Klassiker bei der Feuerwehr: BMW 520i & Volkswagen 412S Variant

Der Grundgedanke von Alltagsklassiker war immer, die Sichtungen von Klassikern im Straßenverkehr zu dokumentieren und damit ein feines Erinnerungsalbum zu schaffen. Erinnerungen an längst vergangene Zeiten und deren Verkehrsteilnehmer. Eine dieser Sichtungen von Richard Kohlweiss aus dem Jahr 2014, betitelt mit “Der Kommandant“ – ein BMW 520i der Modellreihe E28 im vollen Feuerwehrornat, hat mich auf die Idee gebracht, mal dort nachzufragen, wo dieses wunderbare Fahrzeug gehätschelt und mit großer Freude am Leben erhalten wird. Bei der Freiwilligen Feuerwehr Mooskirchen, dem Besitzer dieses Feuerwehrklassikers wurde ich mit offenen Armen empfangen.

Für gewöhnlich werden lang gediente Feuerwehrfahrzeuge nach 20-25 Jahren aus dem Fuhrpark ausgeschieden, abgerüstet und an private Fahrzeugliebhaber abgegeben. Das sind sind in der Oldtimerszene gern gesehene Lustobjekte, die durch viel Pflege, geringem Kilometerstand in meist gutem Zustand mit Handkuss gekauft werden. Als Beispiel ziehe ich hier gerne zivile Ford Transit der ersten und zweiten Generation heran die kaum überlebt haben, wenn Exemplare am Markt auftauchen, dann sind das meist ehemalige Feuerwehrfahrzeuge.

Die FF Mooskirchen blickt auf eine 130 jährige Geschichte zurück und ist somit eine der ältesten Wehren im Bezirk Voitsberg. Die Tradition wird hochgehalten in dieser weststeirischen Marktgemeinde und gelebt, aber auch die Jugend kräftig gefördert. Von den 94 aktiven Mitgliedern, sind 15 Mädchen und Burschen der Feuerwehrjugend zu zuordnen, der Nachwuchs also gesichert. Aber wie kommt es, das sich eine Feuerwehr gleich zwei Klassiker in ihrem Fuhrpark hält? Da muss man weiter zurückgehen in der Geschichte der FF Mooskirchen und ein paar der Protagonisten vorstellen.

 

Landesfeuerwehrrat Engelbert Huber, Ehrenlandesfeuerwehrrat und Ehrenkommandant Erwin Draxler Senior

Landesfeuerwehrrat Engelbert Huber, Ehrenlandesfeuerwehrrat und Ehrenkommandant Erwin Draxler Senior

 

Als Kommandant steht der Freiwilligen Feuerwehr Mooskirchen ABI Josef Pirstinger vor. Einer der höchsten Feuerwehrfunktionäre der Steiermark ist ebenfalls Mitglied der FF Mooskirchen, der Bürgermeister und Landesfeuerwehrrat für Finanzen, Engelbert Huber.

 

Ehrenlandesfeuerwehrrat und Ehrenkommandant Erwin Draxler Senior

Ehrenlandesfeuerwehrrat und Ehrenkommandant Erwin Draxler Senior

 

Die wohl schillerndste Persönlichkeit der FF Mooskirchen ist der altgediente Erwin Draxler Senior, der nicht nur als Seniorchef von Geflügel Draxler ein Macher war und ist, sondern auch einer dem dem die Feuerwehr seit 1962 am Herzen liegt. Der 83 jährige Ehrenkommandant hat die Geschicke der FF Mooskirchen über 35 Jahre durch sein Mitwirken geprägt, davon 10 Jahre als stellvertretender Kommandant, sowie 25 Jahre an der Spitze als Kommandant. Weiters war er auch als Bezirksfeuerwehrkommandant, sowie als Landesfeuerwehrrat für das Wohl der Feuerwehren in der Steiermark tätig.

In seine aktive Zeit fiel auch der Ankauf des VW 412S Variant als Kommandofahrzeug 1973. Der 411, der ab 1968 angeboten wurde, war die letzte PKW-Neukonstruktion nach dieser alten Machart – immerhin auch mit Einspritzung erhältlich, das letzte aufbäumen des Boxermotors, sieht man vom T3 Bus ab. 1972 kam ein Facelift vom Typ 4 auf den Markt, ab da hieß er 412, das eine etwas andere Optik bot, sowie dem Motor nochmals mehr Hubraum und Leistung bescherte. Der lange Vorderwagen bescherte dem 411/412 den Spitznamen “Nasenbär“. Selbst diese wesentlichen Verbesserungen des ursprünglichen Käferkonzeptes aus den 30ern, konnten das Ruder nicht mehr herumreißen, nach nur 367.728 Exemplaren war 1974 Schluss mit dem großen Volkswagen. Volkswagen war gerade dabei die alten Zöpfe abzuschneiden und von den seit den 40er Jahren produzierten heckgetriebenen Modellen mit Boxermotoren, zu zeitgemäßeren Fahrzeugen überzugehen. Von da an waren wassergekühlte Frontmotoren, Frontantrieb, selbsttragende Karosserie, mehr Komfort und adäquate Fahrleistungen State of the Art bei VW um gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten. Da war der erste Bote des Wandels bei VW, der moderne Passat schon ein Jahr am Markt.

