Goodbye Halvar: Halbe Zylinder, halber Verbrauch

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Manchmal sind Autos Arschlöcher
Da lässt man einem Auto so viele Liebe und Zuwendung zukommen, steckt das Geld an allen Ecken und Enden rein, wo es nur notwendig ist und bekommt es schlußendlich nicht gedankt. Die letzte §57a sprich Pickerlüberprüfung hat dann den Ausschlag gegeben, nach wochenlangem hadern steht mein Entschluss nun fest: Der Elch ist zum Abschuss freigegeben! 

Und ja, ich habe mir diese Entscheidung nicht leicht gemacht, habe Ersatzteile gesucht, Preise verglichen, Werkstätten kontaktiert und Kostenvoranschläge eingeholt. Aber es sind wieder Kosten die meine Leidensfähigkeit übersteigen, bei aller Liebe zur dicken schwedischen Limousine. Halvar wird also als mein Dailydriver gehen müssen, soviel steht schon mal fest. Möge sich wer anders um den immer ein wenig kränklichen Volvo 960 II annehmen und ihn gesund pflegen.

Was war also ausschlaggebend für diesen Entschluß? Nun wie schon im ersten Absatz angekündigt, war die Pickerlüberprüfung eher negativ. Mehrere schwere Mängel (Kühler undicht, undichtes Lenkgetriebe, Servoleitungen korrodiert, Querlenkerbuchsen gerissen) garniert mit einem Gefahr in Verzug Mangel (Handbremsseil) der die Abnahme der Kennzeichen zur Folge hatte. Dazu kam eine Vorladung zur §56 Überprüfung bei der Landesprüfhalle.

 

 

 

Wenn ich Bilanz ziehe, was da schon alles an Teilen und Kohle in Halvar geflossen ist, war diese Entscheidung keine leichte: 

2015
Thermostat getauscht

Fußmatten

2016
Winterreifen neu, keine 15.000km

Bremsschläuche hinten neu

Ankerblech neu

Stoßdämpfer hinten

Zahnriemen

Wasserpumpe

2017
Getriebe getauscht

Kupplung neu

Kardanwellenlager

2018
Batterie neu

Bremssattel vorne links neu

Bremsscheiben/Beläge vorne

Blinker vorne neu

Lambdasonde neu

Sommerreifen neu – keine 5000km

 

Halvar – quo vadis?
So stand ich also mit einem waidwunden und stillgelegten Halvar da. Gottlob verrichtet Anjas Polo seinen Job zur vollsten Zufriedenheit, wenn auch recht spartanisch, mehr Auto braucht man eigentlich in der Stadt nicht. Aber Überland braucht es dann doch mehr Auto, folglich ging die Autosuche wieder mal los. Nur wohin sollte es dieses Mal gehen? Diverse Überlegungen wurden angestellt und ein Anforderungsprofil wurden erstellt. Definitiv muss es diesmal ein Kombi werden, der eigentlich schon 2015 auf der Agenda ganz oben stand. Diesel macht bei meiner geringen Jahreskilometerleistung nicht wirklich Sinn, also lag das Hauptaugenmerk der Suche auf Benzinern.

 

 

 

Halbe Zylinder, halber Verbrauch
Mir als angeblichem Besitzer von 2 linken Händen mit 10 Daumen wurde nahegelegt, doch etwas neueres mit wenig Pflegeaufwand in Betracht zu ziehen. Ich hatte aber auch keine Lust mehr auf abgeranzte Transportwunder mit 7 Vorbesitzern und fragwürdigem Zustand, sondern auf ein Werkzeug für den Alltag. Ohne viel schnickschnack, aber mit funktionierender Klimaanlage und einigen Sicherheitsfeatures – man wird ja doch älter und bequemer, ein wenig Platz für etwaige Transportaufgaben und ohne Wartungsstau – gut den hatte Halvar einst offensichtlich auch nicht. So habe ich mich quer durch diverse Onlinemarktplätze gesucht, die Plätze von Autohändlern am Wegesrand durchstöbert und diverse Inserate von eingeweihten guten Freunden angesehen. Fündig wurde ich ausgerechnet beim fußläufig erreichbaren Fordhändler. Drei Ford Focus Traveller, als junge Gebrauchtwagen, alle unter 10.000km Laufleistung, keine zwei Jahre alt um einen sensationell guten Preis waren frisch im Sortiment. Der Preis eben noch um einen Tausender herabgesetzt um Platz für Neuzugänge zu schaffen, machten die Wahl nicht schwer, da die ersten beiden des Trios bereits ein Verkauft-Schild trugen. So blieb der mit den wenigsten Kilometern und der einzige mit Alufelgen über. Eine ausgiebige Probefahrt und äußerst positiven Eindrücken später, wurde ein Kaufvertrag unterzeichnet. Und ja, ich habe einen frisch servicierten Quasi-Neuwagen als Dailydriver. Fünf Jahre Garantie und drei Jahresservice ohne Arbeitskosten beinhaltet den Deal. Neue Winterreifen auf Alus wurden noch geordert und so fahre ich seit dieser Woche Kombi. Mein neuestes Auto dem Baujahr nach, war bisher aus dem Jahre 1994, das wird also ein gewaltiger Zeit- und auch Technologiesprung.

