Carspotting 2026 (Teil 1): Audienz & reichlich Altblech

Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten

Straßenstrich ist unsere lose Carspotting-Serie aus Graz und seiner Umgebung.
Zu Fuß, mit offenen Augen – und immer auf der Suche nach Old- & Youngtimern, die man nicht planen kann.

Audienz beim Alt-Nissan-Papst

Wenn Österreichs Alt-Nissan-Papst auch mal in Graz hofhält, dann nimmt man sich gefälligst Zeit, wohnt der Audienz freudig bei und zeigt, dass auch Graz viel, zu bieten hat! Helmut Winkelbauer lebt und liebt das Thema „Alte Nissans“ wohl wie sonst kein zweiter in Österreich. Er dokumentiert seine Erlebnisse dazu auf Facebook und Instagram. So geschehen am ersten Sonntag des noch jungen Jahres, zu Helmut stieß noch spontan Alec dazu. Alec fährt einen Honda Shuttle und teilt seine Carspottertrophäen gerne auf der Alltagsklassiker Facebookseite. Drei Mann, ein Paar Nordic-Walking-Stecken, zwei Handys und eine Kamera machten sich auf den Weg – der gleichzeitig auch das Ziel war.

 

Die Stadtergeher

 

Steckerlwandern mit Benzingeruch

Helmut ist ja ein großer Freund des Steckerlwanderns (Nordic Walking), somit haben wir drei Dinge unter einen Hut gebracht: die Stadt erkunden, Carspotting und das schon erwähnte Steckerlwandern. Klingt nach einem Plan – war es auch.

Mein letzter Carspotting-Walk, zu finden in der Rubrik „Straßenstrich“, ist auch schon etwas länger her, folglich war es höchste Zeit, mal wieder die gewohnten Spots aufzusuchen, wo sich für gewöhnlich Oldtimer und Youngtimer auffinden lassen. Als Treffpunkt war der Kaiser-Josef-Platz mitten in Graz gesetzt, ideal, um die Gegend rund um die TU, aber auch das Herz-Jesu-Viertel zu ergehen. Gut ausgerüstet zogen wir also los – schön, wenn man das auch mal mit zwei Autoverstrahlten macht, mit denen man bisher noch nicht gemeinsam auf der Pirsch war.

Micra, Benz & ein Herz fürs Herz-Jesu-Viertel

Unser erster Fund war ein Nissan Micra K12, die dritte Modellgeneration des japanischen Kleinwagens, noch dazu das Sondermodell *25th Edition*. Anlass war der 25. Modellgeburtstag des Micra, erkennbar sofort durch die „25“-Plakette am Heck und die silbergrauen Außenspiegel. Die dritte und wohl optisch auch schwächste Generation wurde ab 2003 angeboten und ist somit ein astreiner Youngtimer. Noch schlimmer als den Fünftürer finde ich allerdings das ebenfalls angebotene Cabrio. Es war die schreckliche Zeit der versenkbaren Hardtops, und da war der Micra – neben dem Mitsubishi Colt CZC – einer der schlimmsten Vertreter dieser Gattung.

 

Nissan Micra K12

Nissan Micra K12

 

Zwei Gassen weiter: etwas Solides aus Deutschland – naja, wobei „solide“ beim W210er auch so eine Sache ist. Dieser klassisch silberne Mercedes-Benz S210 scheint aber eines der besseren Exemplare zu sein, denn aus ein paar Metern Entfernung wirkt er sehr gepflegt und gut erhalten.

 

Mercedes-Benz S210

 

Nicht weit davon entfernt geht es nahtlos über von der Alten Technik, dem Stammhaus der TU Graz, ins Herz-Jesu-Viertel. Dort wartet schon der nächste alte Benz auf uns, einer, dem wohl mehr Herzen der Klassikerfans zufliegen. Der 124er – muss ich mehr darüber schreiben? Über den 124er wurde schon mehr geschrieben, als ihm guttut. Sogar ich habe vor über zehn Jahren meinen Senf dazugegeben. Aber als Kombi (S124) ist der 124er nach wie vor eine Bank und würde auch mir als Daily Driver immer noch gefallen.

