Der Reiz des Vergänglichen

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„Das Leben borgt seinen höchsten Reiz vom Tode; es ist nur schön, weil es vergänglich ist.“ Dieses Zitat des deutsch-österreichischen Dramatikers Christian Friedrich Hebbel gilt auch für unser aller Lieblingshobby. 

Unsere Kisten haben die besten Jahre schon lange hinter sich. Der Produktionsstopp ist Jahrzehnte her, der Bestand schrumpft mit Ausnahme einiger weniger Modelle immer noch deutlich. Aber gerade das macht ein Auto erst spannend. Ein Neuwagen ist beliebig, weil jederzeit wieder zu beschaffen. Wenn damit was passiert, kauft man sich den nächsten. Beim Alltagsklassiker wird das schwieriger. Steht das „Alltag“ im Wort Alltagsklassiker doch für deutlichen Verschleiß an Hülle und Innereien genauso wie für ein erhöhtes Unfallrisiko. Wenn dann das Schicksal erbarmungslos zuschlägt, ist gleichwertiger Ersatz oftmals schwer bis gar nicht mehr zu finden. 

 

Jaguar XK / Bild: Lukas Wieringer

 

 

Aber – Gerade dieses Spielen mit dem Schicksal, das macht uns heiß! Etwas, von dem man weiß, dass es nicht ewig andauern wird, genießen wir bekanntlich viel intensiver. Wenn das ganze Jahr Sommer wäre, würden wir uns nicht mehr über einen lauen Abend im Gastgarten des Lieblings-Eiscafes freuen. Würden unsere alten Autos ewig erhalten bleiben – man blicke beispielsweise auf die Kanaren – dann wäre es nichts Besonderes mehr, einen Alltagsklassiker zu fahren. Sondern einfach nur ein Zeichen von fehlenden finanziellen Mitteln oder Realitätsverweigerung. Und dann war da ja noch was:

 

Ford Transit MK2 Pritsche / Bild:Lukas Wieringer

 

Wer ist eigentlich freudig überrascht, einen taschentuchgepflegten und bestens erhaltenen Mercedes-Benz R107 zu sehen? Genau – Ist ja nichts Besonderes. Die Dinger mussten nie etwas leisten, wurden stets gepflegt, im Winter weggesperrt und gehätschelt. Ein rostfreier Survivor der ersten Generation des Ford Transit – da laufen auf Treffen die Leute zusammen. Hat ja kaum einer jahrzehntelanges Hackeln überlebt und wenn, dann ist er heute auf Montage in Afrika. Spannend werden sie dadurch, dass sie eigentlich schon lange hätten sterben müssen. Hebbel, du hattest recht!

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