Goodbye Halvar
So habe ich am Sonntag nachdem der Kaufvertrag getrocknet war Halvar inseriert. Schonungslos mit allen Macken und Mängeln. Ein Inserat, wie ich es auch gerne sehen würde, wenn ich ein Auto suche. Weit über 1000 Zugriffe und an die 50 haben sich das Inserat des kränkelnden Elches auf ihre Merkliste gesetzt. Angerufen hat dann einer, der wusste was er wollte. Ein bekennender Liebhaber reifer Volvos, der die richtigen Fragen gestellt hat. Selbst Volvosammler und Besitzer einer Werkstatt, der einen Besichtigungstermin wollte, das ganze äußerst zeitnah. So wurde Halvar unserer persönlichen Dinge entledigt, einmal durchgesaugt und somit stand der kritischen Prüfung eines Kenners nichts im Wege.

 

 

Was von Halvar blieb

 

 

Ein ausgiebiger Check und Rundgang um die Limousine im Licht einer LED-Taschenlampe, das sonore schnurren des Sechszylinders als Hintergrundmusik, war man sich schnell handelseilig. Der für diese Modellreihe prächtige Innenraum hatte viele Pluspunkte gesammelt. Ein Kaufvertrag wurde ausgefüllt, die Bordmappe sämtliche Aufzeichnung seit meinem Besitz wurden übergeben. Werkstattkennzeichen drauf und fort war er. Goodbye Halvar.

Man wird sehen, wie sehr uns Halvar fehlen wird und ob der Focus ein adäquater Ersatz ist. Klar, das kann man nicht direkt vergleichen: Ein 25 Jahre alter aus dem vollen gefräster Volvo mit zweieinhalb Litern Hubraum und lahmen 170 Pferden, ist was anderes als ein Dreizylinder mit Turbo und 1000ccm. Gespannt bin ich auch was so ein downgesizter Motor verbraucht und wie er sich im Langzeittest schlägt. Halvar war da ja erwartungsgemäß nicht so zurückhaltend und hat sich in den drei Jahren und auf 26.486 Kilometern im Schnitt 12,24L pro 100KM in die Gurgel rinnen lassen.

So und jetzt jeder den es stört: Bitte nur einen Stein werfen! 

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8 Responses

  1. Michael Fenz sagt:

    Schade um Ihn, aber ich versteh dich, 960er können Diven sein.
    Ich hab vor Jahren in einem seltenen Anfall von „Vernunft“ meinen 244er durch ein modernes Kleinfahrzeug ersetzt, das allerdings bei Km Stand 130.000 derartig durch war (Motor/ Getriebe!), daß es zum Verwerter ging…
    Der 244er (BJ77!) fuhr derweil beim nächsten Besitzer immer noch.
    Voriges Jahr hab ich Ihn dann zurückgekauft 🙂
    …und gerade einen zweiten 2er (Kombi) als Alltagsauto.
    Ich halt´dir die Daumen, daß du bessere Erfahrungen machst mit dem Neuwagen.
    lG
    (der andere) Micky

  2. Mathias sagt:

    Hm….. mir fehlen die Worte….. was „neues“!? Ne, ginger für mich mal garnicht. -Wenn ich in die Kostenrechnung wieder den Wertverlust einrechne, den ich jährljch habe, plus inspektionskosten bin ich definitiv mit nem gepflegten Oldi nicht teurer dabei. Der Verbrauch…. naja, da darf man jetzt nichtbdenbFehler lächeln und Äpfel mit Birnen vergleichen und den geringeren Verbrauch des Neuen loben. Dein 818 bräuchte auch weniger. Zum Volvo entsprechend als Vergleich müsstest Du nen 5er oder sogar 7wr BMW ansetzen, oder was von Mercedes aus dem höheren Segment.

  3. Lukas sagt:

    Ein Foto vom FoFo wäre schon erlaubt gewesen, denke ich… 😉 So ganz nach dem Motto „Jetzt is´ a scho wuascht!“.

  4. Micky sagt:

    Mal sehen wohin das alles führt, die Rückkehr zu einem neuen alten ist ja jederzeit wieder möglich. Einen Versuch ist es auf alle Fälle mal wert, die Erfahrung muss mal gemacht werden. Meine anderen alten werden dadurch wohl noch mehr Spaß bereiten.

  5. Micky sagt:

    Ja so macht jeder mal seine „Fehler“ oder auch nicht. Auf alle Fälle ziehe ich das jetzt mal durch, ob es eine gute Entscheidung war wird sich weisen. Ich hatte jetzt mal die Schnauze voll und wollte Tapetenwechsel. Wegen dem Verbrauch: Das brauchst nicht 1:1 nehmen, aber knapp über der Hälfte wird wohl passen, was bei meiner Jahreskilometerleistung sowieso vernachlässigbar ist.

  6. Micky sagt:

    Ja Lukas, leicht gesagt! Ich wollte ja niemanden kompromittieren mit dem Anblick eines Fast-Neuwagens. Weht mir ja so schon eine steife Brise Gegenwind der gußeisernen Altautofahrer um die Nase. Das sind die die immer Toleranz für ihre alten Autos einfordern, selber aber.. ach lassen wir das 😉

  7. Rayman sagt:

    Schade, dass eben auch ein Stück Schwedenstahl irgendwann ob der wirtschaftlichen Gründe aufgegeben werden muss. Gute Fahrt mit Ford.

  8. Micky sagt:

    Es war die Schmerzgrenze überschritten! Aber irgendein Volvo kommt sicher wieder mal ins Haus.

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