Ford Transit Panorama MK1

In der großen Alltagsklassikergemeinde gibt es einige, mit denen ich schon seit Jahren gut befreundet bin. Wenn ich mich genau zurück erinnere, ist er wohl derjenige mit dem ich als erstes Kontakt zur “Grazer Szene“ hatte. Das muss so 2004 gewesen sein, als ich mir gerade meinen ersten Youngtimer, einen Ford Granada MK2 eingetreten hatte. Er fuhr zu der Zeit den viel cooleren Knudsen-Taunus, in doppelter Ausführung: Einerseits ein in den 80ern umgebautes Cabriolet und die dafür als Ersatzteilträger angeschaffte Limousine, die “Orange“. Er hat mich auf der Straße angequatscht und mich mit Fordwissen tot gelabert. Wie man ihn kennt, ohne Berührungsängste, mit seinem gewinnenden sympathischen Wesen. Daraus ist eine mittlerweile 13 Jahre andauernde Freundschaft gewachsen die durch finstere Täler und lichte Höhen gegangen ist, Martin ist einer der engsten Freunde, einer den ich nicht mehr missen möchte. Martin, auch bekannt als Lamar, er war Mitgründer der legendären Altblechcommunity und ist nach wie vor recht gut vernetzt in der Klassikergemeinde.

Es geht ihm aber auch nicht anders als uns allen, wenn sich die Gelegenheit ergibt ein aussichtsloses Projekt an Land zu ziehen auch wenn der Platz knapp ist, da ist auch er schwach und das Geldbörsel steht weit offen! So hat er sich erst kürzlich was richtig rares an Land gezogen, aber lassen wir ihn davon selbst berichten.

 

 

Alles fing mit einer unscheinbaren willhaben-Anzeige mit dem Titel “Ford Transit Oldtimer“ an. Vielversprechende Fotos – wenn man Rost mag. Trotzdem für mich nicht interessant. Wer will schon einen alten Transit in Zustand 5? Wenn da nicht auf dem dritten oder vierten Bild ein kleiner Ausschnitt eines Fensters im Dach des Busses zu sehen gewesen wäre!

 

Transit vs. Volvo: 0:0

 

Dachfenster?
Wie beim VW-Samba-Bus? Auch vom Vorgänger des Transit, dem Taunus Transit kennt man das, aber beim MK1? Die Recherche im Internet bringt die Erkenntnis: Gab es so auch original beim MK1 vom Werk aus unter dem Namen TRANSIT PANORAMA. Sechs Dachfenster in drei unterschiedlichen Größen und mittig im Dach ein blechumrahmtes Hubglasdach machen den Transit zum Luxusbus.

 

Guck mal!

 

Als ich mich in eine Transe verliebte
Also doch äußerst interessant diese Anzeige. Anruf: sehr netter Verkäufer. Der Bus gehörte dem verblichenen Onkel und steht nur ein paar Kilometer entfernt am Grazer Stadtrand. Sofortige Besichtigung: Einsam und verlassen steht der Transit Panorama seit mittlerweile etwa 18 Jahren in der Wiese, notdürftig zugedeckt und von Moosen und anderen Grünpflanzen in Beschlag genommen. Eigentlich müsste man mir etwas fürs Mitnehmen bezahlen, wenn, ja wenn da nicht diese Fenster im Dach wären. Interessant, das so etwas durchsichtiges so einen großen Unterschied zwischen “hmm naja“ und “jaaa ich will“ machen kann. Über den Kaufpreis schweigt man hierzulande gerne. Nur so viel: Pro Fenster habe ich weniger als 20 Euro ausgelegt.

 

Der Kater auf dem heißen Blechdach

 

Die Bergung
Steiles Gelände, kurvige Straße, mit dem Hänger unmöglich zu bewerkstelligen. Trotzt jahrzehntelanger Standzeit bewegt sich der Transit, zumal alle Reifen noch Luft ( aus den 90ern) gespeichert hatten. Sollte man diese Retroluft in Dosen abfüllen? Ach man kann nicht alles aufheben, war wohl ein dummer Gedanke. Wer wäre jedenfalls nach so langer Standzeit nicht motiviert, man ist ja schließlich keine Immobilie!

 

Mehr als Patina?

 

Er rollt also. Rückwärts, bergab und schnell. Am anderen Ende der Flugbahn der rote Volvo des Nachbarn. Also schnell einen Balken vor die Räder des Transit geworfen, den er behände und voller Elan überspringt. In panischer Angst dann die Bremse getreten und oh Wunder, er verzögert, wird allmählich langsamer und schlägt doch nicht in Nachbars Volvo ein. So sind der Nachbarschaftsfrieden und der Transit gerettet!

 

RAMba zamba!

 

Ab jetzt darf der mitgebrachte Dodge Ram seine Muskeln spielen lassen. Gut vorbereitet, wie wir waren, ziehen wir den Panoramabus mit zwei leicht eingerissenen Zurrgurten die steile Straße hinauf. Adrenalin pur, aber die Zurrgurte halten der Zweckentfremdung statt. Aufgeladen auf den Hänger und ab nach Hause damit. Unterwegs werden wir sogar zweimal auf den “schnuckeligen Bus“ angesprochen. Es war wohl eine gute Entscheidung, den Ford Transit MK1 Panorama von 1967 erstmals zu sichern. Doch wie geht es mit ihm weiter?

Martin Lamar

 

Fortsetzung folgt…..

 

(Visited 388 times, 1 visits today)
Facebooktwittergoogle_plusredditpinterestlinkedinmailby feather

Kommentare

Kommentar

One Comment

on “Ford Transit Panorama MK1
One Comment on “Ford Transit Panorama MK1
  1. Pingback: Alltagsklassiker Classic Austria 2017 | Alltagsklassiker

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.