Klassiker gewinnen: Oldtimerspendenaktion 2026

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Es gibt vermutlich unangenehmere Möglichkeiten, ein paar Euro für einen guten Zweck auszugeben, als dabei gleichzeitig von einem BMW 3200 CS Bertone, einem luftgekühlten Porsche 911 Cabriolet oder einem Mercedes S124 zu träumen.

Genau diese Möglichkeit bietet auch 2026 wieder die Oldtimerspendenaktion der Lebenshilfe Gießen. Bereits zum 32. Mal werden automobile Schätze, Alltagsklassiker, Motorräder und andere Preise unter jenen verlost, die mit ihrer Spende die Arbeit der Lebenshilfe unterstützen. Die Organisation begleitet in Stadt und Landkreis Gießen mehr als 3.000 Menschen mit und ohne Behinderung in unterschiedlichen Lebensbereichen. 

Und was soll ich sagen: Der automobile Gabentisch ist heuer wieder ziemlich üppig gedeckt.

 

Ganz vorne wartet ein Bertone-BMW

Der erste Preis ist gleich einmal nichts, was man jeden Sonntagvormittag beim Bäcker am Parkplatz findet: ein BMW 3200 CS aus dem Jahr 1964.

Gezeichnet bei Bertone und entstanden in jener Phase, in der BMW noch ganz andere Sorgen hatte als irgendwelche beleuchteten Kühlergrills, ist dieses elegante Coupé heute eine echte Rarität. Unter der langen Haube arbeitet ein 3,2-Liter-V8 mit 160 PS. Gerade einmal 603 Exemplare wurden gebaut.

Nebenbei tauchte am 3200 CS erstmals jenes Designdetail auf, das Generationen später noch immer untrennbar mit BMW verbunden wird: der Hofmeister-Knick.

Das zu gewinnende Exemplar trägt weißen Lack und eine rote Lederausstattung. Man könnte den 3200 CS also durchaus als ziemlich stilvolle Möglichkeit bezeichnen, künftig zum Eissalon zu fahren. Gespendet wurde das Fahrzeug von Dr. Ulrich Weigmann.

 

 

Luftgekühlte Frischluft als zweiter Preis

Wer es etwas sportlicher und oben ohne mag, dürfte beim zweiten Preis nervös werden.

Ein Porsche 911 Cabriolet der Baureihe 993 wartet auf einen neuen Besitzer. Der 993 ist bekanntlich die letzte Generation des 911 mit luftgekühltem Boxermotor und damit längst aus jener Phase herausgewachsen, in der er einfach nur ein gebrauchter Elfer war.

3,6 Liter Hubraum, 272 PS und dazu Frischluft über dem Kopf. Viel mehr braucht es eigentlich nicht, um einen Sonntagvormittag sinnvoll zu verbringen.

Wobei ich bei so einem Auto ohnehin behaupten würde, dass die nackten Fahrleistungen irgendwann zweitrangig werden. Verdeck auf, Schlüssel drehen, sechs luftgekühlte Zylinder hinter sich arbeiten lassen und ab auf eine kurvige Landstraße. Kann man schon einmal machen.

 

S124: Der Alltagsklassiker unter den Preisen

Fast noch mehr Alltagsklassiker geht beim dritten Preis nicht: Mercedes-Benz 300-24 TE aus dem Jahr 1992.

Der S124 ist ohnehin eines jener Autos, über die schon beinahe alles geschrieben wurde. Wahrscheinlich auch von mir. Aber ein großer Mercedes-Kombi mit Reihensechszylinder, 220 PS und den wunderbaren rückwärtsgerichteten Notsitzen im Kofferraum hat einfach etwas.

Das ist kein Auto, das auf dem Papier um Aufmerksamkeit betteln muss. Es reicht schon, eine dieser satt ins Schloss fallenden Türen zu schließen.