 

Mercedes-Benz S124

 

Ente, Focus und andere Alltagshelden

Zweimal rechts abgebogen ist einer der automobilen Leuchttürme dieses Viertels gottlob auch dieses Mal wieder anzutreffen: der schwarz-rote Citroën 2CV, aka die Ente. Hier verziert mit altem Grazer Schwarzblech, das durch massive Schutzbügel gesichert ist. Es ist immer wieder eine Wohltat, diesen Klassiker hier anzutreffen – er gehört einfach zum Viertel wie die namensgebende Kirche.

 

Citroen 2CV

 

Deutlich weniger aufregend als die Ente ist unser nächster Fund, während wir tratschend und über Autos philosophierend durch die Gassen ziehen. Klar, ein Ford Focus, noch dazu als Turnier, ist wenig bis gar nicht spannend, sofern es sich nicht um das Topmodell RS handelt. Aber wann hast du das letzte Mal einen Focus der ersten Generation auf der Straße angetroffen? Golf 4 aus dieser Zeit findest du noch zuhauf auf den Gassen und Straßen der Stadt, genauso wie frühe Škoda Fabias – weswegen es kaum welche in die Rubrik „Straßenstrich“ schaffen werden. Zu oft anzutreffen, noch zu beliebig. Noch.

 

Skoda Fabia Stufenheck

 

Škoda Fabias der ersten Modellgeneration lösen noch keinen „Geil, dass es den noch gibt“-Reflex aus. Sofern es sich nicht um die Stufenheckvariante handelt. Dafür habe ich einen Softspot, weil das eine Karosserieform ist, die ich so gar nicht verstehe. Zehnmal praktischer ist da doch eindeutig der Hatchback mit der großen Heckklappe – vom Kombi gar nicht zu sprechen. Limousinen, egal wie klein sie waren, waren so ein Ostblock- bzw. Ex-Ostblock-Ding. Limousinen waren und sind wohl immer noch in Staaten, die einst hinter dem Eisernen Vorhang ihr Dasein fristen mussten, ein Statussymbol. Deswegen gab es dort von so gut wie jedem Kleinwagen eine Stufenheckversion. Ich denke da an Renault Thalia, Volkswagen Polo Classic, Suzuki Swift, Dacia Logan, Ford Focus MK1–MK3, Opel Corsa A & B usw. Alles keine Prinzen, aber mit Stolz in gewissen Regionen Europas pilotiert.

Japanische Survivor & italienische Grazie

Um gleich noch ein Klischee zu bedienen – bzw. zu widerlegen: Nicht alle alten Toyota Corollas sind in Afrika gelandet! Diese beiden Corolla E11 Kombis erfreuen sich bester Gesundheit, mitten in Graz. Auch so ein Fahrzeug, bei dem man sich einerseits freut, es wieder zu sehen, und sich im selben Moment wundert, dass es noch so gute Survivor gibt.

 

 

Nachdem sie in derselben Gasse daheim sind, besteht da wohl ein Zusammenhang – und eine Familie ist sich offenbar der Langzeitqualität bewusst und rettet sie so über Jahre und Jahrzehnte. Da kann ich nur ausrufen: Weitermachen so!

 

 

Nicht weit von den beiden Japaner-Kombis findet sich eine italienische Diva wieder, die still und heimlich vom Exoten auf unseren Straßenzügen ins Fach der begehrten Youngtimer übergewechselt ist. Dieser hier hat schon bessere Zeiten gesehen, trägt aber seine Schrammen und Dellen mit der Würde einer gut gereiften italienischen Grazie.

 

Alfa Romeo 166

 

Acht Kilometer, viele Treffer – Fortsetzung folgt

Nachdem die Ausbeute beim ersten Carspotting des Jahres 2026 sehr gut war, wir bestens gelaunt und gehfreudig waren – rund acht Kilometer haben wir zurückgelegt –, werden wir das Ganze auf mindestens zwei Teile aufteilen.

Fortsetzung folgt – denn Graz hat noch mehr zu bieten.
Der Straßenstrich geht weiter.

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2 Responses

  1. Rochus sagt:

    Nachdem Euch unser S124 gefällt, werden wir ihn nach Möglichkeit einmal mitbringen. Macht viel Spaß, nicht nur als Alltagsklassiker.

  2. Micky sagt:

    Nur zu! So schöne Autos sind gerne gesehen!

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