Kleintransportertreffen Mautern 2026

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Kleine Nutzfahrzeuge ganz groß: 2. Kleintransportertreffen in Mautern

Am 25. Juli 2026 gehörte das Schloss Ehrnau in Mautern wieder einer Fahrzeuggattung, die bei klassischen Fahrzeugtreffen gerne ein wenig im Schatten ihrer größeren Kollegen steht: den Kleintransportern und Lieferwagen vergangener Jahrzehnte.

Bereits zum zweiten Mal lud der Oldtimer & Creativ Car Club zum Kleintransportertreffen und rückte damit genau jene Fahrzeuge ins Rampenlicht, die einst ganz selbstverständlich zum Straßenbild gehörten. Kleine Lieferwagen, Transporter und praktische Nutzfahrzeuge waren gerade in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg unverzichtbare Helfer. Handwerker, Händler, Bäcker, Fleischhauer, kleine Gewerbebetriebe und unzählige andere Unternehmen waren auf sie angewiesen. Heute dagegen sind viele dieser Fahrzeuge beinahe vollständig aus dem Straßenbild verschwunden. Und selbst bei Oldtimerveranstaltungen sind sie deutlich seltener anzutreffen als Limousinen, Coupés oder Sportwagen. Dabei hätten gerade sie viele Geschichten zu erzählen.

 

 

Vom Arbeitstier zum seltenen Klassiker

Hinter der Idee zum Kleintransportertreffen steckt Helmut „Fips“ Liebhart. Wer sich für historische Nutzfahrzeuge interessiert, kennt vielleicht den Oldtimer & Creativ Car Club beziehungsweise „Diesel-Max“ und die „Historic Diesel-Crew“ von den historischen Nutzfahrzeugtagen in Leoben. Während dort meist die großen Vertreter der Nutzfahrzeuggeschichte für Aufmerksamkeit sorgen, schlägt Fips’ Herz auch für deren wesentlich kleinere Verwandte.

Schon seit Jahren bestand deshalb der Wunsch, den kleinen Transportern und Lieferwagen eine eigene Bühne zu bieten. Jenen Fahrzeugen also, die in der Nachkriegszeit wesentlich dazu beigetragen haben, Wirtschaft und Alltag wieder in Bewegung zu bringen – nur eben eine oder zwei Gewichtsklassen unter einem ausgewachsenen Lkw. Anlässlich seines 80. Geburtstags machte Fips schließlich Nägel mit Köpfen und stellte 2025 das erste Treffen auf die Beine. Das war allerdings leichter gesagt als getan.

 

 

Eine Szene, die eigentlich erst entstehen muss

Während es für viele klassische Fahrzeugmarken und Modelle längst Clubs, Stammtische, Internetforen und gut funktionierende Netzwerke gibt, sieht es bei historischen Kleintransportern deutlich schwieriger aus. Eine wirkliche Szene existiert kaum, Kontakte zu Besitzern sind entsprechend schwer aufzutreiben. Dazu kommt, dass zahlreiche erhalten gebliebene Fahrzeuge mittlerweile eher als Ausstellungsstücke in Sammlungen und Museen stehen, anstatt tatsächlich noch auf eigener Achse unterwegs zu sein. Genau das möchte das Kleintransportertreffen ändern.

Die Fahrzeuge sollen nicht nur konserviert und betrachtet, sondern im besten Fall auch wieder gefahren werden. Denn ein altes Nutzfahrzeug erzählt seine Geschichte schließlich noch ein wenig besser, wenn der Motor läuft, es sich bewegt und man erleben kann, wie bescheiden – und gleichzeitig erstaunlich zweckmäßig – Mobilität einmal sein konnte. Das erste Treffen sollte deshalb vor allem eines sein: eine Initialzündung. Und offensichtlich hat diese funktioniert, denn 2026 folgte bereits die zweite Auflage.

 

 

Zweite Runde im Schloss Ehrnau

Am Samstag, dem 25. Juli 2026, traf man sich diesmal beim Schloss Ehrnau in Mautern. Schon der Veranstaltungsort bietet einen durchaus reizvollen Kontrast: historische Mauern auf der einen Seite und jene kleinen Arbeitstiere auf der anderen, die ursprünglich wohl kaum gebaut wurden, um Jahrzehnte später einmal als gepflegte Klassiker bei einem Treffen bestaunt zu werden. Gerade darin liegt aber der besondere Charme solcher Veranstaltungen.

Ein Kleintransporter musste in seinem früheren Leben funktionieren. Er wurde beladen, entladen, durch enge Gassen geschickt, stand vor Werkstätten und Geschäften und war in vielen Fällen einfach jeden Tag im Einsatz. Schon damals wurden solche Fahrzeuge selten geschont – und wenn ihre wirtschaftliche Lebensdauer beendet war, verschwanden viele von ihnen ohne großes Aufheben.