Familie rein, Gepäck hinten hinein und ab nach Italien. Oder zum Baumarkt. Oder zum Klassiker-Treffen. Genau diese Vielseitigkeit ist wohl einer der Gründe, warum gut erhaltene S124 mittlerweile längst aus der alten Gebrauchtwagen-Ecke verschwunden sind.

 

Noch ein großer Benz, diesmal offen

Mit dem vierten Preis bleibt man in Stuttgart, darf aber das Dach öffnen.

Der Mercedes-Benz 300-24 SL bringt klassischen R129-Charme in die Verlosung. Reihensechszylinder, 231 PS und das vollautomatische Stoffverdeck machen ihn zu einem jener Autos, die heute langsam aus dem Schatten der früher sündteuren SL-Generationen heraustreten.

Auch so ein Fahrzeug, das vor einigen Jahren noch als gut gebrauchter Mercedes durchging und mittlerweile ganz selbstverständlich auf Youngtimer- und Klassikertreffen herumsteht.

Vollkommen zu Recht, wie ich finde.

 

 

 

Käfer geht natürlich immer

Keine Oldtimerveranstaltung ohne Käfer. Warum sollte das bei einer Oldtimerspendenaktion anders sein?

Preis Nummer fünf ist ein VW Käfer 1200 aus mexikanischer Produktion. 34 luftgekühlte Pferde müssen reichen, und sie reichen natürlich auch.

Ein Käfer braucht keine absurden Leistungsdaten. Er braucht zwei runde Scheinwerfer, das typische Boxergeräusch und idealerweise eine Straße, auf der niemand hinter einem drängelt.

Das angebotene Exemplar stammt aus den 1980er-Jahren und präsentiert sich laut Veranstalter in sehr gutem Zustand. 

 

 

Vom Granada bis zum Saab 900

Damit ist aber noch lange nicht Schluss.

Wer es gerne etwas kantiger und ausladender hätte, darf von einem Ford Granada 2.0 V6 Ghia aus dem Jahr 1979 träumen. 90 PS aus einem Zweiliter-V6 klingen heute nicht unbedingt nach Autobahnschreck, aber das ist bei einem Granada ohnehin vollkommen nebensächlich. Velours, Ghia, V6 und diese herrlich unaufgeregte Formensprache reichen völlig aus. Das wäre wohl mein heimlicher Favorit unter den tollen Gewinnen: Mein erster Klassiker war ein 77er Granada 2.0 L, mit genau diesem toll klingenden V6. Der war zwar leistungsarm und verbrauchsstark, aber der löst wohl den größten Haben-wollen-Reflex bei mir aus.

 

 

Britische Fraktion? Auch versorgt.

Ein MG-C GT Coupé von 1969 und ein MG Midget MK III aus demselben Jahr stehen ebenfalls auf der Gewinnerliste. Einmal kräftiger Sechszylinder im geschlossenen GT, einmal kleiner, leichter Roadster für jene, denen ohnehin nur Landstraße, Sonne und ein bisschen Fahrtwind zum Glück fehlen. 

 

Kleinwagenfreunde dürfen wiederum auf einen Seat 600D von 1971 hoffen.

Ein Auto aus jener Epoche, in der ein Kleinwagen tatsächlich klein war und nicht zwei Tonnen wog, weil sieben Bildschirme, drei Elektromotoren und vier Quadratmeter Dämmmaterial mitgeführt werden müssen.

 

 

BMW 318i Cabriolet

Und dann wäre da noch ein BMW 318i Cabriolet der Baureihe E36. Baujahr 1995, Vierzylinder, 115 PS, weitgehend original und damit mittlerweile fast schon auffälliger als eines der unzähligen tiefergelegten Exemplare, die diese Baureihe jahrzehntelang ertragen musste.

 

 

Kadett, Saab und sechs Meter Cadillac

Auch Freunde des gepflegten Heckantriebs aus Rüsselsheim kommen auf ihre Kosten: Ein Opel Kadett C Coupé gehört ebenfalls zu den automobilen Hauptpreisen.

