.

 

 

Honda Accord Coupé

Ein echter Exot auf Österreichs Straßen. Zu speziell, zu wenig Understatement, zu wenig Mainstream. Wer Ende der 90er oder Anfang der 2000er Coupé fahren wollte, griff meist zu BMW oder Mercedes. Umso schöner, über ein Accord Coupé der sechsten Generation zu stolpern. Vorne finde ich das Design schwierig, hinten mit den mächtigen Rückleuchten wieder großartig. Der Spoiler wäre verzichtbar.

 

 

BMW E39

Gegen Ende des Walks tauchten dann doch noch zwei Vertreter der oberen Mittelklasse auf, einmal Limousine, einmal Touring. Der Kombi wirkt frischer und stimmiger. Limousinen verlieren für mich eindeutig, wenn es auch einen Kombi gibt.

 

 

Nach einigen Stunden endete unser Streifzug wieder am Kaiser-Josef-Platz. Danke an Helmut für die Audienz, danke an Alec fürs Mitgehen. Beeindruckend, was drei so junge Burschen an Fachwissen zusammentragen. Ich hoffe, wir konnten euch Leser ebenfalls gut unterhalten.

 

 

Bonustrack G-Wagon

Eigentlich haben wir uns schon verabschiedet, da steht er doch noch. Ein G-Wagon von Puch. In Graz darf der nicht fehlen, der läuft hier seit 1979 in der erst zweiten Modellgeneration in Thondorf vom Band. Ganz egal, wenn dann ein Stern drauf prangt. Ein wenig Lokalpatriotismus schwingt da immer mit.

 

 

Fortsetzung folgt. Der Straßenstrich geht weiter.

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