 

 

Dass heute überhaupt noch Exemplare erhalten sind, ist deshalb alles andere als selbstverständlich

Deswegen konnte ich mir die Chance nicht entgehen lassen und das Mitfahrangebot von Jürgen nicht ausschlagen. Jürgen ist seit geraumer Zeit Besitzer eines Mazda E2200 Pritschenwagens aus dem Jahr 1992. Zustand tiptop und für seine 64 Saugdiesel-PS ,erstaunlich flott zu bewegen. Auch dann wenn zwei ausgewachsene Herren damit unterwegs sind. So ein Pritschenwagen fährt sich natürlich schöner wenn er beladen ist, deswegen hat Jürgen sein Projekt mitgenommen. Das hat er irgendwo nahe der tschechischen Grenze aus einem Stadl geborgen und keiner weiß bisher, was das genau ist. Ist es ein selbst zusammengepfriemelter Eigenbau, ist es ein Produkt aus dem Osten, aus einer Zeit, weit bevor der Eiserne Vorhang fiel?

 

 

Keine Hochglanzhelden, sondern Zeitzeugen

Natürlich gibt es auch unter Kleintransportern längst gesuchte und entsprechend hoch gehandelte Klassiker. Der eigentliche Reiz liegt für mich aber woanders. Diese Fahrzeuge sind Zeitzeugen eines Alltags, der heute fast verschwunden ist. Sie erinnern an kleine Handwerksbetriebe, den Greißler ums Eck, an Lieferdienste lange bevor jemand das Wort „Same-Day-Delivery“ erfunden hatte und an eine Zeit, in der ein Nutzfahrzeug nicht besonders luxuriös, schnell oder komfortabel sein musste.

Es musste seinen Zweck erfüllen. Mehr nicht.

 

 

Genau deshalb passen diese Fahrzeuge eigentlich hervorragend zum Gedanken hinter den Alltagsklassikern. Es müssen nicht immer die prestigeträchtigen Modelle sein, die schon als Neuwagen begehrt waren. Oft sind es gerade die einfachen und alltäglichen Fahrzeuge, die Jahrzehnte später besonders viel über ihre Zeit erzählen können. Und je gewöhnlicher ein Fahrzeug früher war, desto überraschender ist es heute manchmal, überhaupt noch eines davon zu sehen.

 

 

Heraus aus Museen und Garagen

Der Wunsch der Veranstalter ist deshalb nachvollziehbar: Aus den einstigen „Stehzeugen“ sollen wieder Fahrzeuge werden. Natürlich lässt sich nicht jedes erhaltene Exemplar ohne Weiteres zurück auf die Straße bringen. Aber vielleicht braucht es manchmal genau Veranstaltungen wie das Kleintransportertreffen, um Besitzer zu motivieren, ein lange abgestelltes Projekt wieder hervorzuholen oder sich endlich an die Fertigstellung einer Restaurierung zu machen. Das Treffen in Mautern soll jedenfalls weiter wachsen und dabei helfen, Besitzer und Freunde historischer Kleintransporter miteinander zu vernetzen.

Denn irgendwo stehen sie noch. In Garagen, Hallen, Scheunen und Sammlungen warten vermutlich noch einige Lieferwagen und kleine Nutzfahrzeuge darauf, wieder ans Tageslicht geholt zu werden.

 

 

Ein weiteres Fahrzeug aus Jürgens Fundus sorgte für große Überraschung bei Organisator Fips. Sein ehemaliger Metalflake Van, ein Ford Transit MK2, den er persönlich in den 80ern zum Custom-Campervan umgebaut hatte, wurde heimlich von Max aus dem Südburgenland nach Mautern verbracht und war der Überraschungsgast des Tages.

 

 

Es war ein feines kleines Treffen mit teils sehr speziellen Fahrzeugen, vielleicht keine teuren Preziosen, dafür aber Fahrzeuge mit sehr viel Charakter. Denn wo sieht man schon einen Steyr XII N, mit so herrlicher Patina, der auch bald wieder legal am Straßenverkehr teilnehmen soll. Oder Alex’ Fiat Fiorino, ein ehemaliges Postzustellfahrzeug, das in seinem zweiten Frühling bei einer kleinen Computerbude schuften musste.

 

 

Das 2. Kleintransportertreffen im Schloss Ehrnau zeigte jedenfalls einmal mehr, dass auch die kleinen Arbeitstiere der Automobilgeschichte ihre Bühne verdient haben. Und vielleicht entsteht rund um diese beinahe vergessene Fahrzeuggattung tatsächlich Schritt für Schritt eine kleine, aber feine Szene. Der Anfang ist jedenfalls gemacht und macht Lust auf mehr. Mehr Kleintransporter und mehr solcher spezieller Treffen.

 

 

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