Schwarzblechfahrer: Mitsubishi Pajero

Ein Sommermorgen im Juli, die Vögel tirilieren vor dem Fenster, die Sonne macht auch vor dem Vorhang nicht halt und lugt durch einen kleinen Spalt herein. Während die beste aller Beifahrerinnen sich noch im Land der Träume befindet und dem melodischen Schnarchen der Katze lauscht, hält mich auch dieser Urlaubstag nicht im Bett. Die Natur ruft und ausnahmsweise höre ich mal genauer hin. Nach einem Kaffee und einer erfrischenden Dusche ziehe ich mir die Radfahrmode an, fülle die Trinkflasche und sattel mein Crossbike. Sonnenbrille aufgesetzt, Aktivierung der Runtastic Bike App und ich klicke mich in die Pedale. Der Murradweg Richtung Süden ist das Ziel dieser kleinen Tour, mal sehen wie weit die Füße treten. Definitiv eine Tour ohne Stress, einfach um etwas frische Luft zu atmen und den Kopf frei zu bekommen und die Ganglien durchzulüften. Die ersten Kilometer geht es noch durch dicht bevölkerte und befahrene Straßen und Gassen, bis der R2 Radweg erreicht ist und ich auf Höhe der Kalvarienbergbrücke darauf einbiege. 

 

 

Bei der letzten Ampel vor dem ersehnten Radweg und der Flucht vor dem Autoknoten der die umliegenden Straßenzüge verwirrt, sehe ich was beiges aus dem Augenwinkel. Beige ist keine der Farben, die in den aktuellen Farbpaletten der Autohersteller vorkommt. Beige sieht man heute nur mehr in den Regalen der Sanitätshäuser, bei Verbandsmaterialien und Stützstrümpfen und selbst die Stützstrümpfe gibt es mittlerweile in heißeren Farben zu erwerben. Also muss das ein automobiles Erzeugnis aus längst vergangenen Tagen sein. Dakotabeige hieß dieser Farbton bei Volkswagen und wurde spätestens in der ORF TV-Satire MA2412 zur Legende, mit dem von Roland Düringer verkörperten Ing. Engelbert Breitfuss, der einen biederen dakotabeigen Polo lenkte.  

 

 

So drehe ich also mein behelmtes Haupt in Richtung des zu erkundenden Objektes und freue mich über diese kantige Sichtung. Kantig, beige und noch mit Schwarzblech verziert, plötzlich ist die Radtour gar nicht mehr so wichtig. Ein Schnellschuss mit dem Handy, der aber nicht so glücklich macht, da müsste man näher ran. So quere ich bei der nächsten Grünphase wieder die Kreuzung und nehme diese ungleiche Verfolgungsjagd auf. Die Hoffnung das der gesichtete Mitsubishi Pajero L040 mit Softtop, den Diskontmarkt geentert hat und dort auf dem Parkplatz auf mich wartet, wäre zwar schön gewesen, hat es aber nicht gespielt. Auch der zweite Supermarktparkplatz ist frei von beigem Altblech, ebenso der des Blumenfachgeschäftes. Also weiter strampeln für eine grenzgeniale Sichtung, die erst zur Sichtung wird, wenn sie fotografisch festgehalten wurde – sonst gilt es nicht! Und ich will ja meine Leser zufriedenstellen und wieder was neues altes zeigen.

 

 

Der Blick in die nächste Siedlungseinfahrt lässt auch nicht das gewünschte erblicken, so biege ich auf gut Glück in die nächste Gasse links ein, schlängle mich an den fleißigen Mitarbeitern der städtischen Müllentsorgung vorbei, die mit vollen Mülltonnen hantieren und die Fahrbahn blockieren. Die Gewerbeobjekte entlang der Gasse bringen auch nicht die ersehnte Sichtung, die Runde über nächsten Supermarktparkplatz hätte ich mir schenken können. So bleibt hier nur noch der verwinkelte Gewerbepark, der mehrere Fachmärkte auf engsten Raum zusammenfasst. Und Bingo, da steht er! Beige kantig und frisch abgestellt vor dem Werkzeugmarkt. Mein Einsatz macht sich doch bezahlt! 

 

 

Runter vom Rad, sich dabei nicht von dem umständlich reversierenden Pensionisten in seinem SUV nicht ums Leben bringen lassen und ran an das Objekt der Begierde. Dabei feststellen, das die Lichtverhältnisse am frühen Vormittag in den Hallenschluchten gar nicht mal so ideal sind, aber man muss es nehmen wie es ist, die zweite Chance den Pajero wieder wieder im ruhenden Verkehr anzutreffen gehen gegen Null. Handy raus, ein paar Bilder schießen und sich daran freuen. Dabei muss man die Blicke der querenden Passanten ignorieren, die einen wenigstens als Spinner abtun, wenn man alte  – für sie – unspektakuläre Fahrnisse ablichtet.

 

 

Gut sieht er aus, durchaus patiniert, die Plastikscheiben des Verdecks mehrfach geflickt,  aber nicht zusammengeritten und rostblühend, sondern voll im Leben stehend. Und so aus der Nähe betrachtet hat das beige Blechkleid durchaus seinen Reiz. Es muss ja nicht immer der jagdgrüne oder einer in metallic sein! Zufrieden ob der morgendlichen Jagdbeute ziehe ich von dannen und fädle mich auf den R2 Radweg ein und strample gen Süden davon.

Mehr Infos zu ersten Generation des Mitsubishi Pajero findet man im Gastbeitrag von Lukas Wieringer, diverse Pajero-Sichtungen gibt es auf Facebook.

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Katzenpapa, mit der Besten aller Beifahrerinnen an seiner Seite, beheimatet in Graz,  Gründer von Alltagsklassiker, mit der Schwäche für alte Japaner, Schweden und Modellautos; Fotograf, Autodidakt, Leseratte, bewegt Mazda MX-5, Mazda 818, Volvo 960 II und Puch Maxi L

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