Die Nase Richtung Sommerfrische

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen! So geht es uns doch allen wenn es einem wieder mal zu eng wird in der Heimat und man frische neue Eindrücke braucht vom großen Unbekannten da draussen. Deswegen zieht es uns auch raus aus unserem Grätzel, um neue Orte zu erkunden, unbekannte Landschaften zu entdecken, neue Bekanntschaften zu machen und um seinen Horizont zu erweitern.

So geht es nicht nur mir, erstaunlicherweise geht es auch anderen so. So kam der Vorschlag von Martin nicht ungelegen, ob er nicht von seinem Roadtrip mit seinem Knudsen Taunus und charmanter Begleitung ins kärntnerische nicht etwas schreiben dürfte für den Alltagsklassiker Blog. Gerne wurde sein Vorschlag angenommen und Martins Reise ins Dolce Vita freudig erwartet. Martin ist hier im Blog kein Unbekannter, er war eines der Gründungsmitglieder vom Alltagsklassikervorgänger Altblech und hat uns im letzten Sommer am Wiesenfund seines Ford Transit Panorama MK1 teilhaben lassen.

 

„Mit dem Ford Knudsen Taunus zum traumhaften Millstättersee in Kärnten
Der Ford Taunus Mk1 (1970-75) mit dem Beinamen „Knudsen“ – nach Semon Emil Knudsen, der für die „Knudsen-Nase“, also den vorstehenden Kühlergrill verantwortlich ist – scheint ein hervorragender Reisewagen zu sein. Zuverlässig, geräumig und genügend schnell, solange nicht der rachitische 1300er Motor verbaut ist. Unser Modell hat sogar den nur für den Export gebauten 2 Liter Vierzylinder mit knapp 100 PS verbaut, bei einem Gewicht von lediglich 1080 kg durchaus ausreichend. Warum also nicht erstmalig eine längere Strecke in Angriff nehmen, zumal der Wagen erst rund 77.000 km unter seine Räder gebracht hat?

 

Knudsen vor der See Villa

 

Da trifft es sich hervorragend, daß ich bei Austro Classic ein Wochenende für zwei in der See-Villa am Millstättersee gewonnen habe (herzlichen Dank!). Mit der für dieses kleine Abenteuer nicht abgeneigten Beifahrerin – schließlich fahren wir ein altes Auto ohne Klimaanlage – und der passenden Badehose im Gepäck geht es los.

Die Autobahnfahrt von Graz Richtung Südwesten ist unproblematisch. Wir schwimmen mit 130 km/h im spärlichen Verkehr mit, lediglich der 5. Gang wird schmerzlich vermisst.
Eine Kaffeepause am Wörthersee, ein paar kurvige Landstraßen durch Berge und an Seen vorbei und der Millstättersee breitet sich in seiner Pracht vor uns aus.

 

Regenbogen über dem Millstätter See

 

Die See-Villa der Familie Tacoli ist schnell gefunden. 1884 eröffnet bietet das Schlosshotel mit seinem Glanz der Kaiserzeit und seiner Lage direkt am See, umgeben von herrlichen Bergpanoramen, ein traumhaftes Wohlfühl-Ambiente. Wir werden in der Villa Tacoli neben dem Hotel einquartiert. Ein eigener Badesteg lädt zum Entspannen ein. Ab und zu ein lautloses Ruderboot oder ein leise paddelnder Schwan, der von mitgebrachter Lektüre aufschrecken läßt. Puhhh, mehr Relaxen kann man wohl nicht.

 

Badesteg vor der Villa Tacoli

 

In Millstatt werden die Gehsteige recht früh hochgeklappt. Nach 21 Uhr war es schwer, ein Lokal mit Küche zu finden. Egal, zur Not tuts auch eine Pizzeria mit umfangreichem Gin-Angebot. An den restlichen Abend kann ich mich nicht genau erinnern.

 

Frühstücksfreuden

 

Der nächste Tag bietet eines der besten Frühstücks-Buffets, die meine Begleiterin und ich je genießen durften. Unzählige selbst gemachte Marmeladen (auch von im eigenen Garten angebauten Kiwis), Hirschwurst oder Fasanenaufstrich aus eigener Jagd… dazu angenehme Gespräche mit Mitgliedern der Familie Tacoli. Man hat das Gefühl, von der Küche über die liebevoll gestalteten Gästezimmer bis zu den Rosen im Garten wird alles mit viel Hingabe perfekt am Laufen gehalten.

 

Genuss mit Seeblick

 

Mit vollem Magen wird der alte Ford gestartet. Es geht zur Nockalmstraße. Ein Ausflugstipp der selbst Oldtimer begeisterten Familie Tacoli. Fahrerlebnis pur, eine einzigartige Panoramastrasse durch die „Nocky Mountains“. Die 35 Kilometer lange Alpenstraße mit 52 Kehren bringt uns auf über 2000 Meter über dem Meer. Der Wettergott ist uns hold. Durch das Wechselspiel von Sonne und Sprühregen entstehen mystische Formen im Nebel. Eine Einkehr in einer der vielen Hütten ist unumgänglich… es gibt viel Touristen-Schnickschnack zu kaufen, aber auch exzellente Kärntner Nationalgerichte. Welche das sind, soll jeder selbst herausfinden.

 

Wetterkapriolen in den Nocky Mountains

 

Am kurvenreichen und landschaftlich beeindruckenden Rückweg Richtung Millstatt kommen wir nach Gmünd. Jeder Porsche-Fan weiß, daß hier die Geburtsstunde des Erstlingswerks von Ferry Porsche geschlagen hat. 1948 wurde hier der Porsche 356 mit der Fahrgestellnummer 356-001 zum Verkehr zugelassen. Dieses automobilhistorische Ereignis wird von Familie Pfeifhofer im dort ansässigen Porsche Museum bewahrt. Die spannende Geschichte über die Schwierigkeiten des Automobilbaus so kurz nach dem Krieg ist nicht nur für Oldtimer-Liebhaber interessant.

 

 

Porsche 356 Nr. 20 mit handgedengelter Alukarosserie

 

Eine weitere Nacht in der See-Villa, ein weiteres opulentes Frühstück und schon heißt es Auf Wiedersehen sagen. Den Rückweg treten wir über die Turracher Höhe (1763 Meter) mit dem namentlich dazu passenden See an. Ein eindrucksvolles Alm-See-Plateau, herrliche Panoramen, sowohl auf Kärntner als auch steirischer Seite. Mit eine Kaffeepause am Red-Bull-Ring in Spielberg brauchen wir gut 3,5 Stunden nach Graz. Der Taunus hat uns problemlos trotz steiler Straßen und sommerlicher Temperaturen durch dieses Wochenende gebracht und ich denke, das wird nicht der letzte Roadtrip Richtung Sommerfrische mit der Knudsen-Nase gewesen sein.“

 

Turracher Höhe

 

Bilder und Text: Martin Lamar

Transparenz : Dieser Beitrag wurde nicht bezahlt oder gesponsert und gibt die persönliche Meinung des Gastautors wieder.

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Katzenpapa, mit der Besten aller Beifahrerinnen an seiner Seite, beheimatet in Graz,  Gründer von Alltagsklassiker, mit der Schwäche für alte Japaner, Schweden und Modellautos; Fotograf, Autodidakt, Leseratte, bewegt Mazda MX-5, Mazda 818, Volvo 960 II und Puch Maxi L

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