Der Kommandowagen der FF Mooskirchen ist ein prächtiger Zeitzeuge jener Volkswagenära, vor allem da vom Typ 4 nur ein äußerst geringer Prozentsatz überlebt hat. Mangelnder Rostvorsorge war der Hauptgrund für die Dezimierung der Bestände – teilweise wurden die Hohlräume schon ab Werk mit Bauschaum ausgeschäumt. Das dämpfte zwar die Vibrationen, war aber ein wahres Paradies um Feuchtigkeit zu binden und dem Rost Tür und Tor zu öffnen. Ebenso wurden die für Volkswagenverhältnisse kräftigen Motoren (bis 85PS) gerne in andere Volkswagen, sowie die in den 70ern und 80ern so beliebten Buggys und Kitcars auf Käferbodenplatte verpflanzt.

 

Der VW 412S Variant der FF Mooskirchen ist das ehemalige Fahrzeug des Bezirksfeuerwehrkommandanten, das nach der Ausmusterung aus dem offiziellen Dienst von den Mooskirchnern angekauft wurde und seitdem liebevoll erhalten wird. Erst im letzten Jahr hat er zeitgemäße pulverbeschichtete Stahlfelgen erhalten. Der Innenraum zeigt sich im prächtig patinierten Zustand inklusive dem Feuerwehrdienst geschuldeten Ergänzungen wie Funkgerät, Blaulicht- und Folgetonhornsteuerung. Die typischen 70er Ingredienzien wie Kunstleder auf den Sitzen, sowie Holzfolie auf der Armaturentafel zieren auch den 412S, wie so viele Fahrzeuge aus jener Ära. Der Boxersound ist unverkennbar, auch wenn er hier aus 1,8 Litern Hubraum kommt. Klingt gut, zieht kräftig an, hat seinen sehr eigenen Charme, ein Blickfang ist man damit auf jeden Fall – nicht nur im vollen Feuerwehrtrimm.

 

 

Der zweite Klassiker im Dienste der FF Mooskirchen, der BMW 520i war teil einer Sammelbestellung für alle steirischen Bezirksfeuerwehrkommandanten und somit Dienstfahrzeug für Erwin Draxler Senior, der ihn auch auf eigener Achse aus dem deutschen Ulm in seinen steirisches Dienstbezirk überstellt hat. Nach dem Ausscheiden aus dem Dienst 2002, wurde der BMW von Erwin Draxler privat angekauft und der FF Mooskirchen geschenkt. Die Limousine der Modellreihe E28, aus dem letzten Jahr seiner Bauzeit, glänzt mit seinem seidig weichen M20 Reihensechszylindermotor, der in der Österreichausführung 120 PS leistet. Interessant ist die geringe Kilometerleistung von knapp über 100.000 Kilometern, die Innenausstattung mit zwei Innenspiegeln, sowie die Sitzbezüge: Vorne Stoff, hinten Leder. Auch hier wird seitens der FF Mooskirchen stark auf den Erhalt des Originalzustand geachtet, einzig die ab Werk bestellbaren BBS Kreuzspeichen-Alufelgen gehen als zeitgemäßes Zubehör und sympathische Aufwertung durch. Das originale Blaulicht wird gerade überarbeitet, da wird mangels Ersatzteilen an einer eleganten praktikablen Lösung gefeilt um die blinden, korrodierten Reflektoren zu erhalten. Das Blechkleid verträgt auch immer wieder ein wenig Zuwendung, befindet sich aber in guten heilenden Händen.

Die beiden Klassiker müssen natürlich nicht mehr jeden Tag ran wenn die Feuerwehr ausrückt, sie sind in ihrer Feuerwehrpension. Sie dienen einerseits als sympathische Blickfänger und Aushängeschilder der FF Mooskirchen bei Treffen, wie z.B. dem GTI Treffen am Wörthersee oder der Feuerwehr Oldtimer WM, die sie 2015 auf den Großglockner führte. Aber auch im Dienste der Fortbildung werden der VW und der BMW am Weg zu Schulungen eingesetzt.

 

 

Mein besonderer Dank gilt dem Pressebeauftragtender FF Mooskirchen Ing. Christian Gröblbauer der diesen Termin möglich gemacht hat, mich mit Infos versorgt hat, die Faszination Feuerwehrauto bei Probefahrten mit den beiden Klassikern hautnah erlebbar gemacht hat, sowie den Herren Pirstinger, Draxler und Huber für die Zeit und interessante Einblicke in das Feuerwehrwesen.

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