55 PS, klassischer Hinterradantrieb und eine Form, die heute wieder deutlich mehr Begehrlichkeiten weckt als zu jener Zeit, als Kadett C noch billige Gebrauchtwagen waren. Wie so oft hätte man damals halt mehrere kaufen und irgendwo trocken wegstellen sollen. Hinterher ist man immer gescheiter.

 

 

Aus Schweden kommt ein Saab 900 S von 1992. 145 PS, diese unverwechselbare Silhouette und ein Cockpit, bei dem man nie Gefahr läuft, es mit irgendeiner anderen Automarke zu verwechseln.

Genau diese Eigenständigkeit ist es, die viele Autos aus den 1980er- und 1990er-Jahren heute so reizvoll macht.

 

 

Und wenn all das noch nicht groß genug ist, steht da noch ein Cadillac Fleetwood von 1966.

6,35 Meter Auto.

Da braucht man keinen Parkplatz mehr, sondern fast schon eine eigene Grundstücksparzelle. Dazu gibt es einen Siebenliter-V8 mit 345 PS und 645 Newtonmetern. Ein fahrendes Wohnzimmer aus einer Epoche, in der in den USA offenbar niemand gefragt hat, ob ein Auto vielleicht auch ein bisschen kleiner sein könnte. Herrlich.

 

 

Es muss nicht immer vier Räder haben

Auch Zweiradfahrer dürfen hoffen.

Eine BMW R45 aus dem Jahr 1978 mit luftgekühltem Boxermotor gehört ebenso zu den Preisen. 470 Kubik, 27 PS und klassische BMW-Tugenden. Kein Motorrad für Quartettspieler, sondern eines zum genussvollen Wandern über Landstraßen.

 

 

Etwas moderner wird es mit einer Yamaha XP500 T-Max aus dem Jahr 2008. Noch kein echter Oldtimer, eher der Kategorie Future Classics zuzuordnen, aber ein Fahrzeug, das durchaus das Zeug zum zukünftigen Klassiker hat. Gerade diese frühen Maxi-Scooter haben schließlich eine eigene Fahrzeugklasse geprägt.

 

 

Klassiker gewinnen und gleichzeitig helfen

Natürlich ist die Aussicht auf einen BMW 3200 CS oder Porsche 993 ziemlich verlockend. Der eigentliche Sinn der Aktion liegt aber woanders.

Die Spendenerlöse der Oldtimerspendenaktion 2026 fließen unter anderem in die begleitete Elternschaft für Mütter und Väter mit Behinderung, in die Berufsorientierung für Jugendliche mit Handicap, in den Ausbau der Wäscherei einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung sowie in weitere inklusive Projekte der Lebenshilfe Gießen.

Mitmachen kann man bereits mit einer Spende von 5 Euro. Die Aktion läuft bis zum 20. Januar 2027. Alle Details zur Teilnahme und zu den Fahrzeugen gibt es direkt bei der Oldtimerspendenaktion.

 

 

Fazit

15 Fahrzeuge, vom kleinen Seat über Saab, Käfer und Kadett bis hin zum sechs Meter langen Cadillac und zum seltenen BMW 3200 CS zu gewinnen bei der Oldtimerspendenaktion der Lebenshilfe Gießen.

Eigentlich müsste da für fast jeden Geschmack etwas dabei sein.

Und selbst wenn am Ende kein Klassiker in der eigenen Garage landet, bleibt immer noch der wesentlich wichtigere Teil: Mit der Spende werden Projekte unterstützt, die Menschen ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen. Ich werde auf alle Fälle, wie schon in den letzten Jahren, wieder meine Spende mit Freude tätigen, weil ich weiß dass meine Spende dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Dass man dabei nebenbei von einem Porsche 993 Cabriolet oder einem weißen Bertone-BMW mit rotem Leder träumen darf, macht die Sache natürlich nicht unangenehmer.

Ich würde jedenfalls schon einmal etwas Platz in der Garage schaffen. Man weiß ja nie.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert