Leidenschaft die Leiden schafft

Die einen sitzen an einem kalten Samstag im Winter im Kaffeehaus hinter einem Berg Zeitungen, die anderen brunchen sich durch den Tag, wedeln durch den Pulverschnee mit ihren Skiern oder schwitzen in der Therme in der Sauna.

Es gibt aber auch die, die bei Minusgraden nichts besseres zu tun haben, als sich auf den Altautolagerplätzen von Freunden rumtreiben um deren Sammelleidenschaft von der Wiese unter das schützende Dach zu bringen.

 

Glas GT V8

Leidenschaft verbindet
Einer dieser Freunde ist Claus. Claus wurde schon des öfteren hier im Blog erwähnt, ob es um eine der Schiebeaktionen seiner Fahrzeuge ging, oder Überstellungen vom einen auf den anderen Lagerplatz. Oder aber er hat seine goldenen Hände an eines meiner Fahrzeuge gelegt um morsches Blech wieder heile zu machen. Selbstlos wie er ist, nimmt er dafür meist nur die Materialkosten, da hilft man dann gerne im Gegenzug mit, wenn wieder einer der Einsätze am Lagerplatz ansteht. So tauscht man Zeit gegen Zeit und allen ist geholfen. Leidenschaft verbindet eben.

Claus war einer der ersten die ich über das verblichene Altblechforum anno 2006 persönlich kennen und schätzen gelernt habe und eines der Urgesteine im Alltagsklassiker Forum. Legenden haben sich über seinen wahren Fahrzeugbestand gebildet, aber an Legenden und Gerüchten ist meist was dran. Und so blieben die ersten Begegnungen auf einem seiner damals noch wahllos in der Umgebung verteilten Plätze nicht aus, wenn wieder mal eine helfende Hand benötigt war. Da wurden Autos hin und hergeschoben, mittels Stange geschleppt, Rohkarossen im Hinterhof umgelagert, Lagerhallen aufgestellt, sowie ganze Teilelager ehemaliger Sammler und Autoverwerter geborgen und Richtung Heimat verbracht. Da fiel auch schon mal das eine oder andere rare Teil für meine Japaner ab, wieder ohne Bezahlung. Dafür machte man sich gerne die Hände schmutzig und setzte seine Muskelkraft ein. Eine Win Win Situation für beide Beteiligten.

Der Claus ist ein Bewahrer, einer der klassische Fahrzeuge vor dem Schrott rettet, Fahrzeuge die heillos unrettbar sind. Fahrzeuge die rettbar wären, wo aber die fehlende Zeit oft dem retten dazwischenfunkt. Die auf ein besseres Ende warten, fraglich ob es jemals kommen wird. Wünschenswert wäre es, aber dafür wird ein Schrauberleben nicht ausreichen, zwei wohl auch nicht.

 

Stärkung zwischendurch

Siedeln zum x-ten Mal
Nachdem der aktuelle Lagerplatz doch recht exponiert ist und den Unbilden der Witterung ausgesetzt ist und direkt angrenzend eine große Halle frei wurde, wurde diese kurzerhand angemietet und in Beschlag genommen. Damit nicht für beide Areale Miete bezahlt werden muss, wurde diese Umsiedelungsaktion im tiefsten Winter begonnen. Minusgrade, zarter Schneefall und Eisplatten unter dem Schnee machten das ganze Unterfangen nicht gerade leichter. Jahrelang abgestellte Fahrzeuge mit luftlosen brüchigen Reifen und oft steckenden Bremsen taten das übrige dazu. So verbringt man viel Zeit in der Kälte damit, Reifen mit dem Minikompressor der an einer Autobatterie hängt aufzupumpen und hofft, das die Luft wenigstens solange hält bis die Karre in der Halle steht. Gezielte Hammerschläge auf die Bremstrommel, haben schon so manche Bremse wieder gängiger gemacht. Aber auch momentan nicht auffindbare und dann abgerissene Schlüssel, sorgen für Abwechslung und einen spontanen Ausbau der Lenksäule um das Lenkradschloss zu entfernen. Eine spannende Erfahrung das Fiat 850 Coupe mit flexibler Lenksäule zu navigieren! Der VW Passat Variant, kurz Passant, von Volvi hat gute Dienste als Schleppfahrzeug geleistet, auch wenn die Kupplung schrecklich gelitten hat. Aber was tut und opfert man nicht alles für Freunde!

 

Simpel, aber funktionell

Man wird schon nachdenklich wenn man dann dem Tode geweihte ehemalige Perlen, wie Uschi durch die Gegend schiebt. Uschi? Uschi Glas, wie der Glas GT V8 liebevoll genannt wird. Aber auch sonst sind verblichene Schönheiten vorhanden, rare Stücke wie ein Volvo 262c, Alfa Romeo 2600 Sprint, einer der T3 Snycro Prototypen und und und.

Das Herz wird einem schwer, bei so viel ehemaliger Grandezza, Sportlichkeit und Eleganz. Aber bald haben sie wenigstens ein Dach über dem Kopf. Zu viel Zeit wird und wurde mit dem umlagern der Fahrzeuge vergeudet, aber man kann hoffen das sie jetzt einen endgültigen Stellplatz gefunden haben und endlich Zeit ist, den einen oder anderen wieder auf die Straße zu bringen und somit nicht dem Verfall preisgegeben sind.

 

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