Custoca Strato

Immer wenn im elektronischen Postfach der Name Roman Stradej aufscheint, ist erhöhte Spannung angesagt: Von ihm kommen immer wieder Bilder von erlesenen Fahrzeugen und seltenen Stücken. Auch dieses Mal hat er wieder einen Exoten „erlegt“, den auf der Strasse anzutreffen ein reiner Glücksfall ist, einen Custoca Strato.

 

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Custoca Strato / Roman Stradej

Hmmh werden sich die meisten denken, noch nie gehört. Auch kein Wunder, den die Marke Custoca (steht für Kunststoffkarosserie) gibt es nicht mehr und war auch zu Lebzeiten wohl nur Insidern bekannt. Dabei bestritt ihr Gründer Gerhard Höller von 1968 bis 1994 mit der Firma Custoca Fiberglass Austria seinen Lebensunterhalt mit dem Bau von Fahrzeugen, Bausätzen, Tuningteilen und Booten.

 

Custoca Buggy / Archiv Raymond A. Krausgruber

 

Basis dieser Fahrzeuge waren wie so oft die Fahrgestelle vom Volkswagen Käfer, die entweder 1:1 übernommen oder in gekürzter Form das Rückgrat für Karosserieaufbauten aus GFK bildeten. In Kraubath an der Mur, wurden Karosserien für Buggys wie dem Amigo und dem Hombre, die Coupes Strato und Hurrycane (auch Hurrikan) und später auch Rümpfe für Boote aus GFK laminiert.

 

Custoca Buggy / Archiv Raymond A. Krausgruber

 

Der Hurrycane nahm deutliche optische Anleihen am Ford GT40, die nur 1,12m hohe windschlüpfrige Karosserie, sorgte bei 700kg Eigengewicht in Verbindung mit dem 95PS Porsche Motor für bis zu 190km/h Spitze.

 

Custoca Strato /Archiv Raymond A. Krausgruber

 

Selbst ist der Mann

Gerhard Höller bewegte im Jahre 1966 einen Porsche 912, fand aber die Karosserie nicht sehr spannend. So machte er sich in der Garage seines Schwiegervaters ans Werk und modellierte auf Basis einer Volkswagenbodengruppe und dessen Technik, eine gefällige Karosserieform eines Sportwagens aus Gips und Holz drumherum. Diverse Spezialanfertigungen, besonders bei der Verglasung waren nötig um das schnittige Coupe fertigzustellen.

 

Custoca Strato /Archiv Raymond A. Krausgruber

 

Ein Audi spendete die Scheinwerfer für die Front, die vom Heck schmückten ursprünglich einen Fiat 850 Spider. Das Lackkleid mit Diamanteffekt der Firma Wiederhold in Stratosphärenblau, war gleichzeitig auch Namensgeber des Sportwagens aus der Steiermark, dem Strato. Die Firma Wiederhold ermöglichte auch die Präsentation des Strato auf der Jochen Rindt Show 1968 in Wien, wo das Coupe-Einzelstück großes Interesse beim Publikum hervorrief. Zwölf Bestellungen nach Abschluß der Messe, waren der Startschuß für die Kleinserienproduktion des Strato.

 

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Custoca Strato / Roman Stradej

Custoca Fiberglass Austria

1968 rief Gerhard Höller auf Grund der Auftragslage Custoca Fiberglass Austria ins Leben und begann im Jahre 1970 mit vorerst 2 Mann Belegschaft die Produktion des Strato in einem aufgelassenen Kinosaal in Kraubath an der Mur.

 

Custoca Strato /Archiv Raymond A. Krausgruber

 

Die ersten Prospekte wurden gedruckt und das Coupe zur Serienreife weiterentwickelt, was auch viele Probleme mit sich brachte. Musste doch eine Verglasung gefunden werden, die aus Serienproduktion stammte und jederzeit verfügbar war, um nur eines der Probleme zu nennen. Die Heckleuchten des abgebildeten Fahrzeuges stammen übrigens vom Toyota Corona Mark2.

Man konnte aber nicht nur Fertigfahrzeuge bei Custoca ordern, auch Bausätze waren verfügbar um kostengünstig zu seinem GFK-Sportwagen auf Käferbasis zu kommen. Ab S 29.450.- exkl. Mehrwertsteuer (~ € 2140.-) konnte man den Bausatz inkl. Rohkarosserie mit eingepassten Türen und Hauben erwerben. Plus jede Menge Arbeit, aber auch der Möglichkeit sich seinen Traumsportwagen zu bauen, nach seine persönlichen Vorstellungen.

Albar Jet

Diesen Traum lebten bis Ende der 1980er 135 Käufer aus, davon gingen 60 Rohkarosserien an den Schweizer Alois Barmettler, der hauptberuflich eine Mazdavertretung in Buochs, am südlichen Ende des Vierwaldstättersees betrieb.

Barmettler vervollständigte den Strato mit VW 411 Motoren, und bot ihn unter dem Markennamen Albar Strahl und später als Albar Jet als Fertigfahrzeug an. Einige Exemplare kamen auch in Deutschland in den Verkauf, weitere Fahrzeuge gingen nach Schweden, Holland, Ägypten und sogar bis nach Malaysien.

 

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Das Ende eines österreichischen Traumes

1986 endete die Produktion in Kraubath, 1994 wurde die Firma aufgelöst. Die Auflagen bei der Verarbeitung von GFK, sowie die immer strengeren Typisierungsvorschriften für Kleinserienfahrzeuge und Bausätze machte die Produktion unrentabel und man beschloß das Unternehmen zu schließen. Der Gründer, Konstrukteur, Entwickler und Koproduzent Gerhard Höller ist im Juni 2015 im 78. Lebensjahr verstorben.

 

Ergänzung am 10.03.2018:
Text erweitert, schwarz-weiß Bilder aus dem privaten Archiv von Raymond A. Krausgruber hinzugefügt, dessen Vater immer wieder mal Gerhard Höller bei der Produktion unterstützt hat.

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